Bringt schwacher Euro-Wechselkurs Vorteile für die Krisenländer?

Eurokrise – Wechselkurs schwächen-

Eine Abwertung der Gemeinschaftwährung Euro wäre ein geeigneter Weg, um den Krisenländern zu helfen. Ökonomen sehen die gesamte Euro-Zone von einem niedrigeren Wechselkurs profitieren.

„Ein schwacher Euro bringt Vorteile für die Euro-Zone“

Euro-Krise
Vorteile durch Verwässerung
des Euro Wechselkurses
?

Eine Abwertung des Euros würden den Krisenländern helfen. Der Meinung sind lt. Welt am Sonntag die drei Ökonomen Clemens Fuest, Ulrich Kater und Holger Schmieding.

Der Finanzwissenschaftler Clemens Fuest erklärte dem Nachrichtenmagazin, dass er sich „vorstellen könne“, den Wert des Euros noch weiter zu reduzieren. Selbst die „besten Reformen“ würden nicht ausreichend sein, die Wettbewerbsfähigkeit der Südländer wieder herzustellen. „Italien und Spanien brauchen eine Kombination aus einer Euro-Abwertung und möglichen Hilfen durch den Rettungsschirm ESM.“, erklärte Fuest.

Eine reine „emotionale Einstellung“ zum Euro will Paul De Grauwe, Professor für Internationale Wirtschaft in Leuven (Niederlande), festgestellt haben und forderte deshalb die Deutschen auf, ihren Standpunkt zu ändern. Emotionen hätten nichts mit rationaler Analyse zu tun, so De Grauwe und fügte hinzu, „Europa und Deutschland würde es besser gehen, wenn der Außenwert des Euro niedriger wäre“.

Paus De Grauwe wies auch darauf hin, dass in der ersten Hälfte der 1980-er Jahre, die D-Mark gegenüber dem Dollar die Hälfte ihres Wertes verloren hätte, aber in Deutschland dennoch „nichts Schlimmes passierte“.

Die europäischen Exporte würden durch einen niedrigeren Euro-Wert verbilligt werden, denn „nicht von ungefähr sind die deutschen Exporte in die USA jüngst um über 20 Prozent angestiegen“, erklärte Anton Börner, Präsident vom Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA) der Welt am Sonntag.

Unterstützung dieser These leistet auch Andreas Rees, Ökonom von der Unicredit. Ein schwächerer Wechselkurs würde allen Euro-Ländern Nutzen bringen, das würde für die Krisenländer genauso gelten wie für Deutschland. Lt. Rees würde der Rückgang des effektiven Euro-Wechselkurses um 10% für beinahe 1% zusätzliches Wachstum der „hiesigen Wirtschaft“ sorgen.

Für dem Chefökonom der Berenberg Bank, Holger Schmieding käme der schwächere Euro den Krisenländern „jetzt gerade recht“ und Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, wäre der Meinung, dass der bisherige Kursverfall des Euros „freilich“ noch nicht ausreiche, um zur Krisenbewältigung einen „entscheidenden Beitrag“ zu leisten.

Soll der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben werden?

Ulrich Kater und Holger Schmieding sind Volkswirte von Banken. Beide geben eine Erklärung ab, was dem Euro gut bekommen würde.

Wer würde es für eine gute Idee halten, einen Pyromanen zu befragen, wie er am besten gegen einen Flächenbrand vorgehen würde?

Die Aussage, der Kurs der D-Mark hätte sich in der ersten Hälfte der 1980-er Jahre gegenüber dem Dollar halbiert kann so nicht nachvollzogen werden. 1980 rund 1,83 D-Mark/Dollar, 1981 2,26 D-Mark/Dollar, 1982 2,43 D-Mark/Dollar, 1983 2,56 D-Mark/Dollar, 1984 2,85 D-Mark/Dollar und 1985 2,94 D-Mark/Dollar. Bis 1989 stieg die bisherige Währung wieder auf einen Kurs von 1,88 D-Mark/Dollar an.

Sollte der Euro „effektiv“ abgewertet werden, hätte ein niedrigerer Kurs lediglich Auswirkungen auf den Export, bzw. dem Handel außerhalb der EU. Der innereuropäische Binnenmarkt würde nach wie vor über den Euro laufen und Kursvorteile wären nicht existent. Der wichtigste Handelspartner außerhalb der EU ist für Deutschland die USA, gefolgt von China und Russland.

Dennoch bleibt Frankreich als Mitglied der Euro-Zone mit Abstand das wichtigste Exportland für die Bundesrepublik. In den „Top 10“ der Euro-Handelspartner befinden sich u.a. die Niederlande, Italien, Österreich und Belgien.

Die Import-Preise sind offensichtlich vergessen worden
Sofern von Kohle abgesehen wird, ist Deutschland arm an Rohstoffen. Zumindest reichen Menge und Rohstoff-Sorten nicht aus, um den Bedarf decken zu können. Diese müssen weltweit eingekauft und importiert werden. Ein Handelsfeld welches über den US-Dollar abgewickelt wird.

Ein abgewerteter Euro würde z.B. Erdöl, Erdgas und Metalle schlagartig im Preis ansteigen lassen. Die Haushalte dürften mit erhöhten Energiekosten belastet werden und wenn die Industrie angestiegene Rohstoffpreise nicht auf die Produktpreise umwälzt und somit den Exportpreis erhöht, wird ein Weg gefunden werden, um auch für diese Differenz dem Bürger anzulasten.

Der Wechselkurs des Euros könnte darüber hinaus vom Standpunkt eines Investment- und Devisenhändlers betrachtet werden. Wer ausländische Devisen und Bestände zum Dollar-Kurs hortet, wäre ebenfalls an einem sinkenden Euro-Kurs interessiert.


Die Berenberg Bank ist die älteste (noch existierende) Bank in Deutschland mit Sitz in Hamburg. Die Geschäftsbereiche umfassen das Investment Banking, Privatkunden Betreuung, Vermögensverwaltung und Betreuung von Firmenkunden. Eine Besonderheit der Bank besteht aus den persönlich haftenden Gesellschaftern, wobei die Herkunft des Geldes für den Erwerb der Berenberg-Anteile durch Dr. Hans-Walter Peters und Hendrik Riehmer im Dunkeln liegen.

Clemens Fuest ist neben seiner Tätigkeit als Professor für Unternehmensbesteuerung an der Universität Oxford ein Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates beim Bundesfinanzministerium.

Holger Schmieding war 1993 als Volkswirt für den Internationalen Währungsfond (IWF) in Washington DC. tätig. Darauf folgten die Posten als Chefvolkswirt bei Merrill Lanch, Bank of America und seit Oktober 2010 bei der Berenberg Bank (im Bericht von Welt Online wird Schmieding als Chefvolkswirt der Deka-Bank vorgestellt und Ulrich Kater für die Berenberg Bank, offensichtlich eine Verwechslung).

Tarifometer24.com – Tarife – News – Meinungen

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