BDI: EU Trennbankensystem birgt Risiken für Realwirtschaft

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Die Europäische Union plant im Zuge der Bankenregulierung ein Trennbankensystem, welches die Abspaltung des spekulativen Eigenhandels der Banken vorsieht. Entweder strikte Trennung oder gänzliche Unterlassung, so der Tenor. Der BDI sieht jedoch trotz aller „guten Vorsätze“ der EU, durch ein getrenntes Bankensystem die Risiken zu minimieren, eine echte Gefährdung der Realwirtschaft.

Banken

Getrennte Geschäftsbereiche der Banken sollen die Märkte stabilisieren

EU-Kommission und BDI sehen das Trennbankensystem gegensätzlich

Die Investmentbanken zeigten sich im Handel in den Finanzmärkten stets als sehr engagiert und lassen auch nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman um keinen Deut locker. Es gibt auch keinen Grund für mehr Vorsicht und Zurückhaltung. Die Politik sorgte letztendlich für ein risikoloses Zocken an den Welt-Kasinos bei denen die Kreditinstitute kaum als die Verlierer hervor gehen können. Die „Rettungsverfahren“ in der Eurozone hoben die Steuerzahler stets als die letzte und einzig vorgesehene Instanz hervor, die für die Verluste der Banken aufzukommen haben. Die Pläne zur künftigen Bankenabwicklung beziehen zwar Inhaber, Gläubiger und Sparer mit ein, aber der „Steuertopf“ ESM erhält im gleichen Zuge die Berechtigung, insolvente Banken direkt aufzufangen, ohne den Umweg einer Länder-Finanzierung.

Banken stehen zwischen der „virtuellen“ Finanzwelt und der Realwirtschaft. Zuflüsse und Gewinne werden großzügig einbehalten bzw. finden Verwendung für weitere spekulative Geschäfte an den Märkten. Die erneut gesunkenen Kreditvergaben an die Unternehmen sprechen eine klare Sprache zur Zurückhaltung der Banken. Verzockt sich eine Bank bis zum Zusammenbruch, wird die Realwirtschaft jedoch sehr wohl in die internen Probleme eines privaten Kreditinstituts mit einbezogen.

Bis auf die sehr großen „Global Player“ im Bankensektor, die sich entweder ausschließlich um den Handel in den spekulativen Märkten kümmern oder zusätzlich nur institutionelle Kunden betreuen, pflegen die etwas kleineren Banken zweigleisig zu fahren. Auf der einen Seite werden Privatkunden betreut und auf der anderen Seite beteiligt man sich sehr rege an den Finanzmärkten in eigener Sache.

EU: Das Trennbankensystem soll Risiken scharf eingrenzen

Brüssel erkennt in dieser hausinternen Vermischung zweier Geschäftsbereiche ein erhöhtes Risiko und Entwarf bereits das Grundgerüst eines künftigen Trennbankensystems. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier legte bereits vor und erklärte dem Handelsblatt (Mittwoch) einzelne Details. Demnach könne einer Bank der Eigenhandel verboten und die Auslagerung spekulativer Geschäfte in eigene Schattenbanken untersagt werden.

Den Kredithäusern solle jedoch die Möglichkeit gegeben werden, die beiden Geschäftsbereiche strikt getrennt zu halten, um vorhandene Risiken auf den jeweiligen Bereich einzugrenzen. Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) soll dahingehend auch die systemischen Risiken einer Investmentbank überprüfen können. Kann eine Risiko-Übertragung der Bereiche nicht ausgeschlossen werden, so müsse dies eine Anordnung zur Abtrennung des Geschäftsbereichs nach sich ziehen.

BDI: Trennbankensystem birgt Risiken für die Realwirtschaft

Ein solches Trennbankensystem durch die EU könne negative Effekte auf die Realwirtschaft haben, so die Warnung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer des BDI, erkennt durch das Trennbankensystem eine Beeinträchtigung der Finanzierung und das Risikomanagement der Unternehmen. „Die Vorschläge der EU-Kommission, den Eigenhandel von Großbanken zu verbieten und eventuell andere Handelsgeschäfte abzutrennen, blenden die negativen Effekte auf die Realwirtschaft aus. Das bewährte Universalbankensystem wird leichtfertig aufs Spiel gesetzt“, so Kerber.

Die Realwirtschaft müsse einen großen Anteil der Anpassungslast tragen. Darüber hinaus sei das „bewährte Universalbanken-System“ durch übertriebene Eingriffe gefährdet. Dies müsse unbedingt vermieden werden, warnte der BDI-Hauptgeschäftsführer. Der Glaube an stabilere und krisenfestere Finanzmärkte sowie Banken durch ein Trennbankensystem sei naiv.

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