Angebliche Kaufkrafterhöhung in Deutschland – Weniger arbeiten für Ware

Kaufkraftentwicklung-


Deutsche Verbraucher besitzen heute eine höhere Kaufkraft als noch in den 1990er Jahren. Der notwendige Arbeitsaufwand für den Kauf von Waren und Gütern hätte sich in der Bundesrepublik seit den letzen 20 Jahren verringert. Die Verbraucher müssten heute durchschnittlich weniger arbeiten, um sich eine Ware kaufen zu können.

Für den Kauf von Technik weniger arbeiten müssen

Lebensmittel
Was mach satt, Lebensmittel oder LCD-TV?

Die Bundesbürger können sich heute mehr Waren und Güter als noch vor gut 20 Jahren leisten. Besonders die Liebhaber technischer Spielereien müssten heute weniger Arbeitsstunden ableisten, um sich das Gerät nach Hause holen zu können. Die Kaufkraft der Deutschen sei seit den 90-er Jahren des letzten Jahrhunderts im Durchschnitt gestiegen, so die Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Im Jahr 2012 soll sich der westdeutsche Arbeitnehmer anhand seines Nettoeinkommens gegenüber 1991 durchschnittlich rund 9 Prozent mehr Güter bzw. Waren haben leisten können. So müsse heute ein Angestellter lediglich rund 28 Stunden für die Anschaffung eines Flachbild-TV’s arbeiten gehen, während zu Beginn der 90-er Jahre noch 78 Stunden Arbeit notwendig gewesen sein sollen, um sich einen Röhrenfernseher leisten zu können.

Das IW betonte die Schwierigkeit, die Kaufkraft bei diversen technischen Geräten gegenüberstellen zu wollen. So wären z.B. die aktuellen PCs den Geräten vor rund 20 Jahren technisch weitaus überlegen. Alte Geräte könnten die heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Dennoch würde ein Computer mit dem Qualitätsstandard von 1995 aktuell nur noch rund 3,5 Stunden Arbeitsaufwand kosten. Im Jahr 191 wären dagegen noch 131 Stunden Arbeit notwendig gewesen.

Ein sehr schwierig zu bewerkstelligender Kaufkraftvergleich würde sich aus den gleichen Gründen auch bei Mobilfunkgeräten und Festnetztelefonen ergeben. Das IW schätzt jedoch den notwendigen Verdienst von rund 100 Stunden für ein Einsteiger-Smartphone in den 1990-er Jahre ein, während heute lediglich durchschnittlich 10 Stunden dafür gearbeitet werden müsse.

Im Bereich der Lebensmittel erforderten lt. Analysen des IW u.a. Markenbutter, Eier, Vollmilch und Mischbrot heute weniger Arbeitsminuten als noch vor rund 20 Jahren. Mehr Arbeitsaufwand erforderten u.a. die Anschaffungen für Herrenschuhe sowie Bereiche der Energie (Strom, Benzin). Aus dem Dienstleistungssektor hob das Institut den Damen-Frisör hervor. Mussten 1991 noch 58 Minuten für „Haare waschen und föhnen“ abgearbeitet werden, so wären heute 66 Minuten notwendig.

Für die Kaufkraftberechnung nimmt das IW ein durchschnittliches Nettoeinkommen in Höhe von 10,31 Euro im Jahr 1991 an. Für 2012 gilt ein Durchschnittseinkommen in Höhe von 15,89 Euro.

Das Spiel mit den ausgesuchten Werten

Man nehme aus dem Virtuellen Warenkorb für die Inflationsberechnungen eine diverse Auswahl von Gütern in einem „geeigneten“ Mischungsverhältnis heraus und präsentiert diese als „Muster“. Es ist unbestritten, dass die Preise besonders in der Unterhaltungselektronik einen stets sehr steilen Kurs nach unten aufweisen. Ein heute gekaufter PC ist bereits nach wenigen Wochen nur noch halb so viel wert. Darüber hinaus ist der Ansatz, einem PC mit Qualitäts-Stand 1995 einen virtuellen Arbeitsaufwands-Wert für das Jahr 1991 zu vergeben, nicht ganz nachvollziehbar.

Die Version zu den „verbilligten“ Lebensmitteln im Verhältnis Preis zu Arbeit dürfte künftig eine selektivere Auswahl aus dem Warenkorb erfordern. Nahrungsmittel fallen bereits seit Monaten durch ihre sehr hohe Teuerungsrate in Deutschland besonders auf. Und neben dem offenbar beliebten „Butter-Beispiel“ ist die Konsumwelt Lebensmittel jedoch sehr viel abwechslungsreicher.

Nicht ganz schlüssig ist auch das Verhältnis zu den Reallohnentwicklungen in Deutschland. Zumindest sind die durchschnittlichen Bruttolöhne zwischen 2000 und 2012 lt. den Berechnungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) um 1,8 Prozent gesunken. Die Löhne sind zwar angestiegen, aber für die Bereinigung der Inflation reichte es nicht aus. Im europäischen Vergleich ist Deutschland der einzige Mitgliedsstaat in dem die Reallöhne innerhalb der letzten gut 10 Jahre gesunken sind, auch wenn das Jahr 2012 durch leichten Reallohnanstieg nach vielen Jahren erstmals eine „Sonderstellung“ einnimmt.

Im Jahr 1992 wurde noch mit D-Mark bezahlt. Rund 10 Jahre später kam der „fliegende Wechsel“ zur Einheitswährung. Die Verbraucher dürften sehr gut im Gefühl haben, wie das Verhältnis des realen Einkaufswagens im Supermarkt heute im Vergleich vor rund 20 Jahren aussieht. Der häufigste und teils auch lebenswichtige Konsum findet in den Bereichen Lebensmittel, Benzin und Energie statt und nicht mit den täglichen Einkäufen von Smartphones, LCD-Fernseher und Computer.

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