Rückkehr Nachtspeicheröfen? Aus Wind soll Wärme werden

Energiewende-


Ginge es um den Energieversorger RWE, könnte das Verbot von Nachtspeicheröfen Ende 2019 rückgängig gemacht werden. Mit Hilfe neuer Regelungstechniken sieht der Energieversorger in den „rustikalen“ Wärmespeichern einen möglichen Puffer, um zu erwartende Strommengen-Schwankungen im Netz zu kompensieren und somit der Energiewende um einen großen Schritt voran zu bringen.

„Aus Wärmespeicher wird quasi Strompuffer-Speicher“

Windenergie
Aus Wind soll Wärme werden
Bild: Petra Bork / pixelio.de

Die Stromerzeugung ist einfach, die Speicherung von elektrischer Energie erweist sich nach wie vor als eine echte Herausforderung. Was in kleinen Dimensionen mit der Batterie noch als praktikabel erscheint, wird spätestens dann undurchführbar, wenn dauerhaft energiehungrige Einrichtungen aus einem Puffer versorgt werden sollten.

Als ein indirekter Stromspeicher wurde neuerdings der in die „Versenkung geschlagene“ Nachtspeicherofen wiederentdeckt. Die einst hoch bejubelte und meist durch günstigere Stromtarife subventionierte Heizungstechnik für Haushalte wird in einem größeren Umfang ein stufenweises Ende durch ein ausgesprochenes Verbot zahlreicher Geräte ab 2020 finden. Der Verkauf und die Errichtung von Nachtspeicheröfen sollen ebenso schrittweise von der Bildfläche verschwinden wie die noch immer nachgetrauerte Glühbirne. Dennoch wird auch ab dem kommenden Jahrzehnt kein generelles „Pauschal-Verbot“ gelten, sondern einem Großteil der Haushalte ihre Heizungen belassen.

„Renaissance praematurus“ der Nachtspeicheröfen möglich
Der Energieriese RWE hat sich offensichtlich an die Speicheröfen erinnert, nachdem nachgedacht wurde, wie die durch Windkraftwerke erzeugten Strommengen-Schwankungen abgefedert werden könnten. Nach Informationen der Financial Times (FTD) (Dienstag) wolle RWE auf die Technik der „als veraltete Stromfresser geltenden Geräte“ zurückgreifen um die Energiewende zu unterstützen.

Mit der zusätzlichen Ausstattung moderner Regeltechnik wird es für möglich gehalten, die Speicheröfen zur Glättung von Strommengenspitzen im Netz zu verwenden. Demnach soll auch der Stromversorger EnBW bereits „gedanklich“ auf den gleichen Zug gesprungen sein.

Technisch würde das System bereits heute schon funktionieren, so Verweyen, Technikchef der RWE-Effizienztochter zur FTD. „Wenn wir nachweisen können, dass es sich wirtschaftlich rechnet, wollen wir 2014 damit auf den Markt kommen“, so Verweyen. Voraussetzung wäre jedoch die Rücknahme des geplanten Verbots von Nachtspeicheröfen.

Anderer Meinung scheinen jedoch die Energie-Mitstreiter Eon und Vattenfall zu sein. Lt. FTD sehen beide Versorger in die Nutzung der alten / neuen Technologie von Heizspeicheröfen kaum Chancen, die Ziele von Stromspeicherungen zu erreichen. Stattdessen werden andere Techniken getestet, um Strom als Wärme-Energie zu nutzen. Vattenfall plant in einen Wasserspeicher eine riesige Heizung, quasi ein Tauchsieder in das Hamburger Fernwärmenetz einzubauen. Der Energieriese will sich das Projekt rund eine halbe Milliarde Euro kosten lassen.

Das Land Dänemark scheint jedoch positive Erfahrungen mit Windstrom gespeisten Elektroheizungen zu haben. So wies Manuel Frondel, Energieexperte des Instituts für Wirtschaftsforschung, auf die zahlreichen Haushalte in Dänemark hin, die eben mit erneuerbaren Energien von Windkraftanlagen beheizt würden. Den Netzbetreibern würden dadurch die Möglichkeit in die Hand gegeben werden, die Nachfrage zu steuern. „Vor diesem Hintergrund sollte das Verbot von Elektrospeicherheizungen fallen gelassen werden“, erklärte Frondel der FTD.

Felix Matthes, Energieexperte beim Öko-Institut e.V. hält Nachtspeicheröfen dagegen als „übergroße Batterien“ für untauglich und bezweifelt, dass die Speicherheizungen der Energiewende zuträglich sein könnten. Matthes lenkte ein, „Nachtspeicher fragen mit schöner Regelmäßigkeit und besonders dann Strom nach, wenn der Wind nicht weht“ und forderte aus diesem Grund am Festhalten des bereits ausgesprochenen Nachtspeicherverbots.

Statt Zeitsteuerung eine Preissteuerung
Ginge es um RWE würden die Speicherheizungen nicht mehr wie bisher nach bestimmten Uhrzeiten den Wärme-Aufladestrom anfordern, sondern in Abhängigkeit der Temperatur noch zusätzlich auf wechselnde Strompreis reagieren. Die neuen Steuersysteme sollen demnach zu den teils heftigen Preisschwankungen bei der sog. Regelenergie entsprechend ein- und abgeschalten. Sollte der Strompreis gerade auf einem niedrigen Niveau liegen, laden die Öfen nach, bei gestiegenen Preisen würde die Regelung eine Abschaltung einleiten.

RWE gab an, den geregelten Heizstrom als Modell „Windheizung“ mit einem Preis von rund zehn Prozent unter dem normalen Nachtspeicher-Tarif anbieten zu wollen.

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