Verbraucher begrüßen Ökostrom bei geringem Willen zum Wechsel

Ökostrom – Anbieterwechsel-

Obwohl Stromkunden durchaus bereit wären mehr Geld für Öko-Strom zu bezahlen, ist die Bereitschaft den Stromanbieter zu wechseln eher gering.

Der Wille zum Öko-Strom wird gezeigt, doch nur wenig gehandelt

Anlässlich der Katastrophe in Fukushima, Japan, wurde das Nischenthema Öko-Strom neu aufgegriffen und mit dem Atom-Ausstiegsprogramm in eine politische Zwischenstation geführt.

Stromanbieter haben schon längst reagiert und bieten den Haushalten verstärkt aus ökologischen Quellen erzeugten Strom an. Doch Produkte die nicht von der Stange kommen, haben einen Aufpreis, das gilt für erzeugte (eigentlich umgewandelte) Energie ebenfalls.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, DIW Berlin hinterfragte, wieviele Haushalte bereits Öko-Strom beziehen, in wie weit ein angehobender Preis akzeptiert wird und welche Kriterien zum Öko-Strom den Haushalten als wichtig erscheinen.

„Der gute Wille zählt“
Rund 10 Prozent der deutschen Haushalte beziehen inzwischen den sog. Öko-Strom und bezahlen einen etwas höheren Preis als der Marktdurchschnitt für herkömmlich erzeugten Strom.

Die Bereitschaft, mehr Geld für ökologisch erzeugten Strom zu bezahlen, geht bis hin zu einigen Cent pro Kilowattstunde (kWh). Nicht jeder Öko-Strom ist gleich Öko-Strom. Die Kunden wollen offenbar genauer wissen, worauf die Bezeichnung „Öko-Strom“ des Lieferanten begründet liegt.

Ökostrom ja – Mehr zahlen „eher nicht“
Ökostrom
Ökostrom nur theoretisch beliebt
© Rainer Sturm / pixelio.de

Von großer Wichtigkeit ist eine nachhaltige ökologische Stromerzeugung. Die Investitionen durch den Aufpreis der Stromkosten sollen möglichst in den aktiven und beständigen Ausbau der erneuerbaren Energien fließen.

Der gewählte Stromanbieter investiert am Besten in den Ausbau eigener Anlagen. Dazu zählen z.B. Solaranlagen, Windkraftanlagen oder Wasserkraftanlagen. Regionalität ist für viele Haushalte ein ebenfalls ausschlaggebender Punkt, um letztendlich den Öko-Stromanbieter zu wählen.

Lokalen Anbietern wird gegenüber bundesweit tätigen Stromkonzernen und Discountern der Vorzug gegeben. Die „engere Wahl“ wird noch dadurch bekräftigt, dass Öko-Stromanbieter favorisiert werden, die ausschließlich Haushaltsstrom aus erneuerbaren Enegiequellen anbieten.

Die genaue Begründung, warum die Haushalte vom bisherigen Stromanbieter zum Öko-Strom Lieferanten gewechselt sind, bleibt jedoch aus. Obwohl Haushalte eine hohe Bereitschaft zeigen, mehrere Cent pro Kilowattstunde für den Öko-Strom mehr zu bezahlen, ist die Wechselbereitschaft eher gering.

Die hohe Wertschätzung von ökologischer Energie und die geringe tatsächliche Wechselbereitschaft sind ein Widerspruch, der noch genauer analysiert werden muss.

Dehnbarer Begriff Öko-Strom – Verbraucher nicht ausreichend informiert

Die Stromquellen aus „erneuerbaren Energien“ sind relativ abstrakt.
Es gibt keine genaue Definition dafür, wo genau Ökostrom anfängt. Die Bezeichnung Ökostrom ist nicht geschützt und auch nicht klar fixiert. Jeder Anbieter kann Ökostrom verkaufen und die bereits zahlreich unterschiedlichen Ökostrom-Produkte erleichtern nicht gerade das Verständnis für die Materie.

Eine Orientierung finden Stromkunden an verschiedene Öko-Strom Siegel. Zu den Ökostrom-Prüfern, die ein Qualitäts-Siegel vergeben, zählen z.B. der TÜV-Süd, TÜV-Nord, ok-power und Grüner Strom Label.

Öko-Strom Anerkennung hat keine Standards
Die einzelnen Prüf-Vereine gehen zur Ökostrom-Feststellung mit unterschiedlichen Ansatzpunkten an die Analyse. Unterschieden werden u.a. die Art der erneuerbaren Energien, das Alter der Anlagen und die Anforderungen für Aus- und Neubau der zukünftigen ökologischen Stromgewinnung.

Stromkunden können zwar sicher sein, mit dem Ökostrom Siegel eine zuverlässige Angabe zu erhalten, aber ein „Gütesiegel Ökostrom“ ist nicht vereinheitlicht. Darüber hinaus hat die Untersuchung ergeben, dass sehr viele Stromkunden die Symbole für Ökostrom Garantie gar nicht kennen.

Unterschiedliche Ökostrom Siegel / Kennzeichnungen & Zertifizierungen
Tüv Süd Ökostrom

Ökostrom TÜV Süd

Tüv Nord Ökostrom

Ökostrom TÜV Nord

Grüner Strom Label

Grüner Strom Label

OK Power Ökostrom

ok power Ökostrom

Mögliche Antwort zum „seltsamen“ Verhalten der Stromkunden

Die überwiegende Befürwortung von Ökostrom bei gleichzeitig geringer Wechselbereitschaft, könnte die Meinungsbildung durch Politik und Medien wiederspiegeln. Fukushima gab als „die atomare Katastrophe“ das Startsignal, um auf allen Ebenen der Gesellschaft über den Atom-Ausstieg zu diskutieren.

Eine beinahe überhastete Politik, mit kräftiger Unterstützung der breiten Medien. Die Meinungen waren sehr schnell gebildet.
Wer nicht aus der „lebensbedrohenden“ Atom-Energie aussteigen möchte, steht bereits im Abseits.

Die Analyse in DIW sagt nichts über die Art, die Anzahl und die Vorgehensweise aus, wie diese Daten erhoben wurden. Es ist durchaus denkbar, dass der gesellschaftliche Druck bereits ausreicht, um sich bei „offiziellen Befragungen“ als rigoroser „Atomstrom-Feind“ zu präsentieren.

Die offenkundige Bereitschaft, ein paar Cent mehr für Ökostrom bezahlen zu wollen, bekräftigt die eigene (dargestellte) Haltung. Gewechselt wird in der Praxis deshalb nicht, weil tatsächlich etwas höhere Sromkosten anfallen könnten.

Regelmäßige Strompreiserhöhungen durch Ökostrom-Abgaben sind in aller Munde (z.B. EEG-Abgabe).

„Wer zu Ökostrom wechselt könnte riskieren, sich noch weiteren Preiserhöhungen auszusetzen“.
Letztendlich entscheidet doch der Preis und es wird beim billigsten Stromanbieter geblieben, bzw. zum günstigsten gewechselt. Das Phänomen öffentliche „Meinungsbildung“, ist bereits in vielen anderen Bereichen der Gesellschaft zu beobachten.

Quelle: DIW

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