Keine Fahrradhelm-Pflicht in Deutschland – Sporthelme relativ unbeliebt

Schutz durch Fahrradhelme-


In Deutschland gibt es nach wie vor keine Pflicht für das Tragen einen Fahrradhelmes. Ein durchaus ansehnlicher Sporthelm für Fahrradfahrer könnte so manche schwere Kopfverletzungen vermeiden, sind aber relativ unbeliebt. Mehr als die Hälfte der Fahrradfahrer verweigert diesen Schutz.

Fahrradhelm

Ein schützender Fahrradhelm muss nicht aussehen wie ein umgedrehter Styropor-Topf

Vernünftiges und auch Kurioses zur Fahrradhelm-Pflicht

Für Motorradfahrer ist ein Schutzhelm definitiv vorgeschrieben und im deutschen Straßenverkehr seit Jahrzehnten Alltag. Fahrradfahrer können noch immer wählen, ob der Kopf mit einem Fahrradhelm geschützt oder dem Fahrtwind vollständig ausgesetzt sein soll. Bei Fahrradfahrern trifft der Helm aber nur auf gemäßigte Akzeptanz und mehr als die Hälfte (54%) verweigern die Hartplastik-Schale, so eine von CosmosDirekt beauftragte forsa-Studie.

Abgesehen von der möglichen Vermeidung schwerer Kopfverletzungen weisen Gerichte trotz einer nicht bestehenden Fahrradhelm-Pflicht dem verunglückten Zweiradfahrer ohne Helm auch eine Teilschuld zu, wenn ein anderer Verkehrsteilnehmer gegen die Regeln verstoßen hatte. Das Oberlandesgericht Schleswig fällte im Juni 2013 die Entscheidung, dass die im konkreten Fall von einer unsacht geöffneten Autotür vom Rad geholte Fahrerin eine Teilschuld an ihren Verletzungen trage, da sie keinen Fahrradhelm trug. (Spiegel Online 18.06.13).

„Die Fahrradhelm-Pflicht würde einen gesamtwirtschaftlichen Schaden anrichten“

Besonders „findige“ Wissenschaftler berechneten die Vor- und Nachteile einer Fahrradhelm-Pflicht in „Heller und Pfennig“ aus. An der Universität Münster forschte Gernot Sieg an den Folgen einer eingeführten Helmpflicht für Fahrradfahrer. Sein Ergebnis: Eine Fahrradhelm-Pflicht würde mehr Schaden anrichten als nutzen. Der „gesamtwirtschaftliche Schaden“ bliebe kleiner, wenn auf die Einführung einer solchen Pflicht verzichtet werde. (Spiegel Online 31.03.14)

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat dem Menschenleben in Westeuropa ein virtuelles Preisschild umgehängt. Ein Leben „kostet knapp 1,55 Millionen Euro“. Eine schwere Kopfverletzung verursachte demnach Kosten von 205.000 Euro, eine leichte Kopfverletzung 16.000 Euro. Für den Wissenschaftler ergibt sich anhand der Statistiken über die Anzahl der Fahrradfahrer und deren gefahrenen Kilometern ein „Nutzen“ von 570 Millionen Euro pro Jahr, oder 2,08 Cent pro Kilometer.

Eine Fahrradhelm-Pflicht würde so manchem Fahrradfahrer die Lust am Radfahren nehmen. Somit geht Sieg von einem Rückgang des Zweiradaufkommens um 4,5 Prozent aus. Für diese Zahlen stützte sich der Wissenschaftler auf Erfahrungswerte in Kanada.

Jeder Fahrradfahrer generiert nach WHO-Zahlen mit jedem gefahrenen Kilometer einen Gesundheitsnutzen im „Wert von 1,05 Euro“. Das Sinken der gefahrenen Kilometer um 4,5 Prozent ziehe Gesundheitskosten in Höhe von 472 Millionen Euro mit sich.

Würden die verprellten Fahrradfahrer nun zu Fuß gehen, hätte eine Helmpflicht noch einen positiven gesamtwirtschaftlichen Effekt. Allerdings geht die „Schadensberechnung“ davon aus, dass verstärkt auf motorisierte Fahrzeuge umgestiegen wird und schon stiegen die Kosten durch Umweltschäden.

Nicht zuletzt kosten Fahrradhelme etwas. Sieg ging von durchschnittlichen Kosten in Höhe von 33 Euro aus, mit einem Austausch nach jedem fünften Jahr. Für Deutschlands Fahrradfahrer kämen Gesamtkosten in Höhe von 315 Millionen Euro zusammen. Unterm Summenstrich der nicht ganz unumstrittenen Gegenüberstellung erschiene ein Minus von 278 Millionen Euro jährlich, wenn der Gesetzgeber eine Fahrradhelm-Pflicht einführen würde. In dieser Berechnung steckt allerdings noch der mehr oder weniger subjektive durch den Helm verursachte „Komfortverlust“ mit drinnen, der mit 171 Millionen Euro angesetzt wurde.

Fahrradhelm-Verweigerer gehören der Mehrzahl an

Man kann es drehen und wenden wie man will, die Fahrradfahrer lehnen den Schutzhelm mehrheitlich ab, Gesamtwirtschaftlicher Schaden hin oder her. Fahrradfahrer sind auch keine Fans anderer Schutz-Utensilien, wie Protektoren am Körper oder reflektierende Kleidung.

Schutzeinrichtung Zu jeder Zeit Meistens Selten Nie
Fahrradhelm 23 % 10 % 13 % 54 %
Fahrradhandschuhe 10 % 10 % 16 % 64 %
reflektierende Kleidung, Warnweste 5 % 11 % 14 % 70 %
Fahrradspange, Hosenklammer 4 % 6 % 8 % 82 %
Körperprotektoren 1 % 1 % 4 % 94 %

Quelle: forsa / CosmosDirekt

Für den Versicherungsexperten der CosmosDirekt, Bernd Kaiser, stellte sich offenbar die Frage eines gesamtwirtschaftlichen Schadens nicht, sonder vielmehr die individuelle Risiken des Verunglückten.

„Bei einem Sturz oder Unfall kann ein Fahrradhelm vor schweren Kopfverletzungen schützen. Gerade solche Verletzungen können schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen nach sich ziehen und zur finanziellen Belastung werden. Zumindest für finanzielle Unterstützung kann eine private Unfallversicherung sorgen. Sie leistet – sofern vertraglich vereinbart – in solchen Fälle in Form einer monatlichen Rente oder einer einmaligen Invaliditätsleistung“, so Kaiser.



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