„Mit uns kann man es ja machen“ – Selige Sparer trotz Enteignung

Geldentwertung-


Niedrigere Zinsen für die Sparanlagen können, wenn es schon nicht anders möglich sein sollte, akzeptiert werden. Sinken jedoch die Zinsen unter die Inflationsrate, wird dem Sparer etwas von seinem Vermögen weggenommen. Inakzeptabel? Offenbar nicht für den „rund um zufriedenen“ deutschen Anleger.

„Sicher ist sicher“ – Die überwiegende Risikoscheue

Sparverluste
Enteignung in kleinen Schritten
Bild: Thorben Wengert / pixelio.de

„Mit uns kann man es ja machen“. Ein Spruch der meist einen Protest gegen eine Ungerechtigkeit oder einem Missstand Ausdruck verleihen soll. Wen dieses Sprichwort von einem deutschen Bürger genutzt wird, dann hat sein Anliegen auch noch „Hand und Fuß“. Es stimmt offensichtlich tatsächlich, mit dem Bundesbürger „kann man es einfach machen“.

Der Bankenverband hat eine Studie erstellt, die sich um die bevorzugten Sparanlagen der deutschen Bürger sowie deren Meinung zur augenblicklichen Zinssituation beschäftigt. Die Ergebnisse liegen exklusiv der Welt am Sonntag vor und daraus geht hervor, dass die Deutschen offenbar ganz zufrieden sind.

Obwohl sich die Renditen für Tages- und Festgeldanlagen seit 2011 auf einem steilen Abwärtskurs befinden und im Laufe 2012 regelrechte Sturzflüge hinterlegten, scheint das dem deutschen Sparer nicht sonderlich zu kümmern. Auch die Gegenüberstellung der laufenden Teuerungsrate, die sich 2012 um die 2,0% bewegte, lässt den Privatanleger nicht sonderlich unruhig werden. Die unmissverständliche Aufklärung, dass eine höhere Inflation als die erhaltenen Zinsen für das angelegte Geld eine reale Entwertung des Vermögens darstellt, „hilft“ auch nicht weiter.

Nach wie vor haben lt. der Studie 72 Prozent einen Großteil ihres angesparten Kapitals auf einem inzwischen sehr niedrig verzinsten Konto liegen. Die herkömmlichen klassischen Sparbücher der Sparkassen und Raiffeisenbanken konnten bereits seit Jahren keine nennenswerten Zinssätze aufweisen, aber die einfachen Tagesgeldkonten liegen nur noch mehr mit geringem Abstand darüber. Festgeldanlagen wären durchaus noch in der Lage, die Inflation auszugleichen, aber dazu müsste das Geld wenigstens für eine mittelfristige Zeit angelegt werden. Die niederländische Moneyou Bank ist eine der wenigen Ausnahmen, die immerhin noch einen Inflationsausgleich für eine kurzfristige Laufzeit von 12 Monaten anbieten kann (derzeit 2,05% p.a. für 1 Jahr), sofern die Teuerungsrate 2013 nicht ansteigen sollte.

Die der Welt am Sonntag vorliegende Studie soll den deutschen Sparer als einen „äußerst risikoscheuen“ Anleger beschreiben, der sich trotz der Realverluste als ganz zufrieden gibt. Nach der Umfrage wird sich die Einstellung der Sparer auch nicht so schnell ändern.

Besser „vesteckt“ als sichtbar angehobene Steuern
Psychologie spielt offensichtlich eine gewichtige Rolle. Sollte der Bundesregierung vorschweben, Abgaben und Steuern anzuheben, könnte das faktisch ihre Wiederwahl verhindern. Eine höhere Geldentwertung als Zinsgewinne bei Sparkonten bewirkt am Ende den gleichen Effekt, die Schuldenminderung des Haushalts. Für die Politik eine sehr attraktive Möglichkeit, dem Bürger die Ersparnisse zu nehmen, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Ein Umstand, der mit Sicherheit in einigen Südländern Europas für „spürbares Unbehagen“ gesorgt hätte, aber nicht so in Deutschland, denn „mit uns kann man es ja machen“.

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