Strompreis Treiberei mit „Segen durch Bundesregierung“

Strompreise Deutschland-

Was ist aus der Ur-Idee der Strommarkt-Liberalisierung geworden? Die Aussage „sinkende Preise durch Wettbewerb“ stand in jeglicher Abwandlung auf den „Werbebannern“ der Politik. Heute müssen die Privathaushalte tiefer in die Tasche greifen als je zuvor, während der Großindustrie ein einfacher Antrag bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) ausreicht, um von Entgelten befreit zu werden.

Verzerrter Wettbewerb im deutschen Strommarkt

zu hohe Strompreise
Gesetzliche Strompreis-Treiberei?

„Wettbewerb belebt den Markt“, das ist uneingeschränkt richtig. Die Resultate können aber in die völlig gegenläufige Richtung einschlagen als erwartet. Sinkende Preise durch erhöhten Wettbewerbsdruck gilt für die meisten Sparten der Wirtschaft, aber ganz offensichtlich nicht für den „freien, liberalen“ Strommarkt.

Seit dem der Strommarkt scheinbar sich selbst überlassen wurde, sind die Preise bis heute unentwegt angestiegen. Der Grund liegt einfach an der facettenreichen Struktur, die den Strommarkt gänzlich umfasst. Die einzelnen Haupt-Stationen des Stromenergie-Marktes, Erzeuger, Leitungen und Verbraucher, sind nicht unmittelbar miteinander verbunden, sondern enthalten zahlreiche Zwischenstationen, Abzweigungen und Schnittstellen, die sehr viel „Spielraum“ für die Strompreisgestaltung zulassen.

Die Einführung der EEG-Umlage (Erneuerbare Energien Gesetz) hat die Strommarktliberalisierung bereits 2000 ad absurdum geführt. Das Atom-Unglück im japanischen Fukushima 2011 bot die „Gunst der Stunde“, um das Etikett „freier Strommarkt“ endgültig in die Sinnlosigkeit zu befördern.

Strom ist sogar billiger geworden!
Der freie Strommarkt existiert tatsächlich, aber lediglich in den eng begrenzten Bereichen an den sog. Strombörsen. Energie wird gehandelt. Abnehmer, die Versorger, kaufen Strom möglichst günstig und dann noch auf „Vorrat“ ein, um die „Ware“ an ihre Kunden im Wettbewerbsdruck nachhaltig preiswert abgeben zu können. Aus diesem Grund ist die „Handelsware Strom“ tatsächlich billiger geworden.

Dennoch steigen die Beträge in den Stromrechnungen der Haushalte unentwegt. Würde man den Aspekt von Subventionierungen der erneuerbaren Energien ausblenden, könnten EEG-Umlage und Regelungen um Leitungsnutzungsentgelte als installierte Parameter gegen den freien Strommarkt betrachtet werden. Das sind genau die Hauptantreiber der steigenden Strompreise für die Haushalte in der Bundesrepublik.

Die Bundesregierung misst mit zweierlei Maß. Strom Großabnehmer wie z.B. die Industrie werden von Entgelten für die Leitungsnutzung befreit. Dazu braucht lediglich ein Antrag bei der BNetzA eingereicht zu werden. An diesem Punkt gehen natürlich Einnahmen verloren die von „irgendwo her“ ausgeglichen werden müssen. Die Privathaushalte scheinen die besten Voraussetzungen dafür zu bieten, diese dürfen nämlich für den Differenzausgleich gerade stehen.

Das gleiche Prinzip funktioniert für die Subventionierung der erneuerbaren Energien. Um im Kreise der Privathaushalte zu bleiben, kann das Beispiel Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern herangezogen werden. Stromeinspeisungen durch diese PV-Anlagen werden gegenüber den „normalen Strompreisen“ besonders hoch vergütet. Wer kommt für die Differenz auf? „Alle anderen“ Haushalte.

Deutschland ist fast Spitzenreiter – Im EU-Strompreisvergleich

Lediglich Dänemark hält die Bundesrepublik davon ab, das „Siegertreppchen“ der Strompreise im EU-Vergleich inne zu haben. Doch Dänemarks Position wackelt bereits, Deutschlands Strom-Politik gibt sich alle Mühe, das nördliche Nachbarland vom Platz zu verweisen.

Die Europäische Statistikbehörde eurostat bestätigt derzeit Deutschlands Zweitplatzierung und kommt auf eine Mehrbelastung von bis zu über 400,- Euro für Familien gegenüber anderen EU-Mitgliedsländern. Der Energieversorger FlexStrom hat die Unterschiede in einigen Beispielen vorgerechnet.

EU Strompreisvergleich mit Deutschlands Nachbarländer
Der Abstand zwischen den beiden Städten Berchtesgaden in Bayern und Salzburg in Österreich beträgt lediglich 20 Kilometer. Setzt man einen jährlichen Stromverbrauch von 4.000 kWh an, zahlt die Salzburger Familie knapp 672,- Euro im Jahr. Die Familie aus Bayern müsste beinahe 300,- Euro mehr bezahlen, sollte der Grundversorger auch als Vertragspartner gewählt worden sein.

Deutlichere Verhältnisse finden sich an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden. In Aachen müsste eine Familie knapp 1092,- Euro für 4.000 kWh an den Grundversorger bezahlen, während der niederländischen Familie in Maastricht rund 400,- Euro für andere Zwecke übrig blieben.

Das größte Strompreis-Gefälle ist an der Grenze zwischen Baden-Württemberg und Frankreich festzustellen. Privathaushalte in Karlsruhe bezahlen für 4.000 kWh rund 1.036 Euro an den Grundversorger (Stadtwerke). Die Familie im französischen Straßburg zahlt für die gleiche Energiemenge lediglich 593,- Euro. Mit der Differenz von satten 443,- Euro könnten einige wichtige Dinge angeschafft werden.

FlexStrom-Chef Robert Mundt gibt unmissverständlich zum Ausdruck, dass „deutsche Stromkunden im europäischen Vergleich klar benachteiligt sind“ und fügte in der Presseerklärung hinzu, „grenzüberschreitender Wettbewerb ist gut für die Kunden. Der Preis wird definitiv sinken. Bis es so weit ist, lohnt es sich für Stromkunden in Deutschland offenbar, über kilometerlange Verlängerungskabel zum Nachbarland nachzudenken.“

Immerhin scheint dieses Dilemma von der EU zur Kenntnis genommen worden zu sein. Aus deutscher Vertretung erklärte der Energiekommissar Günther Oettinger (CDU), dass dies so nicht weiter gehen könne, weil „wir“ damit die Verbraucher überforderten und die Wirtschaft schädigen würden.

In der Saarbrücker Zeitung äußerste sich Gunnar Harms, Energieexperte für die Grünen-Bundestagsfraktion, zum Thema. Er käme nach einer Studie zum Ergebnis, dass die Verbraucher in diesem Jahr bis zu 3 Mrd. Euro zu viel zum Strompreis bezahlt hätten. Immerhin wären die Preise im Stromeinkauf 2011 um knapp 20% gefallen. Wären diese Effekte an den privaten Endkunden weitergegeben worden, hätte der Strompreis demnach um rund 2 Cent pro kWh günstiger ausfallen müssen.

Bild: Thorben Wengert / pixelio.de

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