Abgesenkter Rechnungszins treibt PKV-Beiträge nach oben

PKV Prämienanhebungen 2013-


Mit jeder neuen Welle in der Finanzkrise erhalten Versicherungskunden ihren „persönlichen Anteil“. Entweder durch die Kappung von Leistungen oder eben die Anhebung von Prämien. So führt der Niedrigzins immer mehr PKV-Versicherer zur gezwungenen Absenkung des Rechnungszinses. Die Beiträge für Privatversicherte werden auch im Jahr 2013 wieder empfindlich steigen.

Ärzte Wartezimmer

Privatpatienten werden als Folge der Finanzkrise wiederholt stärker zur Kasse gebeten

Der Rendite-Mangel muss durch erhöhte Prämien ausgeglichen werden

Wer früher glaubte, die Euro- und Finanzkrise betrifft lediglich Banken und deren Kunden mit Geldanlagen, wurde bereits durch die vorgenommenen Einschnitte bei der Überschussbeteiligung einer Altersvorsorge des Besseren belehrt.

Wenn Versicherungsunternehmen durch widrige Umstände am Finanzmarkt in die Enge getrieben werden, dann bekommen die Kunden das neue Umfeld durch vorgenommene Anpassungen sehr schnell zu spüren. Das Niedrigzins-Niveau in der Eurozone wirkt sich u.a. massiv auf die Privatkrankenversicherten aus.

Für die Altersvorsorge bedeuten „Marktanpassungen“ in der Regel Abzüge bei Ausschüttungen und in der privaten Krankenversicherung dürfen Kunden ihren Anteil durch angehobene Beiträge leisten. Den Privatversicherern fehlt es jedoch kaum an Phantasie, die als notwendig erklärten Prämienerhöhungen so zu gestalten, dass die Verteuerung auf den ersten Blick als solche gar nicht erscheint. Offenbar nutzten zahlreiche Gesellschaften u.a. den Start der Unisextarife für den geschickten Einbau versteckter Beitragsanhebungen aus.

Beitragsanhebungen durch Absenkung des Höchstrechnungszins

Die Altersrückstellung gilt als ein fundamentaler Bestandteil der Privatkrankenversicherung. Mit der Rücklage von Beitrags-Anteilen wird finanzieller Puffer aufgebaut, der für die höheren Gesundheitskosten der älteren Generationen kompensieren soll. Die Gesellschaften wirtschaften mit der Altersrückstellung an den Kapitalmärkten für Renditen. Das äußerst schwierig gewordene Zinsumfeld stellt jedoch die PKV-Versicherer wie ihre „Kollegen“ in der Altersvorsorge-Branche vor erhöhten Schwierigkeiten.

Einkalkulierte und auch notwendige Gewinne mit ehemals durchschnittlich 3,5 Prozent sind kaum mehr zu erreichen. An der Altersrückstellung darf aber nicht gerüttelt werden und der Kapitalzufluss für die Aufstockung darf nicht einreißen. Aus diesem Grund haben bereits einige Versicherer für Neukunden den Rechnungszins von 3,5 auf 2,75 Prozent abgesenkt. Damit unterm Strich keine Einschnitte bei der Altersrückstellung vorgenommen werden müssen, sind angehobene Beiträge die logische Konsequenz.

Konkurrenz belebt das Geschäft, aber nur innerhalb zugelassener Grenzen

PKV-Versicherer stehen untereinander im Wettbewerb. Zwischen notwendigen Beiträgen und dem Gewinn von Neukunden besteht nur ein sehr schmaler Pfad für wenig Spielraum. Auch das Halten der „jungen, gutverdienenden und vor allem kerngesunden“ Bestandskunden wird zu einer Herausforderung, wenn die Beiträge über das Maß hinaus angehoben würden. Gesellschaften können auch bei bestehenden Kunden den abgesenkten Rechnungszins ansetzen und die Beiträge erhöhen, jedoch nur in Verbindung mit einem „anderen Grund“. So findet sich u.a. die Position „höhere Gesundheitskosten“ beinahe als Standard-Text bei der Begründung einer angekündigten Prämienanhebung.

Das Absenken des Rechnungszinses um 0,75 Prozentpunkte wird einen Anstieg der Beiträge um bis zu acht Prozent zur Folge haben, so die Einschätzung von Uwe Laue, Chef vom Verband der Privaten Krankenversicherungen. Deutlichere Anhebungen sind durch individuelle Situationen durchaus möglich.

Derart hohe Anstiege der PKV-Prämien könnten abschreckend wirken und werden von den Versicherern kaum in vollen Zügen ausgeschöpft. Folglich wäre auch ein Verzicht auf höhere Kosten denkbar, indem der Rechnungszins beim bisherigen Stand belassen wird. Ob dies aber noch in einem vertretbaren Rahmen passiert, kontrolliert Deutschlands Finanzaufsicht BaFin. Bei einer aktuellen Untersuchung wurde festgestellt, dass bereits 18 Versicherer nicht in der Lage wären, das Erreichen der 3,5-igen Renditen (basierend auf den Rechnungszins) mit einer Wahrscheinlichkeit von min. 90 Prozent für das Jahr 2015 sicherzustellen. Diese Gesellschaften fielen im BaFin-Test durch und sind nun dazu gezwungen, den Rechnungszins abzusenken und folglich die Beiträge zu erhöhen.

Die Vorreiter einer vorweg angekündigten Absenkung des Rechnungszinssatzes, u.a. Central, Continentale, Arag und Axa, erhalten nun Gesellschaft. Dagegen gaben Signal, Barmenia, Allianz und Gothaer an, von Anpassungsmaßnahmen derzeit nicht betroffen zu sein. Was im nächsten Jahr passieren wird, geben die zum Zeitpunkt vorliegenden Marktbedingungen an. Wie viel die Privatkrankenversicherung derzeit kosten kann, erfahren Sie mit dem aktuellen Beitragsvergleich (aus über 1.000 Tarifen).

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PKV Tarifwechsel

Tarifometer24.com – Tarife – News – Meinungen

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