Abstufung der Euroländer durch S&P sollte keine Überraschung sein

Euro-Krise – Standard & Poor’s Ratingagentur


Neun EU-Ländern wurden die Kreditwürdigkeit von der US-Ratingagentur Standard & Poor’s abgestuft. Die betroffenen Regierungen präsentieren sich der Öffentlichkeit als völlig überrascht. Von der Bonitätsabstufung scheinbar überrumpelt suchen sie nun nach (neuen) Lösungen für die verschärfte Euro-Finanzkrise.

Die US-Ratingagentur Standard & Poor’s stufte von neun europäischen Staaten die Bonitätsstufe herab. Frankreich und Österreich müssen sich nach der Ansicht von S&P von der Bestnote AAA verabschieden. Beide Länder dürfen jetzt mit der Einstufung AA+ nach Kreditgebern Ausschau halten.

Deutschland behielt noch das „Markenzeichen“ einer Top-Bewertung nach Triple-A. Italien und Spanien gehen ebenfalls die „Karriere-„Stufen in Abwärtsrichtung. Montis Finanzminister darf sich von nun ab mit einem BBB+ (vorher A) herumschlagen und Spanien hält nach wie vor ein Doppel A, jedoch mit negativen Aussichten. Portugal, Italien und Zypern haben gemein, jeweils zwei Stufen nach unten geschickt worden zu sein

Standard & Poor’s senkte bei 9 Euroländern die Bonität
Eurokrise
Rettungshürden werden höher
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Eigentlich sollte das Absenken der Kreditwürdigkeit durch S&P keine Überraschung sein. Ganz nach dem Motto: „Lange geredet, jetzt machen wir ernst!“, setzt die Ratingagentur nur das um, was schon längst auf dem Programm stand, sondern hat die gestellte „Gnadenfrist“ damit beendet.

Die europäische Politik hat viel geredet, beschlossen und eine Menge Aufgaben in die einzelnen Mitgliedsstaaten transportiert. Passiert ist jedoch nicht sehr viel. Schon längst aufgestellte Pläne sollten in der Durchführung terminlich vorverlegt werden.

Ein weiterer Tenor aus der „Euro-Rettungs-Szene“ war die wiederaufflammende Diskussion über Euro-Bonds. Vielversprechende (Teil-) Erfolge blieben jedoch aus. S&P hat mit der Abstufung von neun Euro-Ländern nun genau das vollzogen, was bereits vielfach angekündigt wurde.

Versteckte Prioritäten

Wie hoch die Priorität zur Euro-Rettung gesetzt ist, läßt sich aus den Sorgen Sarkozys, Frankreichs Präsident, herauslesen. „Die Herabstufung könnte seine Wiederwahl gefährden“. Der Aufschrei Europas war enorm, als S&P offenbar versehentlich eine Falschmeldung zur Herabstufung Frankreichs als Newsletter verschickte (Infos).

Geschlossene Empörung über die „Unprofessionalität“ der US-Ratingagentur, sowie Spekualtionen über die angerichteten wirtschaftlichen Schäden, waren bereits Anfang November 2011 eine Hauptsorge der EU-Länder.

Gestern setzte S&P die „Generalprobe“ in Realität um und Europas Regierende verharren starr wie verängstigte Hasen. Der aufgestellte Euro-Rettungsplan funktionierte ausschließlich, wenn wenigstens Frankreich eine Top-Bonität behielte.

Die EU-Politiker bauten ein Haus auf Treibsand, obwohl das gefährliche Areal bereits von Warnschildern übersät wurde.
Den Ländern, ganz voran Deutschland und Frankreich, ist es zuzumuten, dass die folgende Strategie „die Hoffnung stirbt zuletzt“, auf atypische Finanzmarkt-Reaktionen gesetzt wird, denn ein funktionierendes Konzept scheint kein Beteiligter parat zu haben.

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