ARD-Redakteur: Über den Euro-Austritt nachdenken

Euro-Austritt-

Ungewöhnliche Töne von einem Medium, das zu den sog. Mainstreams zählt. In der Kolumne zur Tagesschau fordert Klaus-Rainer Jackisch (HR), Redakteur für Wirtschaft bei der ARD, dass Deutschland über den Austritt aus dem Euro nachdenken müsse.

Es wäre Wert, über den Euro-Austritt nachzudenken

Europäische Union
Deutschland - Buhmann der EU

In seinem Kommentar zur anhaltenden Euro-Krise und der Rolle Deutschland sowie der EZB, fand Klaus-Rainer Jackisch klare Worte. „Es ist an der Zeit, darüber nachzudenken, ob Deutschland aus der Eurozone austreten soll“.

Jackisch stellt außer Frage, dass Deutschland wirtschaftlich große Vorteile aus dem Euro schöpft und sieht im „Projekt“ für die europäische Idee eine immense Bedeutung. „Frieden in Freiheit“. Dennoch hinterfrägt der Wirtschaftsredakteur, ob der Euro den massiven Preis Wert wäre, den die Bevölkerung für die Euro-Rettung zahlen müsste.

Die Chancen, dass die Eurozone überlebt, seien ohnehin gering, kommentiert Jackisch und fügt hinzu, „Denn welche Währungsunion kann langfristig existieren, wenn sie nur am Tropf einer heiß laufenden Notenpresse hängt?“.

„Vorwürfe an Deutschland sind absurd“
Aus vielen Hauptstädten Europas würden die Vorwürfe an Berlin immer lauter werden. Die Kritik an die Bundesrepublik, sie würde nicht genug zur Euro-Rettung betragen und sämtliche Bemühungen nur verschleppen oder gar verhingern, hält Jackisch für „absurd“.

Inzwischen hätte Deutschland „Milliarden über Milliarden“ in Rettungspakete und Garantien gesteckt, um den Krisenländern Beistand zu leisten. Deutschland habe zusehen müssen, wie sich die Verhältnisse in der EZB zu Ungungsten Deutschlands verschob, während man ein Position nach der anderen aufgegeben hätte.

Inzwischen sei die Bundesrepublik isoliert und hätte bei allen wichtigen Entscheidungen, ob bei der EZB, im IWF oder in der Europäischen Kommission, kein Mitspracherecht mehr. Dennoch nimmt man den deutschen Steuerzahler in die Pflicht, sein Portemonnaie zu öffnen. Trotz allem müsse sich die Bundesrepublik von den Politikern der Krisenländer Vorhaltungen gefallen lassen. Das könne auf Dauer nicht gut gehen, denn die Bevölkerung würde das nicht mittragen.

Draghi handelte unseriös

Jackisch nimmt kein Blatt vor dem Mund, die EZB scharf zu kritisieren. Besonders der Aufruf vom EZB-Chef Mario Draghi, den Euro unter allen Umständen retten zu wollen, wurde „im falschen Ort vor dem falschen Publikum“ abgesondert. Offenbar war diese Verlautbarung von Draghi nicht mit der EZB abgesprochen. Darüber hinaus sei es „hochgradig unseriös“, dass ausgerechnet den Teilnehmern auf einer Investorenkonferenz in London mitzuteilen.

„Derart einschneidende Maßnahmen gehören auf den Tisch einer EZB-Sitzung“, kommentiert Jackisch, und „nicht in den dunklen Vorbau in der Höhle des Löwen“. Es sei zwar noch nicht klar, was Draghi mit seiner Ankündigung tatsächlich realisieren wolle, aber es läge sehr nahe, die EZB wolle im „großen Stil Staatsanleihen der südeuropäischen Krisenländer kaufen“.

Eine andere Variante wäre, dem Hilfs-Fonds ESM mit einer Bank-Lizenz auszustatten. Über diesen Weg hätte die Europäische Zentralbank, die Möglichkeit den ESM mit einer unbegrenzten Menge Geld zu versorgen. Beide Varianten verfolgten das gleiche Ziel, den massiven Druck von Geld.

Der Wirtschaftsredakteur vergleicht es mit einer Notenpresse, die von der EZB auf das Parkett der Börse gestellt werden würde, an der sich alle bedienen könnten. „Kein Wunder, dass die Zocker jubeln“, fügt Jackisch hinzu.

Bild: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

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