Erhebliche PKV Beitragsanhebungen treffen nur wenige Kunden

PKV-Beitragserhöhungen-


„Viel Wind um Nichts?“ Die Verunsicherungen um die vermeintlich stark angehobenen Beiträge für Neukunden zur Privatkrankenversicherung haben erleben derzeit einen Höhepunkt. So unübersichtlich wie die PKV-Tarife und ihre Prämien auch sein mögen, von einer „Preisexplosion“ könne jedoch nicht die Rede sein.

Moderate Beitragsanpassungen mit Ausschlägen

PKV Beitragserhöhungen
Nur moderate PKV Beitragsanhebungen
Bild: Thorben Wengert / pixelio.de

An den Veränderungen der PKV-Beiträge ab 2013 wird wiederholt ersichtlich, dass das Gebiet Privatkrankenversicherung alles andere als ein ebenes Gelände ist. Eindeutige und flächendeckende Aussagen über die neuen Beitragssätze ab 2013 vermag anscheinend niemand verbindlich treffen zu können. Die Ankündigungen wechseln sich zwischen „enormen Beitragssteigerungen“ und „kaum spürbare Veränderungen“ ab.

Herausgepickt können offensichtlich nur „stichprobenartige“ Tarifbeispiele von Versicherern mit vorgegebenen Parametern, u.a. zum Alter, die bisherige Versicherungsdauer und ggfs. Zusatzleistungen.

Lt. der faz.net (Donnerstag) sind sich zu den kommenden Beitragsveränderungen nicht einmal die Makler und der PKV-Verband darüber einig, was tatsächlich auf die Kunden zukommen könnte. Offensichtlich gab das Nachrichtenmagazin Spiegel Online mit einem Bericht über die zu erwartenden Beitragsanpassungen bei Neukunden eine Steilvorlarge. In der Analyse wurden die Extremfälle besonders hervorgehoben. Der PKV-Verband reagierte offenbar mit beschwichtigenden Gegenargumenten und gab der Einführung von Unisex-Tarifen die Hauptverantwortung für teils extremen Kostenanhebungen.

Dennoch hinkt das Argument des Verbandes lt. FAZ alleine deshalb, weil in der Untersuchung die möglichen Einflüsse der neuen Unisextarife explizit ausgeschlossen wurden und als Grundlage lediglich die Bisex-Tarife herangezogen wurden. Um einen aussagekräftigen Vergleich zu ermöglichen, müsste für sämtliche Tarife das gleiche Eintrittsalter als Grundlage dienen. Das Analysehaus KVpro untersuchte für die FAZ PKV-Tarife sämtlicher renommierten Anbieter, mit der Annahme, der Versicherungsneukunde ist 35 Jahre alt (Männer und Frauen). So kommt z.B. die Anpassung eines Tarifs des Münchener Vereins auf eine Beitragsanhebung um 30 Prozent, bzw. um eine Anhebung von 102,- Euro auf 437,- Euro mtl. für männliche Neukunden und lediglich um 1,7 Prozent auf 487,- Euro für Frauen im gleichen Tarif.

Insgesamt ergab die Untersuchung der KVpro unter 28 verglichenen Tarifen bei fünf Angeboten für Männer und drei für Frauen eine zweistellige Zuwachsrate bei den Beiträgen. Es finden sich auch Privatkrankenversicherer, die in diesem Jahr gänzlich auf eine Beitragsanhebung verzichteten. Mit dem Haupttarif der Süddeutschen Krankenversicherung findet sich sogar ein Tarif für Frauen, bei dem die Prämie um 1 Prozent abgesenkt wird.

Resümee: Von einer „Preisexplosion“ könne nicht die Rede sein
Eine durchschnittliche Anhebung der Beitragssätze für Neukunden um 3,96 Prozent in den letzten Jahren beschreibt nicht gerade eine oft zitierte „Preisexplosion“. Weder die für die FAZ angefertigte Analyse durch KVpro noch die 2,5 Millionen Tarifbeobachtungen der letzten Jahre durch die Zusammenarbeit von Premiumcircle und das Institut für Mikrodatenanalyse können dramatische Prämienerhöhungen feststellen. Im Jahr 2009 wurde noch eine Verteuerung um 7,6 Prozent festgestellt, da seit diesem Zeitpunkt die Alterungsrückstellungen bei einem Vertragswechsel teilweise mitgenommen werden können. Für Bestandstarife gilt dieser besondere Effekt allerdings nicht.

Mehr zum Thema Krankenversicherung

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.