Systemausfall Abflugterminal: Keine Ersatzleistung bei Verspätung

Recht Fluggäste –


Bei erheblichen Verspätungen aufgrund von Systemausfällen an Flughafenterminals besteht für Fluggäste kein Anspruch auf Ersatzzahlung. Der Bundesgerichtshof hat ein entsprechendes Urteil zu einem konkreten Fall mit einem Flug von New York nach Stuttgart und Zwischenlandung London gefällt.

JFK Airport

Terminalausfall im JFK-Airport New York – Kein Ersatz bei Verspätung

Nicht beherrschbare außergewöhnliche Umstände

Sollten an einem Abflugterminal eines Flughafens sprichwörtlich die Lichter ausgehen, dann haben die „versetzten“ Fluggäste keine Anspruch auf einen Ersatz. Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied am 15. Januar 2018 mit seinem Urteil (X ZR 15/18 und X ZR 85/18), dass in einem solchen Fall kein Ersatz für einen verspäteten Flug geleistet werden müsse.

Im konkret verhandelten Fall forderten zwei Klägerinnen eine Ausgleichszahlung in Höhe von jeweils 600,- Euro wegen verspäteter Flüge nach einem mehrstündigen Systemausfalls in einem Flughafenterminal. Der geplante Flug startete in New York mit dem Ziel London und anschließendem Weiterflug nach Stuttgart. Der Flug von New York nach London startete jedoch verspätet und die zwei Klägerinnen erreichten London mit zwei Stunden Verzögerung. Der Anschlussflug nach Stuttgart wurde nicht mehr erreicht und letztendlich landeten die zwei Fluggäste mit über neun Stunden Verspätung in Stuttgart. Mit der verklagten Fluggesellschaft handelt es sich um British Airways.

Das Berufungsgericht war der Ansicht, dass die Verspätung der Flüge durch einen Ausfall sämtlicher Computersysteme am Terminal 7 des John-F.-Kennedy-Flughafens New York verursacht wurde. Zudem wurde zu diesem Zeitpunkt das für die Telekommunikationsleitungen verantwortliche Unternehmen bestreikt. Der Systemausfall konnte erst nach 13 Stunden behoben werden. Die Klage wurde abgewiesen.

Der BGH schloss sich dem Urteil des Berufungsgerichts an. Demnach sei das Gericht mit Recht davon ausgegangen, dass ein mehrstündiger Ausfall sämtlicher Computersysteme an den Terminals als außergewöhnliche Umstände im Sinne des Art. 5 Abs. 3 der Fluggastrechteverordnung zu bewerten sei. Ein derartiges Ereignis sei vom Flughafenbetreiber nicht zu beherrschen, da weder die Überwachung, noch Reparatur und Wartung derartiger Einrichtungen in seinen Zuständigkeits- und Verantwortungsbereich liege.

Es sei unerheblich, ob die Fluggesellschaft den Start des gebuchten Flugs von London nach Stuttgart verschiebt, die Fluggäste einen Ersatzflug von London nach Stuttgart buchen, oder auf dieser Strecke ein Ersatzflug zum Einsatz gekommen wäre, da die erhebliche Verspätung des ersten Fluges von New York nach London nicht hätte verhindert werden können.

Somit komme auch nicht die nach der EU-weiten Fluggastrechteverordnung vorgesehenen Ersatzleistung von bis zu 600 Euro zu tragen, wenn für Fluggäste eine Verzögerung von minds. 3 Stunden eintritt.




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.