vzbv: Vermögensberater für Privatanleger missachten Gesetz

Test Anlagenberater-


Die Beratungsqualität durch Anlagenberater für Privatinvestoren erhält vom Verbraucherzentrale Bundesverband ein niederschmetterndes Zeugnis. Es mangele an der Umsetzung der gesetzlichen Vorschriften, die Privatanleger über die Chancen und Risiken von Vermögensprodukten ausreichend zu Informieren.

Beratung Vermögensanlagen nicht gesetzeskonform

Beratungsqualität
Privatanleger tappen trotz Beratung
zu Risiken im Dunkeln

Kunden einer Vermögensberatung werden in Deutschland nicht nach Recht & Gesetz beraten. Zu diesem abschließenden Ergebnis kommt der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), nachdem eine Untersuchung zur Einhaltung einer seit knapp einem Jahr bestehenden Ergänzung zu den verbindlichen Beratungsverpflichtungen vorgenommen wurde.

Seit Juni 2012 müssen Anbieter von geschlossenen Fonds oder andere Anlageprodukte wie Namensschuldverschreibungen oder Genussrechte eine zusätzliche Produktinformation beilegen. Anlagenberater sind dazu verpflichtet, ihren Kunden ein Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) auszuhändigen. Darin soll der Anleger in kurzer und transparenter Form zu den Renditechancen, Kosten und auch Risiken der Anlage informiert werden. Ebenfalls muss im Infoblatt erkenntlich sein, ob für den Berater eine Provision abfällt und wie hoch diese ist.

Verbraucherzentrale Bundesverband und Stiftung Warentest entwickelten eine Untersuchungsmethode, um den Anlagenberatern bezüglich ihrer Verpflichtungen auf die Finger zu sehen.

Ernüchterndes Ergebnis: Nicht ein einziges der untersuchten Info-Materialien konnte die vom Gesetzgeber geforderten Kriterien vollständig erfüllen.

Dorothea Mohn, Finanzexpertin des vzbv, bezeichnete es als alarmierend, wie wenig ernst die gesetzlichen Vorgaben und der Verbraucherschutz genommen würden. Es handelte sich lediglich um Kurzinformationen. Wenn diese bereits mangelhaft sind, „wird es um die Qualität der angebotenen Produkte kaum besser stehen“, so Mohn.

Bereits die einfachsten Vorschriften werden nicht befolgt. Von insg. 67 Unternehmen, die im März eine Vermögensanlage an den Kunden brachten und deren Info-Blätter bei der Finanzaufsicht BaFin hinterlegt wurden, verstieß jeder Vierte gegen die Verpflichtung, die Informationen auf den Produktseiten im Internet zu veröffentlichen. Nur eine von insg. 24 untersuchten Kurzinformationen beschrieb das angebotene Anlageprodukt wenigstens in Ansätzen im Detail, so die Untersuchungsergebnisse. Bei den anderen VIBs erhält der Kunde lediglich ungenaue Beschreibungen und keine ausreichend konkreten Angaben zu den Konditionen der angepriesenen Geldanlage.

Vernebelte Anlagenberatung nach wie bisher

Es blieb dabei und es wird sich voraussichtlich auch nicht so schnell ändern. Der vzbv schließt aus den „ernüchternden Ergebnissen“ sowie den Erfahrungen der Verbraucherzentralen in der Sparte Finanzberatung, dass „mangelhafte Informationen und Falschberatung“ bei nicht börsengehandelten Beteiligungsinstrumenten und geschlossenen Fonds weiterhin ein Thema bleiben.

vzbv fordert Verbot für Verkauf an Privatanleger
Die Verbraucher seien nahezu überhaupt nicht in der Lage, die Risiken und Werthaltigkeiten solcher Anlageprodukte einzuschätzen, so der Bundesverband. Es mangele an Regulierungen und die Komplexität der Vermögensanlagen läge fern jeder realistischen Abwägung der Privatanleger. Der vzbv fordert aus diesem Grund verschärfte Vorschriften.

Für den Privatanleger wären diese Produkte ohnehin ungeeignet, da ein adäquater und ein an der Börse gebildeter unabhängiger Kaufpreis fehlten. Darüber hinaus werden Privatanleger vor den Risiken eines Totalverlustes gestellt. Ein Verbot dieser Anlagen für private Investoren käme der bereits geplanten EU-Richtlinie, die zur Regulierung alternativer Investmentfonds solche Anlagen an Privatanleger grundsätzlich ablehne, sehr nahe. Für die EU-Mitgliedsländer bestehe jedoch die Möglichkeit zu einer Abweichung von diesen Vorgaben und Deutschland mach als „fast einziges Land in der EU Gebrauch“.

Die Forderungen des vzbv für verschärften Schutz

  • Die Empfehlung und Vermittlung solcher Produkte sollte gesetzlich maximal bis zu einer Höhe von fünf Prozent des freien Vermögens eines Privatanlegers erlaubt sein.
  • Das Bundesfinanzministerium sollte von der Verordnungsermächtigung, die das Vermögensanlagengesetz vorsieht, Gebrauch machen und einheitlich klare Standards für die Vermögensanlagen-Informationsblätter setzen.
  • Die Kurzinformation des Vermögensanlagen-Informationsblatts muss auf einen Blick und in drucktechnisch hervorgehobener Form das maximale Verlustrisiko der Anlage deutlich machen und eine Aussage darüber enthalten, wer unter welchen Voraussetzungen als Anleger für die jeweilige Vermögensanlage geeignet ist, wie etwa:
    „Die Anlage kann mit einem Totalverlust verbunden sein und ist nur für Anleger geeignet, die einen solchen Totalverlust finanziell tragen können und bereit sind einen solchen hinzunehmen. Die Beteiligungen sind oft nur schwer wieder zu veräußern und eignen sich nicht zur Altersvorsorge.“

Verbraucherbezogener Finanzmarktwächter

Als eine weitere Maßnahme zum Schutz der Privatanleger fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband eine auf den Verbraucher ausgerichtete systematische Marktbeobachtung durch einen Finanzmarktwächter. Mit dem Einblick auf die bei den Verbraucherzentralen eingegangenen Beschwerden der Privatkunden könne der Finanzmarktwächter zu einem frühen Zeitpunkt die neuen Entwicklungen erkennen und die Einhaltungen der Regulierungen nachhaltig und transparent offen legen. Politische Entscheidungen sowie staatliche Kontrollen könnten durch die Erkenntnisse eine Unterstützung finden.

Die Verbraucher könnten bereits durch den präventiven Charakter eines solchen Marktwächters vor Verlusten geschützt werden, so die Finanzexpertin des vzbv.

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