„Hohe Dispozinsen haben erzieherischen Wert“

Dispokredite-


Das Tauziehen um die hohen Dispozinsen erreicht eine neue Zwischenetappe. Die von zahlreichen Verbraucherschützern angeprangerten hohen Überziehungszinsen vieler Banken und Sparkassen erhalten nun einen pädagogischen Charakter. Sie „dienten der Erziehung“, so Bayerns Chef der Volks- und Raiffeisenbanken.

Die Zinsen dienten als ein Warnsignal zu einer Grenze

Girokonto überziehen
Die Pädagogik des Bankenwesens

Der Chef der bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken, Stephan Götzl, verteidigt hohe Dispozinsen als einen „pädagogischen Nutzen“ zugunsten der Bankkunden. Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) (Samstag) berichtete mit Stützung auf die dpa über den Genossenschaftspräsident, der den hohen Dispozinssätzen einen pädagogischen Wert beimisst, „die Zinsen sind ein Warnsignal an die Kunden, ein Ausrufezeichen das zeigt: Du hast eine Grenze überschritten“.

Zusätzlich erklärte Götzl, dass kein Kunde zur Inanspruchnahme des Dispos gezwungen werde und die Banken nicht dazu gezwungen wären, den Dispo überhaupt anzubieten, „es gibt kein Grundrecht auf einen Dispo“, so der Genossenschaftspräsident lt. NOZ.

Götzl bekräftigt seinen Standpunkt durch seine Feststellung, die Verbraucherschützer hätten seit der Schulden- und Finanzkrise den Banken nur Profitinteressen vorgeworfen, ohne auf das Wohl ihrer Kunden zu blicken. Für den Chef der Volks- und Raiffeisenbanken bedeutet die Absenkung der Dispozinsen eine Verführung der Kunden zum weiteren Überziehen ihrer Konten. Mit günstigeren Überziehungskrediten wäre ihnen nicht geholfen.

„Alles zum Wohle des Kunden“?

„Die Banken werden nicht dazu gezwungen, den Dispo überhaupt anzubieten und kein Kunde wäre dazu gezwungen, den Dispo in Anspruch zu nehmen. Es gibt kein Grundrecht auf einen Dispo“. Das stimmt.

Warum bieten die Banken diesen Dispositionskredit, unabhängig von dessen Zinsbelastungen, überhaupt an? Aus Rücksicht, Entgegenkommen, Nachsicht oder aus tiefster Liebe zum Kunden? Wohl kaum.

Liegt es nicht vielmehr daran, dem Kunden einen weiteren Spielraum geben zu wollen, um an ihn verdienen zu können?

„Bank ist nicht gleich Bank“
In der Tat sind aufgrund der Finanzkrise die Banken wieder einmal in den Mittelpunkt so mancher Kritik geraten. Fair wäre es außerdem, nicht alle Kreditinstitute über einen Kamm zu scheren. Die wenigsten Kreditinstitute pflegen das gleiche Geschäftsgebaren wie ein Goldman Sachs.

Sich aber jetzt zur Rechtfertigung hoher Dispozinsen in den Bereich der Pädagogik vorzuwagen, klingt gelinde gesagt etwas „ironisch“. Günstigere Zinsen würden vielen Kunden nicht „helfen“, den Verführungen weiterer Kontoüberziehungen zu widerstehen. Aus dem Munde eines Bankvertreters klingt es geradezu als wolle der Bahnhofsverkäufer seinen Schnaps nicht billiger hergeben, weil dieser um die Vernunft seiner Kunden besorgt wäre, auch wenn dieser bereits die Rechnungen anschreiben lässt.

Götzl erklärte lt. NOZ, dass es sich mit den Überziehungskrediten um einen Service handelte, um den Verbrauchern kurzfristig den finanziellen Spielraum zur Verfügung stellen zu können. Zeigte sich jedoch ein dauerhaftes Minus, würde die Bank entgegen treten und einen günstigeren Ratenkredit anbieten. Eine Schuldnerberatung würde von den Volks- und Raiffeisenbanken ebenfalls angeboten werden.

Offenbar bringt dieser freiwillige Dispo-Service eine Vielzahl der Kunden „in Gefahr“, sich dauerhaft zu verschulden und man fahre selbst damit in ein Minus. Götzl erklärte, dass es sich mit den Dispokrediten für die Volks- und Raiffeisenbanken um „ein tiefrotes Geschäft“ handelte. Warum werden dann die Disporahmen nicht einfach eingestellt?

Kaum denkbar, dass ein Geldhaus seinen fundamentalen Geschäftsbereich Zinsen durch Darlehen einfach so wegbricht. Der Ausflug in die Pädagogik deutet mehr auf eine Erklärungsnot zur Rechtfertigung hin, als dass es überzeugend wirkte.

Bild: tarifometer24.com

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