Interessante Variante der Schuldfrage: Unfreiwillige Volltrunkenheit

Schuldunfähigkeit-


Einfache Fahrlässigkeit, grobe Fahrlässigkeit sowie Vorsatz sind durchaus gängige Begriffe in der Versicherungsbranche. Eine interessante Variante betrifft die „unfreiwillige Volltrunkenheit“ und ganz besonders die Haftungs- und Schadenersatz-Frage.

Bier

Wenn das Bier durch Hochprozentiges „verschärft“ worden ist

Stock betrunken ohne es vorher abgesehen zu haben

Eine interessante Variante der Schuldunfähigkeit: „Unfreiwillige Volltrunkenheit“. Damit wird eine alkoholisierte Person definiert, die ohne eigenem Wissen und freiwilligem Zutun den Zustand der Volltrunkenheit erreicht.

Der Zustand der „unfreiwilligen Volltrunkenheit“ wird offensichtlich u.a. im versicherungstechnischen Bereich berücksichtigt. Der Versicherungskonzern Gothaer wies noch kurz vor dem Jahreswechsel auf die Gefahren durch den Umgang mit Böllern und Raketen zu Silvester hin. Im Mittelpunkt standen die
Hausratversicherung sowie die Privat-Haftpflichtversicherung als mögliche finanzielle „Retter in der Not“, falls es nach dem Entzünden von Silvester-Artikel zu einem Sach- oder Personenschaden kommen sollte.

Für etwaige Schadenregelungen muss vorweg die Schuldfrage geklärt sein. Wer ist schuldig, war es ein Versehen oder gar grobe Fahrlässigkeit? So verweigert die Haftpflichtversicherung z.B. Leistungen, wenn eine vorsätzliche Handlung vorliegt. Das gilt ebenso bei „ungewöhnlichen und gefährlichen Handlungen“, so auch ein bewusstes Entzünden einer Rakete innerhalb des Gebäudes.

Ähnliches bei der Hausratversicherung. Grobe Fahrlässigkeit wird nicht generell gedeckt, sondern bedarf ggfs. eine besondere Tarif-Option.

Alkoholisierte Personen sind lt. Gothaer für die von ihnen verursachten Schäden durchaus haftbar. Eine Ausnahme bildeten jedoch die Personen, die „unfreiwillig“ in den Zustand der Volltrunkenheit geraten sind. Dies wäre dann der Fall, wenn ein Bekannter dem „Opfer“ heimlich ein hochprozentiges Getränk ins Bier schüttet.

Die kausale Abfolge der Unfreiwilligkeit erfordert eingehende Nachforschungen

Klingt nicht ganz unproblematisch. Ab wann ist der Zustand der „Volltrunkenheit“ erreicht? Bei der Behauptung, man habe sich unfreiwillig betrunken, erwartete man eigentlich sofort das Nachhaken nach Beweisen. Schwierig wenn es sich um einen Unbekannten handeln sollte, der das Bier mit Hochprozentigem „verschärfte“. Sicher individuell, aber um den Geschmack von Schnaps, Whiskey, Likör, Brandy oder gar pures Äthanol aus der Apotheke im Bier nicht mehr wahr zu nehmen, müsste der Promille-Wert eigentlich schon weit jenseit über der Null liegen. Ist dem Schadenverursacher überhaupt bewusst, dass er „frisiertes“ Bier trank, bevor er volltrunken die brennende Kippe in die Raketen-Tüte warf?

Nun die grundsätzliche Frage. Eine Haftpflichtversicherung prüft zur Schadensabwicklung die Schuldfrage. Ist der Verursacher für seinen angerichteten Schaden haftbar, so springt die Versicherung „ersatzweise“ ein. Ein „unfreiwillig Volltrunkener“ ist per Definition nicht haftbar. Ein Grund für die Versicherung, den Schaden nicht zu begleichen? Wer haftet wenn der „böse Bier-Verfälscher“ seine Tat offen zugibt? Damit wäre die Schuldfrage weiter gereicht, jedoch an eine Person die mit Vorsatz handelte. Falls dieser nicht selbst „unfreiwillig betrunken“ gewesen ist.

Die „unfreiwillige Volltrunkenheit“ als Feststellung der Schuldunfähigkeit scheint für den Betroffenen sowie den Geschädigten zumindest ein äußerst schmaler Pfad zu sein.

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