Dienstag, den 19. Juni 2018

Sozialverband kritisiert hohe Inflation

Geldsystem


Die Inflation benachteiligt die sozial schlechter gestellten Menschen ganz besonders. Während die EZB mit Freuden auf die in der Eurozone angestiegene Inflationsrate blickt, kommt Kritik aus den Reihen der Sozialverbände. Dennoch bleibt es bei einer halbherzigen Debatte.

Inflation ist seit dem Euro kein neues Phänomen

Geldbeutel

Inflation nimmt Bevölkerung die Kaufkraft weg

Eine steigende Inflation betrifft alle Bundesbürger, egal ob vermögend oder arm. Dennoch werde die zunehmende Geldentwertung vor allem die sozial benachteiligten Menschen treffen und dazu zählten u.a. die Arbeitnehmer mit geringem Einkommen, Alleinerziehende sowie Menschen im Rentenalter. Deshalb sei der Anstieg der Inflation kritisch zu betrachten, so Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes VdK zur BILD. Sie reagierte auf die Aussage des EZB-Direktoriumsmitglieds Sabine Lautenschläger, das am Sonntag gegenüber Deutschlandfunk die Anstieg der Inflation in der Eurozone auf 1,8 Prozent begrüßte. Sie sei sehr erfreut darüber, dass der Zielwert von knapp 2 Prozent bereits sehr nahe liege.

Die Inflation ist stets eine schleichende Enteignung der Geldbesitzer. Das war auch vor Zeiten des Euros und der Europäischen Zentralbank der Fall. So kamen noch zu Zeiten der D-Mark durchaus Inflationsraten von 7,8 Prozent (1951), 7,1 Prozent (1973) und 6,9 Prozent (1974) vor. Im Jahr 1992 lag die Inflationsrate bei 5,1 Prozent.

Inflation ist fixer Bestandteil des Geldsystems

Die Geldentwertung ist vor allem den steigenden Zinslasten durch das Kreditgeld- und Zins-System geschuldet. Eine ansteigende Konjunktur ist in der Regel von einer ansteigenden und sich im Umlauf befindlichen Geldmenge verbunden. Die für die Kreditvergabe anfallenden Zinsen können nur durch die Aufnahme eines weiteren Kredits (aus dem Nichts) gewonnen werden. Ein sich selbst hochschaukelndes und vor allem beschleunigendes System. Die Rechnung dafür hat die Bevölkerung durch produktive und immer effizientere Arbeit sowie durch die Entwertung ihrer Kaufkraft zu begleichen. Das funktioniert allerdings nur solange, bis die Zinslast das menschlich Machbare unweigerlich übersteigt. Diese Phase ist allen Anzeichen nach wieder erreicht worden.

Der Euro kann lediglich durch permanente Verstöße der von EU-Politik und EZB selbst aufgestellten Regeln über Wasser gehalten werden. So fällt kurzerhand die „Bail-In-Regel“ für die Rettung des italienischen Bankensektors, Griechenland wird mit weiteren „Rettungsmilliarden“ überschüttet und der Schuldenschnitt zulasten der Steuerzahler gilt bereits als unvermeidlich. Doch die anstehenden Wahlen verbieten ein klares Offenlegen der EU-Politik im Interesse der Finanzmärkte.

Die Mehrbelastung der sozial Benachteiligten durch eine Inflation ist kein neues Phänomen, sondern ein fester Bestandteil des Geld-Systems. Die von der EZB bezeichnete „Geldwert-Stabilität“ bei einer Inflationsrate von knapp 2 Prozent sorgt lediglich für die gewünschte Augenwischerei.

Die Diskussion darüber in dieser Form ist nur halbherzig, denn die gleiche Benachteiligung gilt auch für die weniger in Frage gestellte Mehrwertsteuer und der bisherige Verzicht auf die Umsatzsteuer (zur Ablenkung auch gerne als Finanztransaktionssteuer bezeichnet) für die Kapitalmärkte.




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