Donnerstag, den 19. Juli 2018

GKV: Hohe Beitragsschulden der Selbstständigen

Krankenversicherung


Selbstständige stehen in vielen Fällen vor dem Problem zu hoher Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung, die sie teils nicht mehr stemmen können. die Beitragsschulden wachsen weiter an.

Krankenversicherung kann Hälfte des Einkommens ausmachen

Arzneimittelkosten

Viele Selbstständige bei GKV verschuldet

Bei den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) sammelten sich Ausstände von inzwischen rund 6 Milliarden Euro an und mit anteilig 5 Milliarden Euro Beitragsschulden sind Selbstständigen eindeutig die Hauptschuldner, so die Frankfurter Rundschau (FR). Das ist vor allem ein Resultat der pauschalen Beitragsbemessung.

Mit der im Jahr 2007 eingeführten Versicherungspflicht wurden auch alle Selbstständigen ins Boot geholt, die bisher keine Krankenversicherung hatten. Der Knackpunkt: Bis heute gilt die Vorstellung, dass Selbstständige generell gut verdienten und deshalb einen Mindestbeitrag zu leisten haben. Für Selbstständige wurde deshalb ein virtueller Verdienst von mindestens 2.231 Euro brutto angesetzt. Somit haben Selbstständige jeden Monat mindestens rund 400 Euro Beitrag für die Krankenversicherung zu zahlen. Den Arbeitgeberanteil für Angestellte müssen sie selber aufbringen. Lediglich in besonderen Härtefällen ließe sich der Mindestbeitrag auf ca. 270 Euro reduzieren.

So können auf Selbstständige Krankenversicherungsbeiträge zukommen, die gut an die Hälfte des monatlichen Einkommens herankommen, während Arbeitnehmer anteilig im Schnitt 8,4 Prozent aufbringen müssen. Der fiktiv angenommene Verdienst hat bei sehr vielen Selbstständigen mit der Realität nur wenig gemein. 82 Prozent der selbstständig Tätigen haben nur ein jährliches Einkommen von brutto maximal 15.010 Euro. Der Durchschnitt liegt bei 9.444 Euro und somit nur 787 Euro pro Monat.

Eine Lösung des Problems ist bis dato nicht in Sicht. Die Politik scheut sich davor, dieses Ungleichgewicht zwischen dem Einkommen der Selbstständigen und der Höhe deren Krankenversicherungsbeiträge zu begradigen. Eine Reduzierung des Mindestbeitrages dürfe es allerdings nur geben, wenn zur gleichen Zeit auch eine Krankenversicherungspflicht für gering verdienende Selbstständige eingeführt wird, so FR. Selbstständige können bisher frei wählen, wo er seine Krankenversicherung abschließen will, unabhängig von der Einkommenshöhe. Es erscheine jedoch unfair, wenn ein selbstständig Tätiger die Solidarität der GKV nur so lange nutzt, bis er bei einem höheren Einkommen zu einer Privatkrankenversicherung wechselt.




  Relevante Berichte zum Thema - Das könnte Sie interessieren

PKV kritisiert SPD-Vorschlag einer einheitlichen Gebührenordnung
PKV kritisiert SPD-Vorschlag einer einheitlichen Gebührenordnung

Gesundheitswesen – Der Verband der Privatkrankenversicherung kritisiert den Vorschlag aus den Reihen der SPD, im Gesundheitswesen eine einheitliche Gebührenordnung einzuführen.... 

Gesundheitskosten auf 11,3% des BIP angestiegen
Gesundheitskosten auf 11,3% des BIP angestiegen

Gesundheitswesen – Die Gesundheitskosten stiegen in der Bundesrepublik im Jahr 2015 deutlich an und erreichten mehr als 11 Prozent der gesamten Jahres-Wirtschaftsleistung.... 

Krankenversicherung: Bürgerversicherung erneut in der Schusslinie
Krankenversicherung: Bürgerversicherung erneut in der Schusslinie

Solidargemeinschaft – Die Bürgerversicherung geriet erneut in die Schusslinie der Kritiker. Eine Studie will belegen, dass die Einführung der einheitlichen Krankenversicherung... 

PKV-Beiträge können ab 2017 auf bis das Doppelte ansteigen
PKV-Beiträge können ab 2017 auf bis das Doppelte ansteigen

Krankenversicherungen – Auf die Privatkrankenversicherten könnten ab 2017 massive Beitragsanhebungen zukommen. Die durchschnittliche Erhöhung der PKV-Beiträge kann bis... 


  Weitere Artikel aus dem gleichen Themenbereich

Idee der „Straf-Gebühr“ für Notaufnahme stößt auf Kritik
Idee der „Straf-Gebühr“ für Notaufnahme stößt auf Kritik

Krankenkassen – Die Idee der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Patienten für das Aufsuchen der Notaufnahme mit 50 Euro zu belasten, stößt auf Kritik. Eine solche... 

PKV kritisiert SPD-Vorschlag einer einheitlichen Gebührenordnung
PKV kritisiert SPD-Vorschlag einer einheitlichen Gebührenordnung

Gesundheitswesen – Der Verband der Privatkrankenversicherung kritisiert den Vorschlag aus den Reihen der SPD, im Gesundheitswesen eine einheitliche Gebührenordnung einzuführen.... 

Kassenpatienten müssen Privatversicherten Vortritt lassen
Kassenpatienten müssen Privatversicherten Vortritt lassen

Gesundheitssystem – Die vermeintlichen Gerüchte von einer bevorzugten Behandlung von privat Krankenversicherten gegenüber Kassenpatienten treffen zu. Eine Studie belegt... 

Kassenmitglieder waren im 1. Quartal 2017 auf Wanderschaft
Kassenmitglieder waren im 1. Quartal 2017 auf Wanderschaft

Krankenkassen – In den ersten drei Monaten waren wieder zahlreiche Kassenmitglieder auf Wanderschaft und wechselten die gesetzlichen Krankenversicherung. Zu den Gewinnern... 

Ihre Meinung zählt! - Ein paar Zeilen von Ihnen sind uns sehr viel wert.

Wenn Sie zum Thema gerne etwas ergänzen wollen, inhaltliche Fehler entdecken oder völlig anderer Meinung sind: Kurze Sätze sind ebenso willkommen wie "halbe Romane".
Bitte die Netiquette beachten (Regeln)

Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbedingungen

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.