Arbeit vorübergehend im Ausland: Reisezeit ist Arbeitszeit

Urteil-


Entsendet ein Arbeitgeber seinen Mitarbeiter vorübergehend ins Ausland, ist die Reisezeit als Arbeitszeit anzurechnen und auch entsprechend zu vergüten. Doch dem „Reisestil“ hat das Bundesarbeitsgericht engere Grenzen gesetzt.

Reisezeit ist Arbeitszeit, aber nicht gleich Business-Class

Rechtsstreit
Bundesarbeitsgericht zur Reise ins Ausland

Die Reise ins Ausland und auch die Rückreise sind als Arbeitszeit zu behandeln, wenn der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter für vorübergehende Arbeiten im Ausland aufforderte. Das Bundesarbeitsgericht (5 AZR 552/17) urteilte am Mittwoch zu einem konkreten Fall, bei dem der Kläger (Arbeitnehmer) seinen Arbeitgeber dazu aufforderte, die jeweilige Reisezeiten für Hin- und Rückreise zu vergüten. Der Kläger wurde als technischer Mitarbeiter von einem Bauunternehmen nach China entsandt. Im Arbeitsvertrag wurde festgelegt, dass der Mitarbeiter sich dazu verpflichte, auf unterschiedlichen Bauvorhaben im In- und Ausland zu arbeiten.

Im konkreten Fall wurde der Mitarbeiter für den Zeitraum zwischen den 10. August bis 30. Oktober 2015 nach China geschickt. Das Unternehmen buchte für die Hin- und Rückreise auf Wunsch des Klägers einen Flug in der Business-Class mit einem Zwischenstopp in Dubai. Es fielen insg. vier Reisetage an. Das Bauunternehmen bezahlte dem Mitarbeiter insg. 1.149,44 Euro brutto für die Hin- und Rückreise die vertraglich festgelegte Vergütung für je acht Stunden. Der Kläger verlangte von seinem Arbeitgeber jedoch die Vergütung für weitere 37 Stunden und begründete dies, dass die gesamte Reisezeit ab Wohnung bis zum Bauvorhaben im Ausland und zurück wie Arbeit zu bezahlen sei.

Das zugehörige Landesarbeitsgericht hat die Klage des Klägers stattgeben, nachdem in der ersten Instanz des Arbeitsgerichtes die Klage abgewiesen wurde. Nach Revision des Unternehmens ging die Sache ans Bundesarbeitsgericht. Dieses entschied nun, dass die vorübergehende Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland ausschließlich im Interesse des Arbeitgebers sind und deshalb auch in der Regel wie Arbeit zu vergüten sei. Grundsätzlich sei jedoch die Reisezeit ausschlaggebend, die bei einem Direktflug in der Economy-Class anfällt.


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