Sparer-Frust schleichende Enteignung: Für Ökonomen ein korrekter Ablauf

Niedrigzinsen-


Das Leid des Sparers ist des Ökonomen Selbstverständnis. Schwache Renditen für Anleger sind in krisengeschüttelten Zeiten ein völlig normaler Zustand und darüber hinaus bestehe gar kein Rechtsanspruch auf hohe Zinssätze. Wirtschaftsexperten sehen in den niedrigen Sparzinsen einen Beitrag für genesende Banken und ein stabilisiertes Finanzsystem.

Betteln

In der Rolle des Bittstellers werden Sparer niemals zu ihren Renditen kommen

Anleger-Frust bringt auch keine höheren Gewinne ein

Vermögensvernichtung, stille Enteignung und Rendite-Klau. Das Verhältnis zwischen den Anlagenzinsen und der Inflation lässt zahlreiche Bezeichnungen für die negativen Renditen der Anleger zu. Aus der Sicht des Sparers durchaus nachvollziehbar, aber aus der Sicht der Ökonomen ein völlig normaler Zustand.

Mit dem Platzen so mancher Finanzblasen wurden gleichzeitig die hohen Zinssätze für Sparanlagen hinweggefegt. Nach einer kurzen Erholungsphase mit wiederum steigenden Renditen wurde der bis heute laufende Euro-Rettungsprozess in Gang gesetzt. Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte den Leitzins über mehrere Stufen von einst 4,25 Prozent im Jahr 2008 auf derzeit 0,5 Prozent. Gleichzeitig erhalten Geldinstitute günstiges Geld in Massen, um den Kapitalfluss nicht versickern zu lassen.

Deutschland entpuppte sich im Laufe der Krisenjahre als ein relativ stabiles Euroland und wirkte auf risikoscheue Anleger wie ein unwiderstehlicher Magnet. Die Bundesanleihen gingen im vermeintlich sicheren Hafen weg wie die „berühmten warmen Brötchen“. Die extrem hohe Nachfrage drückte die Anleiherenditen zeitweise sogar in den Negativbereich.

Ein Überfluss von Kapital in den Finanzmärkten sowie das hohe Interesse in deutsche Staatsanleihen drückten die Zinsen für Spar- und Tagesgeldkonten massiv nach unten. Die noch relativ niedrige Inflationsrate in Deutschland wurde vom Zinsniveau längst unterschritten. De facto bringen herkömmliche Sparanlagen Verluste ein. Die Zinsen können den Kaufkraftverlust nicht mehr ausgleichen oder gar überkompensieren.

Die Proteste über diese Sparersituation sind entsprechend durchwachsen. War der Anleger über Jahre hinweg an die sicheren und hohen Zinsen gewöhnt, so erscheint der derzeitige Zustand als pures „Raubrittertum“. Sogar Vertreter des deutschen Bankensektors scheinen für die Sparer in die Bresche zu springen. Michael Kemmer, Vorstand des Bundesverbandes deutscher Banken, sprach lt. Berliner Zeitung (03.10.13) von einer „schleichenden Enteignung der deutschen Sparer“.

„Doch alles normal“, so die Stimmen von Ökonomen. Von einer Enteignung könne man prinzipiell nicht sprechen, so Gustav Horn, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts IMK. Auf hohe Zinsen gebe es keinen Rechtsanspruch, ebenso wenig wie auf hohe Löhne oder Gewinne. Die Zinsen können ebenso wie Löhne und Gewinne nur gemäß der Wirtschaftslage gezahlt werden, „und die Lage ist schlecht“, folgerte Horn.

Ähnlicher Ansicht ist auch Ferdinand Fichtner, Experte Konjunktur beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Wirtschaftsleistung im Euroraum wird im Jahr 2013 voraussichtlich um 0,4 Prozent schrumpfen. Deutschlands Konjunktur wird gerade mal mit einem Plus von 0,5 Prozent wachsen. Höhere Zinsen seien bei diesen Voraussetzungen nicht zu rechtfertigen, so Fichtner. „Denn die Zinsen müssen von irgendwem erwirtschaftet werden“, so der Konjunkturexperte lt. Berliner Zeitung.

Eine Anhebung der Zinsen würde für die Anleger höhere Erträge einbringen. Horn sieht jedoch als Folge höherer Renditen viele Anleger ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Wirtschaftsleistung würde durch verteuerte Kredite ausgebremst werden. Zu teure Darlehen führten zu verminderten Investitionen. Es sei „üblich und vernünftig“, Investitionen per Kredite zu realisieren, so DIW-Experte Fichtner. Die Wirtschaftsleistung werde durch diese Investitionen gesteigert und daraus resultierten höhere Zinsen für den Sparer.

Das verfügbare billige Geld werde neben der Industrie auch vom Bankensektor benötigt. Das günstig erhältliche Kapital und teuer vergebene Kredite ermöglichten den Banken die erleichterte Aufstockung der Eigenkapitalbasis, erklärte Horn und folgerte, dass der niedrige Zins aus diesen Gründen zu einem stabileren Finanzsystem führe.

Doch offensichtlich „klappt“ das von Horn und Fichtner beschriebene Modell nicht so richtig. Die Kreditanfragen für Investitionen der Unternehmen gingen im dritten Quartal 2013 abermals zurück. Zum Kreditneugeschäft sogar um minus 6,8 Prozent. Die Förderbank KfW geht davon aus, dass die Investitionen der Unternehmen überwiegend aus eigenen Mitteln getätigt wurden.

Debatten um Hintergründe helfen dem Sparer nicht weiter

Die Feststellung, ob der Anleger in seinem Frust nun recht behält oder die Ökonomen mit ihren teils ideologischen Prognosen, ist mühselig. Dem Sparer ist auch mit dem Wissen um die Hintergründe nicht geholfen. Unabhängig von jeglicher Bewertung steht fest, Geldeinlagen auf herkömmliche Sparkonten verlieren ihren Wert. Privatanlegern bleiben nur zwei Wege. Entweder sie belassen ihre Anlagestrategie wie sie gerade ist und hoffen auf einen möglichst geringen „Kollateralschaden“ bis die Zinsen wieder ansteigen, oder sie reagieren sofort und ändern das Anlageverhalten. Auf geldanlagen.net wird deutlich gezeigt, dass der Finanzmarkt eine ganze Palette unterschiedlicher Anlageformen bietet.

Eine Voraussetzung für den Umstieg in alternative Geldanlagen ist die Aufgabe des „absoluten Sicherheitsgefühls“. Mit steigenden Renditen steigen ebenso die möglichen Risiken. Doch die Sicherheit einer herkömmlichen Tagesgeldanlage besteht derzeit lediglich aus „ganz sicheren“ Geldwertverlusten.

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