Arbeitsmarkt Desaster in EU-Südländer erwartet

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Die Arbeitsmarktsituation in den südländischen EU-Krisenländern wird dramatische Ausmaße annehmen. Dabei handelte es sich nicht um kurzfristige konjunkturbedingte Erscheinungen, sondern um einen über Jahre kontinuierlichen Prozess, der auf fundamentale Wirtschaftsschwächen der Südländer beruhe. Mit einer Verbesserung in den Arbeitsmärkten ist kaum zu rechnen.

Rapide ansteigende und langhaltige Arbeitslosigkeit erwartet

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Kaum Arbeit in PIGS-Länder
Bild: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

Der hohe Anteil der Erwerbslosen wird in den europäischen Krisenländern zu einer festen Größe werden. Die Experten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sehen nach ihren Berechnungen auf den dortigen Arbeitsmarkt verheerende Auswirkungen der Rezession zukommen. Eine Rückkehr der ursprünglichen Arbeitssituation würde selbst dann nicht mehr gelingen, wenn die sich die Konjunktur irgendwann wieder erholen sollte. Die Ergebnisse der ILO liegen der Financial Times (FTD) (Mittwoch) vor.

Demnach lag die strukturelle Arbeitslosigkeit, bei der die Einflüsse konjunktureller Entwicklungen bereits heraus gerechnet sind, alleine in Spanien bei mehr als 16 Prozent gegen Ende 2011. Ein sehr hoher Wert, der rund ein Drittel über dem noch vor der Finanzkrise 2007 lag. Beinahe 13 Prozent bereinigte Arbeitslose zählt Griechenland. Mit auf über 12 Prozent Erwerbslosenquote in den baltischen Staaten stieg deren Anteil sogar über die Hälfte an. Die Zunahme der Erwerbslosigkeit ist überall ansteigend.

Unattraktive Wirtschaftsstandorte
Die südlichen Länder der Europäischen Union stehen damit vor einem riesigen Problem. In den folgenden Jahren wird kaum mit einer Besserung am Arbeitsmarkt gerechnet, da die Südländer für Investoren sehr unattraktiv geworden sind. Deren Bildungssystem kann im europäischen Vergleich nicht mithalten und dazu kommt eine aufgrund der jahrelangen Krise resignierte Bevölkerung. Ekkehard Ernst, Leiter der ILO-Prognoseabteilung erklärte der FTD, „Die Trendarbeitslosigkeit dürfte in den Euro-Krisenländern in der nahen Zukunft weiter steigen“.

Um die derzeitige Verfassung der Arbeitsmärkte für langfristige Sicht festzustellen, werden die Berechnungen der Arbeitslosigkeit strukturell vorgenommen. Nach den der FTD vorliegenden Zahlen werden in der Zukunft immer weniger Arbeitssuchende eine Beschäftigung erhalten, auch dann wenn die Volkswirtschaften ein ähnliches Wachstum wie vor 2007 erreichen würden. Ernst erklärte dazu, „die Finanzkrise belastet das Beschäftigungswachstum langfristig – sowohl was den Einbruch bei der Schaffung neuer Stellen während der Krisenjahre als auch die Erholung danach angeht“.

Der Zugang zum Arbeitsmarkt wird enger
Besonders die jungen Menschen werden davon betroffen sein. In zahlreichen Südländern sind zeitlich befristete Arbeitsverträge weit verbreitet, die eine vergleichsweise schnelle Entlassung der Beschäftigten ermöglichen. Andere Arbeitsplätze sind mit fest eingestellten, teilweise unkündbaren älteren Arbeitnehmer besetzt. Aus diesem Grund finden die jungen Leute einen immer schlechter werdenden Zugang zum Arbeitsmarkt.

Der Vorstoß der EU-Kommission, eine Job-Garantie in der Eurozone einzuführen, wird von zahlreichen Wirtschaftswissenschaftlern begrüßt. So erklärte Clemens Fuest, Ökonom an der Uni Oxford der FTD, „das ist ein wichtiger Weckruf – selbst wenn noch unklar ist, wie es umgesetzt wird“.

Kontroverses Zusammenspiel scheinbarer Tatsachen

Vor diesem Hintergrund drängt sich automatisch die Frage auf, mit welchen Voraussetzungen die Kalkulationen der EU-Kommission, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und den Finanzministern der Euro-Länder (Euro-Gruppe) zu den Rettungsprogrammen, insbesondere für Griechenland, vorgenommen werden. Die Zielsetzungen zu geringeren Neuverschuldungen und die Reduzierung der gesamten Schuldenlast durch Sparmaßnahmen und „massiven Wirtschaftsaufschwung“, scheinen auf einer Fantasiewelt zu beruhen.

Griechenland bräuchte ein eigenes „Wirtschaftswunder des 21. Jahrhunderts“, um die Ziele zu erreichen, damit das Land wieder alleine schuldtragfähig wird. Diese ließe eigentlich einen massiven Anstieg von zu besetzenden Arbeitsplätzen vermuten.

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