Endspurt für Bisex-Tarife im Dezember 2012

Geschlechterneutrale Policen-


Die Versicherer haben sich längst darauf eingerichtet und warten nur noch den Umschalttermin 21. Dezember 2012 ab, um die Vordrucke und Info-Broschüren der Alt-Tarife zum Altpapier zu befördern. Ab dann gelten für zahlreiche Versicherungssparten die einheitlichen Unisex-Vorgaben.

Der Tag „X“ rückt näher – Umstellung auf Unisex

Unisex-Umstellung
Bisex macht Platz für Unisex
Bild: Peter Kirchhoff / pixelio.de

Nur noch wenige Tage bleiben bis zur Umstellung auf die sog. Unisex-Tarife am 21. Dezember 2012. Ab diesen Tag werden für zahlreiche Versicherungssparten die bisherigen Tarifstrukturen mit Unterschiede für Frauen und Männer vom Markt verschwinden und den gleichgeschlechtlichen Versicherungsvarianten Platz schaffen.

Die Entscheidung haben nicht die Versicherer „willkürlich“ getroffen, sondern ist eine verbindliche Weisung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom August 2011. Mit einer entsprechenden Vorbereitungszeit wurde der „Umschalt-Termin“ auf den 21.12.12 festgelegt.

Ab dann dürfen die Policen keine Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Versicherungskunden mehr vorweisen, weder in den Leistungsbausteinen, noch in der Höhe der Beiträge.

Obwohl sich der EuGH auf das Diskriminierungsverbot berufen hatte, ist die Entscheidung zu den Unisex-Tarifen nicht unumstritten. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherer e.V. (GDV) sieht in der Neuregelung keine Verbesserungen sondern sogar Nachteile für Männer und Frauen. Besonders die Versicherungssparten mit bisher deutlichen Leistungsunterschieden fanden ihren Ursprung in den verschiedenen Voraussetzungen zwischen den Geschlechtern, u.a. in der Lebenserwartung oder „typische“ Krankheitsbilder. Die Gesellschaften konnten aus diesem Grund angepasste, bzw. optimierte Versicherungen entwickeln und diese zu einem angemessenen Beitrag anbieten.

Die Unisex-Regelung verwischt diese einzelnen Vorteile zu einem Kompromiss. Der GDV beschreibt die neuen Unisex-Tarife nicht als Gleichberechtigung, sondern als „Gleichmacherei“.

Für welche Versicherungen ist das EuGH-Urteil verbindlich?

Alle Versicherer sind an das Unisex-Gebot gebunden, aber längst nicht alle Versicherungssparten sind davon betroffen. Lediglich die Bereiche, bei denen bisher zwischen den Geschlechtern unterschieden wurde, werden ab dem 21.12. dem Urteil des EuGH entsprechen. Dazu zählen.:

  • Risikolebensversicherungen
  • Private Rentenversicherungen / betriebliche Altersvorsorge (bAV)
  • Unfallversicherungen
  • Privat Krankenversicherungen
  • Berufsunfähigkeitsversicherungen
  • Kfz-Haftpflichtversicherungen

In der Gesamtheit wird es teurer

Die Vorteile einer „Gleichbehandlung“ werden sehr schnell durch eine notwendige Mischkalkulation der Versicherungsgesellschaften aufgehoben. Je nach Versicherungssparte sind die neuen Unisex-Varianten entweder für Männer oder für Frauen teils deutlich teurer als die bisherigen Alt-Tarife, während es zu Prämiennachlässen für das andere Geschlecht kommt.

Die „goldene Mitte“ wird jedoch verfehlt. Eine Prämienanhebung für das eine Geschlecht zieht noch lange keine Beitragsabsenkungen für das andere Geschlecht im gleichen Umfang mit sich. Im Durchschnitt wird jedoch mit einer Anhebung des gesamten Prämien-Niveaus gerechnet. Der GDV erklärt das durch die entstandenen Unsicherheiten auch auf der Seite der Gesellschaften. Diese können nicht wissen, wie viele Kunden sich zukünftig für einen Unisex-Tarif entscheiden, oder vom Alt-Tarif zur neuen Variante wechseln werden. Mangels Erfahrungswerte schlagen die Versicherer auf die Prämien einen Sicherheitspuffer auf.

Bestandskunden bleiben „unbehelligt“
Inhaber von bereits gültigen Versicherungspolicen brauchen sich keine Gedanken über den Umstellungstermin zu machen. Für sie ändert sich auch nach dem 21. Dezember nichts. Zahlreiche Gesellschaften bieten die neuen Unisex-Versicherungen bereits seit dem Frühjahr an. Versicherungsnehmer können somit entscheiden, je nach Geschlecht, ob noch der günstige Alt-Tarif oder bereits der vorteilhafte Unisextarif gewählt wird. Andere Versicherer halten noch bis zur Jahreshälfte 2013 die Pforten offen, um auch nachträglich in die günstigere geschlechterneutrale Police wechseln zu können.

Der nachträgliche Wechsel ist eine Einbahnstraße
Besonders für Kunden der Privatkrankenversicherung bestehen derzeit noch größere Unsicherheiten zu den veränderten Kosten bei der Wahl zu einer Unisex-PKV. Wer sich nach dem 21. Dezember privat versichert, bleibt keine andere Alternative mehr. Bestandskunden können allerdings auch erst nach Jahren in den geschlechterneutralen Tarif wechseln. Allerdings gäbe es dann kein Zurück mehr.

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