Insolventer Stromversorger TelDaFax: Ex-Chef haftet persönlich

TelDaFax Pleite-


TelDaFax geriet als Stromdiscounter in die Schlagzeilen, als Mitte 2011 Insolvenz angemeldet wurde. Mehr als 750.000 ehemalige Stromkunden waren trotz Vorleistung gezwungen, die zusätzliche Rechnung des Grundversorgers zu zahlen, ohne große Hoffnung zu haben, vom ehemaligen Discounter entschädigt zu werden. Das Urteil vom Amtsgericht Lingen gegen den Ex-Chef könnte jedoch eine Wende einleiten.

Persönliche Haftung des Ex-Chefs von TelDaFax

Urteil TelDaFax
Ein Musterurteil für
eine Prozesslawine?

Bild: Carlo Schrodt / pixelio.de

Ein Urteil, das vermutlich nicht bei einem augenscheinlichen Symbolwert bleiben wird, sondern Motivation für Nachahmer sein könnte.

Gernot Koch, ehemaliger Chef im Vorstand des in Insolvenz geschlitterten Stromversorgers TelDaFax ist nach Informationen von Handelsblatt (Donnerstagsausgabe) vom Amtsgericht Lingen (Az.: 12C 319/12) wegen „vorsätzlicher Täuschung eines Kunden“ aus Niedersachsen zu einer Zahlung von 549,17 Euro plus 5% Zinsen als Schadenersatz verurteilt worden.

Damit haftet der ehemalige TelDaFax-Chef persönlich für den entstandenen Schaden eines geprellten Kunden. Lt. Kochs Anwalt wurde das Urteil akzeptiert und die Strafe bereits bezahlt. Mit diesem Urteil des Musterprozesses dürfte ein Stein ins Rollen gekommen sein, der eine erdrutschartige Prozessflut auslösen könnte. Immerhin stehen noch Forderungen in Millionenhöhe im Raum, die den tausenden getäuschten Kunden ein Stück näher gerückt zu sein scheinen.

Zum Zeitpunkt der Insolvenz (14.06.11) zählte TelDaFax über 750.000 Kunden. Offenbar ahnt auch der ehem. Chef des insolventen Stromanbieters, was noch auf ihn zukommen könnte. Sein Anwalt Lars Winkler erklärte dem Handelsblatt, dass bisher ein Fall verloren und vier gewonnen worden sind, Koch wolle sich gegen jede Klage verteidigen.

In dem konkreten Fall, das letztendlich zum Urteil führte, hatte sich lt. Handelsblatt ein Kunde wegen bewusster Irreführung beschwert. Im März 2011 wurde mit TelDaFax ein Vertrag abgeschlossen und auch eine Abschlagszahlung für ein Jahr geleistet. Jedoch stand der Stromversorger zu diesem Zeitpunkt bereits vor der Kippe. Inzwischen verweigerte auch die Deutsche Postbank für TelDaFax den Zahlungsverkehr aufgrund chaotischer Zustände in der Buchhaltung abzuwickeln.

Zuvor schalteten einige Netzbetreiber wegen Säumnisse seitens TelDaFax die Versorgungen ab, darunter auch die Stadtwerke Lingen. Letztendlich war der Kunde dazu gezwungen, den Stromanbieter zu wechseln und einen neuen Vertrag abzuschließen. Laut neuem Vertrag musste der Strom ein zweites Mal bezahlt werden.

Gute Aussichten für den klagenden Kunden bestanden darin, weil Koch nicht nur Vorstand von TelDaFax war, sondern auch der Geschäftsführer der TelDaFax-Services GmbH. Sämtliche Abrechnungen zum Strombezug liefen über die GmbH. Das Urteil des Amtsgericht Lingen (Handelsblatt): „Der Beklagte als Verantwortlicher in seiner Position als Geschäftsführer hat hier bewusst hingenommen, dass der Kläger aller Voraussicht nach eine Geldleistung erbringen würde, für die er die Gegenleistung in Form der Energielieferung nicht mehr erhalte würde. (…) Der Beklagte als Geschäftsführer der Teldafax Services GmbH täuschte den Kläger insoweit vorsätzlich.“

„Weil man zum billigsten Stromanbieter griff“?

Prinzip von TelDaFax war das Abverlangen der Stromkosten im Voraus. Aus diesem Grund konnte auch die Situation von mehr als 750.000 Gläubigern entstehen, nachdem der Stromversorger seine Pforten endgültig schloss. Der Strom war quasi abgeschaltet (die Grundversorger sind ersatzweise eingesprungen), aber die Rechnung war für ein Jahr schon beglichen.

Das Prepaid-Prinzip bei Stromversorgern ist keine Ausnahme, nur hatte sich TelDaFax offensichtlich mit seinem „internen“ Geschäftsmodell kräftig vergaloppiert. Rote Zahlen aufgrund Verluste wurden durch die Vorauszahlungen der durchaus anwachsenden Kundenzahl mehr oder weniger „kaschiert“. Dennoch half auch nicht das einfließende Geld, in den schwarzen Bereich der Geschäftsbilanzen zu kommen.

Die Kunden wurden mit Discounter-Preisen geangelt, die jedoch nicht die Kosten des Stromanbieters decken konnten. Eine Ankündigung von der Abkehr der Billig (st)-Angebote zu kostendeckenden Tarifen vertrieb jedoch die erhoffte Neukundschaft. Am Ende „platzte die Bombe“.

Für die ehemaligen Kunden von TelDaFax betrug der Schaden in der Regel mehrere hundert Euro. Die Stromversorgung ist gesetzlich zugesichert, aber nicht als „kostenlose Dreingabe“. Der Grundversorger schickte nach der Insolvenz seine eigenen Rechnungen an die Abnehmer, bis diese sich ggfs. für einen anderen Anbieter entschieden.

Der vermeintlich „billigste Stromtarif“ kam für die TelDaFax-Kunden am Ende ganz schön teuer

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