Finanzkrise als Grund für PKV Beitragsanhebungen 2012

Privatkrankenversicherungen werden teurer-

Die Finanzmarktlage wirkt sich offenbar auf die Gesellschaften für Privatkrankenversicherungen aus. Noch in diesem Jahr dürfen Neueinsteiger mit kräftig höheren Beiträgen rechnen. Die Versicherungsprämien sollen zusammen mit den neuen Unisex-Angeboten in Kraft treten.

Abgesenkter Rechnungszins für PKV muss kompensiert werden

Beitragsanhebungen PKV
Für Neukunden wird PKV teurer

Die seit Jahren andauernde Finanzkrise innerhalb der Euro-Zone verbreitet sich wie ein Krebsgeschwür. Schritt für Schritt breitet sich die „Krankheit“ auf jede noch so gesunde Zellen aus und verrichtet ihr zerstörendes Werk. Massive Gegenmittel haben bekanntlich auch schwere Nebenwirkungen. So wundert es nicht, dass die Niedrigzinspolitik und die mageren Erträge auf den Finanzmärkten nun auch die privaten Krankenversicherer heimgesucht haben. Die Privatkrankenversicherung (PKV) wird teurer.

Eine Anhebung der Beiträge für die Privaten ist nichts Neues. Eine neue Qualität wurde allerdings mit der Begründung der anstehenden, teils massiven Beitragsanhebungen erreicht. Neben den beständig ansteigenden Gesundheitskosten verursachen die niedrigen Zinserträge Mindereinnahmen für die Privatversicherer, die durch angezogene Prämien kompensiert werden müssen.

Voraussichtlich werden noch im Jahr 2012 die Beiträge für Neueinsteiger in die PKV um 4 bis 10 Prozent angehoben werden. Lt. Branchen-Informationen an die Financial Times (FTD) (Freitagsausgabe) wird auch die private Pflegeversicherung um bis zu 20 Prozent teurer werden.

Die Prämienanhebung für Neukunden der Privatkrankenversicherung soll demnach mit der Umstellung zu den sog. Unisex-Tarifen zusammen fallen. Ab dem 21.12.2012 dürfen Gesellschaften nur noch geschlechterneutrale Tarife anbieten.

Lücken in der Alterungsrückstellung müssen geschlossen werden
Privatversicherungen verwenden einen Teil der Prämien für die Altersrückstellung. Dieser „Topf“ dient dazu, die zu erwartenden hohen Beiträge im Alter (ab 65 Jahre) zu kompensieren. Das angesparte Geld wird am Kapitalmarkt angelegt und verzinst. Wie bei einer kapitalbildenden Lebens- oder Rentenversicherung erhalten die Sparer einen Garantiezinse. Bei der Privatkrankenversicherung gilt der sog. Rechnungszins als eine Minimalanforderung für die Renditen zur Alterungsrückstellung.

Die Privatversicherer wollen den derzeitigen Rechnungszins von 3,5% auf 2,75% absenken. Eine ausdrückliche Empfehlung soll lt. FTD die deutsche Aktuarvereinigung gegeben haben. Mit dem niedrigeren Rechnungszins würde die Altersrückstellung aufgrund geringerer Renditen einen kleinen Betrag aufweisen. Die Differenz müsste durch Anhebung der PKV-Prämien und per direkte Einzahlung ausgeglichen werden.

„Freiwillige Maßnahme mit Haken und Ösen“
In umgekehrter Sichtweise entspricht der Rechnungszins auch als der sog. maximal erlaubte Höchstzins. Eine Absenkung geschieht auf freiwilliger Basis einer jeden Gesellschaft. 2011 senkten bereits zwei Versicherer den Zinssatz ab, allerdings wird für 2012 eine weitaus höhere Anzahl erwartet. Der FTD bestätigte Uwe Laue, Chef der Debeka, dass der Rechnungszins vom Deutschlands größten Privatkrankenversicherer auf 2,75% abgesenkt werden soll.

„Aufgezwungene Maßnahme“ mit perfektem Timing

Ein rein „natürlicher“ Ablauf. Wer auf den Kapitalmärkten von Zinsen und Renditen profitiert, diese Gewinne an Kunden zu einem bestimmten Teil weiter reicht, wird eines Tages die Bremse ziehen müssen, weil die Märkte eben kaum noch etwas hergeben.

Sicher ist es kein Zufall, dass die Umsetzung von Beitragsanhebungen mit dem „Umschalt-Termin“ für die Unisex-Tarife zusammenfällt. In diesem Fall wird der Privatkunde nur mit einer einmaligen Anhebung „belästigt“ und die Anteile für Unisex-Tarife, bzw. für die Kompensation des abgesenkten Rechnungszinses, lassen sich elegant miteinander verschmelzen. Es könnte sich als sehr schwierig gestalten, die beiden Positionen getrennt betrachten zu können.

Nach der Unisex-Umstellung wird es vermutlich nicht lange dauern, bis die Bestandskunden ebenfalls aufgrund abgesenkter Rechnungszinsen zur Kasse gebeten werden.

Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Beitrag anderen Menschen mitteilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.