Die einzelnen Umlage-Bestandteile der gesamten Stromkosten

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Die Stromkosten steigen unentwegt. Für 2013 wird eine weitere drastische Strompreisanhebung dank der Öko-Umlage erwartet. Immerhin steht der größte Umlagen-Anteil der Strompreis-Zusammensetzung in der öffentlichen Diskussion. Nicht zu unterschätzen sind die weiteren zahlreichen Strompreis-Umlagen, die offenbar gerne unter den Tisch gefallen lassen werden.

Die Stromkosten setzen sich aus zahlreichen Umlagen zusammen

Erneuerbare Energien
Kostenpunkt Erneuerbare Energie
Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

Eine jede Firma ist dazu verpflichtet ihren Kunden eine einfach nachvollziehbare Rechnung aufzustellen, die alle einzelnen Positionen in Einheitspreisen und tatsächlichen Stückzahlen transparent darlegt. Der Taschenrechner sollte höchstens dafür Verwendung finden müssen, ggfs. die ebenfalls von einem Rechner addierte Summe zu kontrollieren.

Bei einer Stromrechnung z.B. ist dies offensichtlich nicht so einfach möglich. Der Stromlieferant kann die Posten seiner „gelieferten Ware“ einzeln aufzählen, aber nicht die bereits „eingearbeiteten“ Anteile in die Einheitspreise. Noch bevor die Ware Strom beim „Zwischenhandel“ eingetroffen ist, wurden Abgaben und Zusatzkosten bereits mit eingewoben.

Die FlexStrom-Unternehmensgruppe hat sich den Einheitspreis Strom vorgenommen und diesen in seine Bestandteile zerlegt. Zum Vorschein kommen neben den inzwischen viel diskutierten Öko-Umlagen eine ganze Palette weiterer „Elementarteile“, die stark Kosten treibende Eigenschaften vorweisen.

So versteckt diese Strompreis- „Nebenanteile“ auch eingearbeitet sind, verursachten sie dennoch den hauptsächlichen Preisanstieg in den letzten 14 Jahren. Seit 1998 sind die Kosten für Stromerzeugung, Transport und dem letztendlichen Vertrieb um nur neun Prozent angestiegen. Gleichzeitig wurden die privaten Haushalte jedoch durch Umlagen, Abgaben und Steuern mit einem Anstieg um 178 Prozent höher belastet. Im Jahr 2012 liegt der Anteil von Steuern und Abgaben für Privathaushalte bereits bei knapp 50 Prozent des Gesamtstrompreises.

Stromkostenanteil EEG-Umlage

Die EEG-Umlage dürfte in Verbindung mit Ökostrom-Umlage inzwischen großen Bekanntheitsgrad erreicht haben. Inzwischen ist dieser Stromkostenfaktor wiederholt kräftig umstritten, da ein Anstieg um rund 50 Prozent für 2013 als so gut wie sicher gilt.

Die EEG-Umlage dient zur Subventionierung der „Erneuerbaren Energien“ und wird von den Netzbetreibern für die Einspeisung von ökologisch erzeugtem Strom berechnet. Mit dieser Umlage gibt der Gesetzgeber eine fixierte Größte vor. Dieser bestimmt den relativ hohen Fixpreis, den die Netzbetreiber für den Ökostrom an die Erzeuger zu bezahlen und von den Strombörsen zu verlangen haben. Der allgemeine Strompreis ist jedoch an den Strombörsen am sinken. Die erhöhten Anteile aus Wind- und Sonnen-Energie setzen den Großhandelspreis der konventionell erzeugten Energie unter Druck.

Zwischen den vorgegebenen Ökostrompreisen und den normalen Börsenpreisen entsteht ein größer werdender Abstand, der den Netzbetreibern eine Mindereinnahme beschert. Diese Differenz wird durch die EEG-Umlage, die der private Endverbraucher aufzubringen hat, an den Netzbetreibern als Ausgleich bezahlt.

Im Jahr 2012 liegen die Anteile der EEG-Umlage bei rund 4,27 Cent brutto pro kWh (Kilowattstunde). Zum 01. Januar 2013 wird eine Anhebung um rund 50 Prozent erwartet, vermutlich auf 5,3 Cent netto pro kWh.

Stromkostenanteil KWK-Umlage

Wie die EEG-Umlage handelt es sich bei der „KWK-Variante“ um ein bereits über 10 Jahre altes Gesetz und dient „dem Erhalt, Modernisierung und Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung“. Förderberechtigt sind demnach Kraftwerksbetreiber, die die anfallende Wärme bei der Energiegewinnung zum Beispiel als Fernwärme nutzbar machen. Das KWK-Gesetz wurde inzwischen überarbeitet und spricht u.a. ab 2013 in Betrieb gehende KWK-Anlagen höhere Zuschläge zu.

Zusätzlich kommen Förderungen für Wärmespeicher hinzu sowie pauschale Zuschlagszahlungen für kleinere KWK-Anlagen.

Den Fördergeldern liegt ein jährliches Budget zugrunde. Derzeit sollen insg. 750 Millionen Euro beibehalten werden. Die Ausweitung der Regelung auf weitere förderberechtigte KWK-Anlagen führt jedoch zu Kostensteigerungen. Schätzungen zu folge werden mit Mehrkosten von bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr gerechnet. Diese Posten werden durch die KWK-Umlage auf die Stromverbraucher umgelegt.

Anteilig zahlen Privatkunden derzeit eine KWK-Umlage von 0,00238 Cent pro kWh brutto. Die Umlage wird voraussichtlich für ab 2013 um das 45-fache ansteigen und auf 0,11 Cent pro kWh festgelegt.

Stromkostenanteil §19 Umlage

Großunternehme, die einen Jahresstromverbrauch von mehr als 10 GWh (Gigawattstunden) vorweisen und im Jahresdurchschnitt ab 7.000 Stunden relativ konstant Strom benötigen, können sich von den Netzentgelten befreien lassen.

Mit der Befreiung von Kosten für die Unternehmen soll die globale Wettbewerbsfähigkeit für Deutschland sichergestellt werden. Darüber hinaus soll die Entgeltbefreiung die Arbeitsplätze in der Großindustrie festigen.

Was dem einen erlassen wird, muss dem anderen auferlegt werden. Die Netzbetreiber haben durch die Entgeltbefreiung Mindereinnahmen. Diese Differenz wird auf alle anderen Stromkunden, wie Mittelstandsbetriebe und Privathaushalte, umgelegt.

Die Umlage für die Netzentgeltbefreiung verursachte 2012 einen Stromkostenanteil von 0,179 Cent brutto pro kWh für den Privatkunden. Im kommenden Jahr 2013 müssen Kunden mit einem Anstieg um 200 Prozent rechnen. Voraussichtlich wird die „§“19-Umlage“ für nächstes Jahr auf 0,54 Cent pro kWh festgelegt.

Systemstabilitätsnetzverordnung

Mit dieser Verordnung handelt es sich offenbar um eine Korrektur, da eine technische Gegebenheit im Vorfeld schlicht übersehen wurde. Das Wechselstromnetz in Deutschland weist eine Frequenz von 50 Hz auf. Sollte die übliche Netzfrequenz lediglich um 0,2 Hertz überschritten werden, schalten sich ältere Fotovoltaikanlagen automatisch ab. Inzwischen ist die Anzahl der PV-Anlagen so angestiegen, dass eine womöglich gleichzeitige Abschaltung zu einer erheblichen Stromnetz-Schwankung, oder gar zu einem Totalausfall führen könnte.

Altere Fotovoltaikanlagen müssen nachgerüstet werden, dafür stehen die Netzbetreiber in der Verantwortung. Sie haben drei Jahre Zeit, alle PV-Anlagen mit einem Errichtungsdatum vor dem 01.01.2012 technisch so umzurüsten, dass bei einer Netzfrequenzüberschreitung eine zeitlich gestaffelte Netztrennung erfolgen kann.

Eine Um-, bzw. Nachrüstung der Photovoltaikanlagen wird geschätzte 170 Millionen Euro betragen. Dazu kommen Kosten für die Administration der Netzbetreiber, weitere 20 Millionen Euro. Die anfallenden Gesamtkosten werden je zur Hälfte über die EEG-Umlage und die Netzentgelte umgewälzt. Für die Dauer der dreijährigen Umrüstzeit bedeutet dies einen Aufschlag von 0,0065 Cent pro kWh. Innerhalb des gleichen Zeitraums wird sich die EEG-Umlage um 0,008 Cent pro kWh erhöhen.

Die gesamte Kostenanhebung für die PV-Umrüstmaßnahmen ist im Bundesgebiet aufgrund unterschiedlicher Netzentgelte und den regionalen Schwerpunkten von PV-Anlagen nicht einheitlich.

Bereits diskutierte zusätzliche Umlagen für Strompreisgestaltung

Das Ende Fahnenstange für die Strompreis-Zusammenstellung scheint noch lange nicht erreicht worden zu sein. Derzeit werden bereits weitere Umlagen debattiert, die letztendlich den privaten Stromkunden treffen können.

Dazu zählt die Motivation von stromhungrigen Großkunden, ihren Stromverbrauch zu drosseln, damit das Stromnetz in Spitzenzeiten stabil gehalten werden könne. Mit einer Lastmanagementverordnung soll es dabei zu Entschädigungszahlungen kommen. Größenordnungen sind noch keine genannt worden, aber es scheint sehr sicher zu sein, dass auch für diese Kostennote die restlichen Stromverbraucher aufzukommen haben.

Der Begriff Offshore fand ebenfalls schon verstärkt Beachtung in den öffentlichen Diskussionen. Windparkbetreiber auf See könnten auf kalkulierte Einnahmen verzichten müssen, weil die Netzanbindung nicht erfolgte. Aus diesem Grund soll mit einer Offshore-Netzanbindungshaftungsverordnung die zu erwartenden Einnahmeausfälle auf den Strompreis umgelegt werden. Zurzeit steht ein Kostenanstieg von bis zu 0,3 Cent pro kWh in der Diskussion.

Eine gesetzliche Kaltreserve will sicherstellen, dass auch unrentable konventionelle Kraftwerke betriebsbereit bleiben können. Sollte z.B. in der Winterzeit ein erhöhter Strombedarf entstehen, würden die sonst defizitär wirtschaftenden Stromerzeuger die Spitzenlasten abfangen können.

Verbraucher können auch durch eine verordnete „Kaltreserve“ mit höheren Stromkosten rechnen. Mit der Schaffung einer Reservekapazität von rund 3.900 Megawatt würden Kosten von bis zu 217 Millionen Euro entstehen.

Steter Gewinner ist der Fiskus

In der Strompreisgestaltung sieht man klar, dass der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Die Aufstellung der derzeitigen Strompreisbestandteile durch FlexStrom könnte auch als eine Rechtfertigung, wenn nicht sogar als „Selbstverteidigung“ bezeichnet werden.

In einem vereinfachten Vergleich wäre für die Endverbraucher meist der Bäcker der erste Ansprechpartner, falls die Brötchen um 20 Prozent teurer geworden sind. Dass die Bäcker aber zur Verteuerung gezwungen sind, da der Gesetzgeber eine
„Mehlstaubverminderungsabgabenverordnung“ auferlegte, ist für den Brötchenkäufer kaum ersichtlich.

Besonders pikant ist der Umstand, dass jeglicher Verordnung zu einer neuen Umlage die Umsatzsteuer, bzw. die Mehrwertsteuer beim Endkunden stets mit drauf geschlagen wird. Die meist als Ausgleich propagierte Umverteilung stellt gleichzeitig immer eine Steuermehreinnahme für den Fiskus dar.



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