Terroranschläge rücken Atomkraftwerke in den Mittelpunkt

Sicherheit Atomkraftwerke-


Die jüngst verübten Terroranschläge rücken die Frage über die Sicherheiten für Atomkraftwerke in den Mittelpunkt. Während eine Atombombe für einen relativ kurzen Zeitraum einen enormen Schaden anrichtet, bieten Kernkraftwerke auch friedlich genutzt das Potenzial für eine über Millionen Jahre andauernden Verseuchung.

Atomstrom

Atomkraftwerke bereiten den nachfolgenden Generationen auch ohne Terror riesige Probleme

Die Last der Atomkraftwerke kann durch Terror verlagert werden

Mit den am 22. März in Brüssel verübten Terror-Anschlägen rückte die reelle Gefahr weiterer Attacken „ganz in der Nähe“ um ein weiteres Stück heran. Verschiedene Terrororganisationen, vordergründig der sog. IS, kündigten weitere Angriffe in ganz Europa an. Sollten die Ziele der Terroristen auch Atomkraftwerke betreffen, kündigte sich eine unabsehbare Katastrophe an.

Abgesehen von der über Jahrmillionen andauernden Generationen-Last durch die radioaktiven Abfälle und den statistisch alle nur 10.000 Jahre vorkommenden ernsthaften Atomunfällen, stellen Atomkraftwerke in ihrer friedlichen Nutzung zur Stromerzeugung ein vermeintlich überschaubares Risiko dar. Die Statistiken sind von der Realität allerdings schon längst eingeholt worden. Die Atomkraftunfälle Harrisburg 1979, Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011 stellen dabei nur die bekanntesten „Störfälle“ dar. Die Folgen der unbeabsichtigten Kernschmelzen sind weder in Tschernobyl, noch in Fukushima ausgestanden. Würden die Medien über die noch immer anhaltenden katastrophalen Auswüchse ständig und ausführlich berichten, bliebe kaum mehr Platz für andere Themen.

Größte Gefahren, wenn ein laufendes AKW sich selbst überlassen wird

Steht ein Atomkraftwerk (AKW) still, sind die Brennelemente bereits auf „Stand-By“ gesetzt. Im Normalbetrieb könnte aber eine Störung des Ablaufs katastrophale Folgen haben. Die komplizierten Betriebsabläufe in einem Kernkraftwerk im Normalbetrieb dürfen nicht gestört werden. „Am meisten gefährdet sind tatsächlich die laufenden AKW. Weil ein hier Nur-sich-selbst-überlassen schon zum systematischen Super-Gau führt, wie wir in Fukushima gesehen haben. Da ist ja nicht nur ein Reaktor explodiert, da sind sie der Reihe nach explodiert. Das heißt, in drei Reaktoren hat es Kernschmelzen gegeben. Das heißt, bei einem laufenden Reaktor braucht man sehr viel Logistik, eine sehr intakte Anlage, um eine Superkatastrophe zu verhindern. Das reduziert sich bei einer abgeschalteten Anlage. Hier hat man viel mehr Zeit, zu intervenieren. Hier entwickelt sich ein Umfall keineswegs so schnell“, so Heinz Smital, Kernphysiker in Diensten von Greenpeace zu Deutschlandfunk (Mittwoch).

Die Bundesregierung zeigt sich eher unbekümmert

Deutschlandfunk stellte dem Bundesumweltministerium die Frage, wie das mögliche Gefahrenpotenzial durch terroristische Anschläge auf Atomkraftwerke eingeschätzt wird. Die Antwort fiel jedoch wenig befriedigend aus. Demnach sei das Bundesumweltministerium für diese Angelegenheit nicht zuständig, sondern die Bundessicherheitsbehörden. Derzeit legen „keine Erkenntnisse vor, die auf eine konkrete Gefährdung der deutschen Atomkraftwerke hinweisen und zusätzliche Sicherungsmaßnahmen erforderlich machen würden.“.

Die größere Gefahr für AKW ginge nicht von außen, sondern von innen aus, so Smital. Terroristische Gruppen könnten AKW-Mitarbeiter für ihre Anschlags-Pläne gewinnen. Ein derartiger Vorfall sei bereits in Belgien vorgekommen. Im Sommer 2014 gab es demnach in einem AKW einen „hoch entwickelten Sabotageakt“. Die sog. Innentäter müssen hohe Kenntnisse über die Anlage gehabt haben. Der Schaden sei sehr groß gewesen. Die Ermittlungen führten jedoch nicht zur Überführung der Täter. Man konnte lediglich eine Tätergruppe einkreisen, aber eine Aufklärung gab es final keine.

Ob Endlager oder Anschlag – Die Risiken durch ein AKW sind sehr ähnlich

Die Brennelemente der Atomkraftwerke sind aus einem Mix von unterschiedlichen radioaktiven Materialien zusammengesetzt. Einmal ausgebrannt, müssen sie entweder wiederaufbereitet oder entsorgt werden. Die Einlagerung stellt AKW-Betreiber und Politik vor großen Herausforderungen und die nachfolgende Menschheit vor größtmögliche Gefahrenpotenziale.

Mit der Endlagerung des Atommülls handelt es sich nicht gerade um eine Zwischenstufe für ein paar Jahre oder Jahrzehnte. Der in Kanistern und Fässern verstaute Atomabfall braucht beständige Überwachung. Das radioaktive Material hält lange, sehr lange, nicht aber die „Umverpackung“. Der Abfall aus Atomkraftwerken muss in regelmäßigen Abständen in neue Behälter umgefüllt werden.

Maßgeblich für die Dauer der radioaktiven Belastung ist die sog. Halbwertszeit. Das ist der Zeitraum, bis (statistisch) die Hälfte des radioaktiven Materials zerfallen ist. Nach einer weiteren gleichen Periode hat sich die Menge des strahlenden Atommülls wiederum halbiert. Gerät ein Atomkraftwerk durch einen Terror-Anschlag außer Kontrolle, kommt noch hinzu, dass das gleiche Brennmaterial ungehindert in Umgebung, Trinkwasser und Atmosphäre entweichen kann. Die Folgen wären radioaktive Belastungen, die länger andauerten als die Menschheit bereits auf der Erde wandelt.

Einige Halbwertszeiten für in AKW verwendetes radioaktives Material

Radioaktives Material Kurzbezeichnung Halbwertszeit
Thorium 232Th 14,05 Mrd. Jahre
Uran 238U 4,468 Mrd. Jahre
Uran 235U 704 Mio. Jahre
Plutonium 239Pu 24.110 Jahre
Kohlenstoff 14C 5.730 Jahre
Radium 226Ra 1.602 Jahre
Plutonium 238Pu 87,74 Jahre
Caesium 137Cs 30,2 Jahre
Tritium 3H 12,36 Jahre
Cobalt 60Co 5,3 Jahre
Schwefel 35S 87,5 Tage
Radon 222Rn 3,8 Tage
Francium 223Fr 22 Minuten
Thorium 223Th 0,6 Sekunden
Polonium 212Po 0,3 Mikrosekunden

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