Unterschiedliche Bilanzen zum Test Grundeinkommen Finnland

Grundeinkommen –


Das zweijährige Experiment eines bedingungslosen Grundeinkommens in Finnland ist beendet. Die ersten Bilanzen werden von den Medien jedoch sehr unterschiedlich interpretiert.

Lohn-Gehalt

Das Konzept eines Grundeinkommens scheint nicht jeden zu gefallen

Zwischen gesünderen Menschen und total vermurkst

Vor zwei Jahren wählte die Regierung Finnlands auf Zufallsbasis 2.000 Arbeitslose im Alter zwischen 25 und 58 Jahren aus, um diese für die nächsten zwei Jahre mit einem Grundeinkommen zu versorgen. Jeder Auserwählte erhielt monatlich 560 Euro ohne jegliche Bedingungen. Sie konnten während dieser Zeit auch weitere Einkommen erzielen, ohne dass beim Grundeinkommen Kürzungen vorgenommen wurden. Wer Kinder hat, erhielt entsprechende Zuschläge. Nach dem Ablauf dieser zweijährigen Testphase wurden bereits die ersten Bilanzen gezogen, die jedoch unterschiedlicher kaum sein können. Ein Grundeinkommen mache glücklicher, bringe aber kein Job, so Spiegel-Online (SPON) folgend der AFP-Vorgaben. Die Finnen haben Geld sinnlos verschenkt und das Experiment gründlich vermurkst, so die Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz.net).

Während SPON einige Vorteile für die auserwählten Testpersonen hervorhebt, zählt FAZ die im Rahmen der Testphase gemachten Versäumnisse auf. Der Journalist Tuomas Muraja habe durch das bedingungslose Grundeinkommen von wesentlichen Erleichterungen bei der Wahl seiner Aufträge profitiert, da er auf die Kalkulation zwischen Einkommen und Abzügen bei der vorherigen Arbeitslosenhilfe verzichten konnte, so SPON. Für die Testphase wurden Leute ausgewählt, die zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon arbeitslos waren. Deshalb konnte nicht getestet werden, ob Erwerbstätige aufgrund des Grundeinkommens ihren Job aufgeben, so FAZ.

Focus hob ebenfalls hervor, dass ein Grundeinkommen zwar nicht für verbesserte Jobaussichten sorgte, aber dennoch gesündere Menschen hervorbrachte. Sie litten demnach unter weniger Stress, Konzentrations- oder Gesundheitsproblemen als eine Kontrollgruppe. Für FAZ-Redakteur Patrick Bernau habe das Experiment jedoch keine Antwort auf die Frage gegeben, ob das Grundeinkommen die Menschen von der Sorge um ihren Lebensunterhalt befreite, oder ob diese „schlichtweg faul“ würden. Selbst die tagesschau zitierte die Worte der finnischen Sozialministerin Pirrko Mattila: „Ihre Zuversicht, dass sie die eigene Zukunft und wirtschaftliche Situation selbst beeinflussen können, wurde gestärkt“.

Zumindest scheint sich die FAZ schon auf das vorgezogene Urteil einer Nichtbeantwortung von Fragen festgelegt zu haben, da die bisher veröffentlichen Ergebnisse lediglich das erste Jahr des Testverlaufs beschreiben. Doch auf diesen Hinweis wurde verzichtet.




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