Versteckte Kostenanteile der konventionellen Energie

Atomstromkosten-


Pro & Contra Ökostrom. Die Kosten für Erneuerbare Energien „explodieren“ und beschweren die Stromrechnungen der Privathaushalte. Eine Untersuchung und die Gegenüberstellung zwischen Ökostrom und konventioneller Energie hatte jedoch ergeben, dass die Kosten für Endverbraucher noch viel höher lägen, würden alle Ausgaben für die Kohle- und Atomenergie tatsächlich ersichtlich auf die Rechnungen umgelegt werden.

Auch versteckte Energiekosten wollen bezahlt werden

Atomstromkosten
Billiger Atomstrom?
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Steigende Stromkosten aufgrund der Öko-Anteile bringen die Verbraucher „auf die Palme“. Die Nachricht über die Anhebung der EEG-Umlage auf 5,3 Cent pro kWh (Kilowattstunde) ab 2013 ist erst einmal „verdaut“, wird aber spätestens mit der nächsten Stromrechnung wieder in Erinnerung gerufen.

So erscheint die Energiewende für Privathaushalte ein aufgezwungenes „teures Pflaster“ zu werden, ohne dass man dem ausweichen könne. Obendrein erhalten die industriellen Großverbraucher einen Vorteil aufgrund des Wegfalls der Leitungsnutzungsentgelte. Die Frage, ob die Energiewende wieder einmal eine Maßnahme primär für Kostensteigerungen ins Leben gerufen wurde, stellt sich automatisch.

Das Verhältnis der Kosten zwischen „teuren Ökostrom“ und Atomstrom rückt jedoch in ein völlig anderes Licht, wenn die Hintergründe zur „Nuklear-Energie“ etwas beleuchtet werden. Eine Studie zu den Energiekosten wurde von der Süddeutschen Zeitung (SZ) (06.11.12) veröffentlicht, die vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) durchgeführt wurde.

Die Bestandteile der Ökostrompreise sind inzwischen hinreichend aufgezählt worden und da werden noch eine Handvoll weitere Posten dazu kommen. Das führte sogar soweit, dass bei einer kürzlich durchgeführten Abstimmung in Bild von über 100.000 Lesern rund 65 Prozent den Wunsch hätten, zu Atomkraft zurück zu kehren.

Das Ergebnis der in der SZ veröffentlichten Studie zeigt jedoch auf, dass Atom- und Kohleenergie dem Verbraucher am Ende mehr kosten, als der gescholtene Ökostrom. Dazu müssten lediglich zu den hinreichend bekannten Kostenbestandteilen für Atomstrom ergänzend die versteckten Anteile offen gelegt werden.

„Kosten umlegen, verstecken und zerstreuen“

Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, fasste zusammen: „Nicht nur Atomkraft, sondern auch Kohle sind über Jahrzehnte vom Steuerzahler subventioniert worden. Das sind deutlich höhere Kosten als das, was wir im Augenblick für die Energiewende und für die erneuerbaren Energien ausgeben“. Jedoch würden diese hohen Ausgaben nicht auffallen, da die horrend hohen Fördermittel für Kohle- und Atomstromlieferanten nicht auf den Stromrechnungen auftauchten.

Da diese Zusatzkosten dennoch beglichen werden müssten, zahlt der Verbraucher die Rechnung eben per Abgaben und Steuern. Die Studie des FÖS, die im Auftrag von Greenpeace Energy und dem Bundesverband Windenergie durchgeführt wurde, legt genauere Zahlen offen.

Seit 1970 wurde Atomstrom mit einem Gesamtvolumen von rund 187 Milliarden Euro gefördert. Die Stromproduktion aus Steinkohle wurde mit 177 Milliarden und aus Braunkohle mit 65 Milliarden Euro gefördert. Bis heute stehen lediglich rund 54 Milliarden Euro für die Subventionierung der erneuerbaren Energien gegenüber.

Die Förderungen für ökologisch erzeugte Stromenergie sind jedoch in den Stromrechnungen „sichtbar“ eingearbeitet und die bisherigen konventionellen Energieerzeugungen finden finanzielle Hilfen und steuerliche Vergünstigungen. Letztendlich wird der Staatshaushalt belastet. Zwischen 1970 und 2012 wurde der Anteil der Erneuerbaren Energien durchschnittlich mit 3,4 Cent pro kWh gefördert. Der Strom aus Braunkohle erhielt eine Subventionierung aus staatlichen Mitteln in Höhe von 1,3 Cent, bzw. Steinkohle in Höhe von 3,3 Cent pro kWh. Den höchsten Förderwert weist dagegen Atomstrom mit 4 Cent pro kWh auf.

Folgekosten Atomstrom fällt unter den Tisch
Aus Atomkraft erzeugter Strom verursacht Folgekosten für die Gesamtwirtschaft, die nicht den Erzeugern angelastet werden. Zu den Folgekosten zählen u.a. die Endlagerung von Atommüll, Umweltverschmutzung, Schäden am Klima oder auch Nuklear-Unfälle. Eike Meyer, stellvertretender Geschäftsführer beim FÖS, erklärte in der SZ, „im Gegensatz zu den erneuerbaren Energien werden wir die Folgekosten von Kohle- und Atomstrom auch noch Jahre nach dem Abschalten der Kraftwerke bezahlen müssen“.

Eine Zusammenfassung der gesamten volkswirtschaftlichen Kosten der Stromgewinnung drückt sich für das Jahr 2012 mit 8,1 Cent/kWh für Windstrom und 7,6 Cent/kWh für Wasserstrom aus. Strom aus Steinkohle kostet 14,8 Cent/kWh, Atomstrom min. 16,4 Cent/kWh (bis 42,2 Cent).

Die Stromgewinnung aus PV-Anlagen (Photovoltaikanlagen) wird derzeit noch mit einem Kostenaufwand von 36,7 Cent/kWh beziffert, wird aber von FÖS in Relation zur Markteinführung von Atomstrom gesetzt. Zwar wäre Solarstrom aufgrund der hohen Anfangsinvestition für die Errichtung von PV-Anlagen relativ teuer, liegt aber mit den Ausgaben vergleichsweise günstig mit den Kosten in den früheren Jahren der Kernenergie. Damals zeigte sich eine Kostennote von über 60 Cent/kWh und lag damit beinahe doppelt so hoch.

Meyer erklärte der SZ, „diese Zahlen zeigen, dass einige erneuerbare Energien heute schon günstiger sind als konventionelle Energieträger, wenn außer dem Strompreis auch die Kosten von staatlichen Förderungen sowie die Kosten für Umwelt- und Klimabelastung sowie nukleare Risiken einbezogen werden.“

Einige erneuerbare Energien wären heute schon preisgünstiger als die konventionellen Energieträger, so Meyer. Jochen Luhmann vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie kommt auf eine ähnliche Einschätzung und stellte fest, „wir müssen die Frage stellen, ob Strom mit Energiewende wirklich teurer wäre als ohne. Die entsprechenden Untersuchungen zeigen inzwischen, dass die Variante mit Energiewende die billigere ist.“

Preise für Erdöl, Gas und Kohle werden stark ansteigen
Fossile Brennstoffe werden in den nächsten Jahren einen dramatischen Preisanstieg erfahren, schätzten Rohstoffexperten ein. Das läge nicht nur an einer steigenden Nachfrage, sondern an den heute schon sichtbaren Anzeichen von Förderrückgängen. Gas, Kohle und Erdöl gingen zur Neige und die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris will festgestellt haben, dass der Zenit des weltweit geförderten Rohöls bereits überschritten wurde.

Vormachtstellung der großen Energiekonzerne

Abgesehen davon, dass die These vom „knapp werdenden Rohöl“ als „Argument-Keule“ bereits seit Jahrzehnten vor sich hergeschoben wird, würde es in der Theorie dennoch stimmen. Öl ist nicht grenzenlos vorrätig.

Im deutschen Markt sind vier große Energiekonzerne vertreten, E-On, RWE, Vatenfall und EnBW. Nachdem sie noch im letzten Jahr aufgrund der Energiewende herbe Verluste einfahren mussten, sind sie seit Jahresbeginn 2012 wieder auf Gewinnkurs. Das „plötzliche“ Abschalten zahlreicher Atommeiler versetzte den Energiekonzernen einen derben Schlag, dennoch scheinen sie auf Samtkissen gefallen zu sein. Denn drei oder vier Quartale weniger Gewinne oder sogar „real rote Zahlen“ einzufahren, müssten locker aus den Milliardengewinnen der Vergangenheit aufzufangen sein.

Groß ist meist unflexibel. Das waren die schmerzlichen Hauptmerkmale der „herben Verluste“ im vergangenen Jahr.

Ein besonderer Kern aus dem Artikel der SZ verdient hervor gehoben zu werden. „65% der Befragten würden sich Atomstrom zurück wünschen“:
So etwas nennt man dann wohl eine erfolgreiche Kampagne der Atomstrom-Lobby.“

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.