Versuchte KKH-Allianz teure Mitglieder zu verdrängen?

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Schwere Vorwürfe gegen die gesetzliche Krankenkasse KKH-Allianz. Sie soll versucht haben, schwer kranke und damit „zu teure“ Mitglieder über Druckausübung zum Wechsel zu bewegen. Protokolle von Telefongesprächen ergäben ein regelrechtes Verdrängen von „unliebsamen“ Kassenmitgliedern.

„Hat am Telefon geweint, Kündigung liegt vor“

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Krank oder gut versichert?
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Offenbar ist das „Entfernen“ von kostenintensiven Kunden neben der Personalreduzierung eine durchaus effektive Sparmaßnahme. Eine Krankenkasse die nur „gesunde Mitglieder“ zählen würde, bräuchte keine Gedanken zu den Jahresbilanzen verschwenden.

Das ZDF-Magazin Frontal 21 hatte eine ganz bestimmte Krankenkasse ins Visier genommen, von der man „hörte“, sie würde schwerkranke Versicherte per Anrufe dazu motivieren, die Kündigung einzureichen. Am Dienstagabend bekamen die Fernsehzuschauer einen Einblick in die mögliche Vorgehensweise der KKH Allianz, wie man am besten teuer Versicherte losbekommen könnte.

Frontal 21 recherchierte diverse Vorfälle, die daraus schließen lassen, dass es sich nicht um Einzelfälle, sondern um eine Methode handeln könnte. Demnach hätten die Mitarbeiter der KKH Allianz über Monate hinweg eine Reihe schwerkranker Patienten angerufen und sie dazu aufgefordert die Mitgliedschaft zu kündigen. Dem Nachrichtenmagazin lägen Protokolle vor, die jeweilige Gespräche zwischen den Krankenkassen-Mitarbeitern und den Versicherten enthielten. Es läge sogar eine Bestätigung seitens der Kassenmitarbeiter vor.

Peter Schaar, Bundesdatenschutzbeauftragter erhob schwere Vorwürfe gegen die KKH Allianz und betonte, „dass Wettbewerb nicht dazu führen darf, dass man gesetzliche Grenzen überschreitet.“ Schaar vermutete gegenüber Frontal 21 die Absicht der Krankenkasse, die schwerkranken Mitglieder aus Kostengründen herausdrängen zu wollen.

Überschreitung von geltenden Gesetzen

Professor Rolf Rosenstock, Gesundheitsökonom und Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, erklärte in einem Gespräch mit Frontal 21, dass es sich mit dem Vorgehen der KKH Allianz um einen Skandal handelte und erklärte, „das entspricht auf keinen Fall dem Auftrag einer gesetzlichen Krankenversicherung. In Paragraph 1 des zuständigen Gesetzes steht, die gesetzliche Krankenkasse ist eine Solidargemeinschaft.“

KKH Allianz dementiert die Motive der Anrufe

Ingo Kailuweit, Vorstand der KKH-Allianz, wies gegenüber dem Fernsehmagazin die Vorwürfe zunächst zurück. Er könne sich derlei Geschäftspraxis „definitiv nicht vorstellen“. Es handelte sich vielmehr um ein gewöhnliches Mahnverfahren, bei der die Versicherten telefonisch kontaktiert wurden. Es solle dennoch eine interne Untersuchung eingeleitet werden.

Die Krankenkasse erklärte ihre Anrufe an die Mitglieder ausnahmslos aus Gründen von Forderungen ausstehender Zusatzbeiträge und erklärte, „dies galt ausnahmslos für alle Schuldner und unabhängig von Alter, Geschlecht, Krankengeschichte oder sonstigen Kriterien“. Ziel der KKH Allianz wäre es nicht gewesen, Versicherte zu einem Wechsel der Kasse zu drängen.

Zwischen März 2012 und Februar 2012 hatte die KKH-Allianz Zusatzbeiträge erhoben. Die Anzahl der Mitglieder wird mit 1,8 Millionen beziffert. Rund 3% der Versicherten sollen mit den Zusatzbeiträgen noch im Säumnis stehen.

Protokollauszüge der Telefongespräche

Frontal 21 zitierte Auszüge aus den vorliegenden Protokollen der Telefongespräche zwischen Kassen-Mitarbeiter und den Versicherten.

  • Er sei immer schon bei KKH und die zahlen auch seine HIV-Therapie; nach langem Gespräch dennoch überzeugt, über Kassenwechsel nachzudenken; Kündigung liegt vor.
  • Kundin ist blind; Kassenwechsel als Möglichkeit aufgezeigt.
  • „Hat am Telefon geweint, Kündigung liegt vor“ (zu einer schwer erkrankten Diabetikerin)

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