Pflegekosten: Kaum Minderung durch „Pflege-Bahr“

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Erstmals sind genauere Zahlen zu den erwartenden Gesamtkosten im Pflegefall bekannt sowie die Eigenanteile, die von Frauen und Männer aufgebracht werden müssen, um die finanziellen Lücken bei vollen Leistungsaufwendungen zu schließen. Die enormen Zahlen verleihen der neuen „Pflege-Bahr“ nur noch mehr einen symbolischen Wert.

Extreme Unterschiede zu den Eigenanteilen für die Pflege

Pflegeversicherung
Pflegekosten: Finanziell rüstig?
Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

Die jüngst verabschiedete „Pflege-Bahr“ wird am 04. Januar 2013 in Kraft treten und sieht für Verbraucher staatliche Zuschüsse zur Pflegezusatzversicherung vor. Die Bundesregierung will mit der Förderung auch Geringverdienern eine Möglichkeit geben, die drohenden finanziellen Lücken bei einem Pflegefall im Alter zu schließen.

Ob die Förderung durch „Pflege-Bahr“ zum „großen Wurf“ in der Pflegeversicherung geworden ist oder doch nur ein kleines Lichtlein im Firmament darstellt, dürfte der Pflegereport 2012 der BARMER GEK genauer definieren.

Mit dem aktuellen Pflegereport unterschied die BARMER GEK erstmals die finanziellen Pflegeaufwände für Männer und Frauen. Die Untersuchungen ergaben den prägnanten geschlechterspezifischen Kostenaufwand von durchschnittlich beinahe 84.000 Euro für Frauen und rund 42.000 Euro für Männer.

Zu den privat zu leistenden Anteile der gesamten Pflegekosten zeigen sich besonders bei Frauen die hohen Belastungen aufgrund der längeren Heimpflege. Der beizusteuernde private Anteil für die Pflegekosten liegt demnach für Frauen bei ca. 45.000,- Euro. Der finanzielle Eigenaufwand liegt bei Männern mit rund 21.000,- Euro deutlich darunter.

Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK, erklärte, „damit wird konkret fassbar, dass die Pflegeversicherung immer eine Teilkaskoversicherung war, ist und bleiben wird.“ Eine private Vorsorge mit dem „Pflege-Bahr“ wirke da bestenfalls wie „der Tropfen auf den heißen Stein“. Die von der Gewerkschaft Verdi vorgeschlagene Pflege-Vollversicherung klingt zwar vielversprechend, so Schlenker, aber finanziell wäre dieser Weg unrealistisch und führte „sozialpolitisch in die Irre“.

Auswertungen mit langfristiger Betrachtungsweise
Für rund 2.000 Versicherte ab dem 60. Lebensjahr, die im Jahr 2000 zum ersten Mal pflegebedürftig geworden waren, berechnete das Autoren-Team des Pflegereports die anfallenden Gesamtlebenszeitkosten. Die Untersuchungen leitete Prof. Dr. Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen.

Die bisherigen Ausgaben der Sozialen Pflegeversicherung zwischen den Jahren 2000 und 2011 wurden aufaddiert. Weitere zu erwartende Kosten bis zum Jahr 2024 wurden geschätzt. Prof. Rothgang erklärte zur Analyse, dass zum ersten Mal beziffert werden konnte, welche Kosten in der Pflegeversicherung, bei der Sozialhilfe und besonders privat für die Pflege aufgewendet werden.

Extreme Schwankungen bei den Aufwendungen
Die soziale Pflegeversicherung übernimmt durchschnittlich rund 33.000,- Euro der Leistungen für einen Pflegeversicherten. Die Spanne ist allerdings mit dem Bereich zwischen 13.000 und 262.000 Euro extrem groß.

Solche hohen Beträge müssten lt. Pflegereport der GEK nur von einem kleinen Teil der Versicherten aufgebracht werden. Der Anteil der Pflegebedürftigen, die von den Pflegekassen weniger als 5.000,- Euro beanspruchen, liegt bei rund 28%. Aufwendungen zwischen 5.000 und 15.000,- Euro werden von rund 20% beansprucht.

In den privaten Anteilen wurden anhand der Analysen ebenfalls sehr große Schwankungen festgestellt. Bei der stationären Pflege erreichten sie im Extremfall bis zu 305.000,- Euro. Der durchschnittliche Privatanteil zu den Pflegekosten beträgt 31.000,- Euro.

Geringerer Anstieg der Anzahl Pflegebedürftiger
Für das Jahr 2011 stellte GEK erstmals einen geringeren Anstieg der Pflegebedürftigen fest. Rothgang erklärte dazu, „in den nächsten zwei Jahrzehnten wird der Zuwachs im Trend sogar noch weiter zurückgehen“.

Große Unterschiede zum Anstieg der Pflegebedürftigen wurden in den einzelnen Regionen festgestellt. War noch zwischen 2005 und 2007 die Zahl der Pflegebedürftigen in den neuen Bundesländern deutlich stärker angestiegen als der durchschnittliche Wert von 5,6% für Gesamt-Deutschland, ging die Zuwachsrate zwischen den Jahren 2007 und 2009 bereits deutlich zurück. Die Zuwachsraten in den alten Bundesländern befanden im gleichen Zeitraum unter dem Bundesdurchschnitt, dafür viel die Abschwächung zwischen 2007 und 2009 geringer aus.

Pflege-Bahr lediglich als „Motivation“ für Eigeninitiative

Der Förderungsanteil von 60,- Euro pro Jahr für die Pflegezusatzversicherung kann angesichts der zu erwartenden Pflegekosten überhaupt nicht als „Entlastung“ im Pflegefall in Betracht kommt. Vielmehr bleibt der Zuschuss nach „Bahr“ ein Anreiz, sich überhaupt um eine zusätzliche private Pflegeversicherung zu kümmern.

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