Kritik an Spar- & Vorsorgeprodukte: GDV hält vzbv Studie als irreführend

Verbraucherschutz-


Ratsuchende zu einer Geldanlage oder einem Altersvorsorgeprodukt stehen zur Hälfte auf einem verlorenen Posten, so das Resümee einer Untersuchung durch Verbraucherzentralen. Doch der Versicherungsverband widerspricht den Ausführungen in nahezu allen Punkten.

Streit

vzbv-Studie: Populismus oder Treffer? GDV Gegenargumente sind nicht von der Hand zu weisen

Verbraucherzentralen und GDV – „Wie Hund und Katze“

Offenbar spart die Hälfte aller Bundesbürger am optimalen Ziel vorbei. Der Grund sei nicht die Sorglosigkeit der Verbraucher, sondern vielmehr das Resultat aus einer falschen Beratung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) im Rahmen der „Initiative Finanzmarktwächter“.

Demnach sei jedes zweite Finanzprodukt nicht bedarfsgerecht, da die Renditen zu gering ausfielen, die Kosten und Risiken zu hoch angesetzt seien und zu wenig Flexibilität zur Verfügung stehe. Der vzbv und weitere Verbraucherzentralen wollen die Gründe in der schlechten Beratungsqualität erkennen, welche letztendlich zum Vertrieb mangelhafter Produkte führte.

Zur Analyse nahmen die „Initiative Finanzmarktwächter“ des vzbv und der Verbraucherzentralen 298 dokumentierte Fälle unter die Lupe. Als Kriterium wurde überprüft, ob die Altersvorsorgeverträge und Geldanlagen dem jeweiligen Bedarf gerecht werden können. Dazu zählten die Finanzprodukte, die zum Zeitpunkt der Beratung schon im Besitz der Kunden waren ebenso, wie die von den Finanzvertrieben und Banken angebotenen Produkte.

Die Untersuchungen kamen zum Ergebnis, dass von den bereits erworbenen Finanzprodukten 42 Prozent nicht dem persönlichen Bedarf entsprechen konnten. Bei rund der Hälfte wurden die hohen Kosten als ein Mangel festgestellt. Mit 87 Prozent fiel der überwiegende Großteil bei den neu angebotenen Produkten durch. In 73 Prozent der Fälle führten die hohen Kosten zur Disqualifikation. Für Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, ein alarmierendes Signal, da in vielen Fällen die Beratung zu einem Altersvorsorgeprodukt zu Lasten der Sparer ginge.

Für Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzen im vzbv, sind die Finanzberater heute „in Wirklichkeit keine Berater, sondern schlicht Verkäufer“. Interessenskonflikte seien durch den provisionsbasierten Vertrieb bereits vorprogrammiert. Darüber hinaus schmälerten die hohen Kosten die Renditen. Zusätzlich fehlte es vielen Verbrauchern an der notwendigen Fachkenntnis zu den komplexen Anlageprodukten, deren Strategien auf einen langen Zeitraum hinweg ausgerichtet sind. Daher werde die Entscheidung der Kunden nicht durch das Verständnis zum angebotenen Finanzprodukt gefällt, sondern vielmehr durch das Vertrauen in die Beratung durch Sparkassen, Banken und Finanzvertrieben.

Die Antwort folgte prompt: GDV spricht von Irreführung

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) ließ für eine Stellungnahme zu den Untersuchungsergebnissen kaum Zeit verstreichen. Es handelte sich um eine nicht repräsentative Untersuchung. Das scheiterte bereits an der geringen Anzahl von lediglich 298 untersuchten Fällen aus fünf Verbraucherzentralen. Es handelte sich ausschließlich um Beschwerdefälle, eine sog. Negativauswahl.

Der GDV erkennt in der Darstellung der Verbraucherzentralen widersprüchliche Einschätzungen von gleichwertigen Produkten. Die Ansparphase bei fondsgebundenen Riester-Renten und Riester-Fondssparplänen weisen eine ähnliche Ansparphase vor, doch die Bewertungen beider Finanzprodukte liefen deutlich auseinander. Der Vorwurf auf der einen Seite, es handelte sich um „riskante“ Anlagen (fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen) und auf der anderen Seite die Kritik, der Anteil an Aktien bzw. Aktienfonds sei zu gering, lässt sich nicht nachvollziehen.

Eine repräsentative Allensbach-Studie fand heraus, dass für 74 Prozent der Deutschen die Sicherheit bei einer Altersvorsorge an erster Position steht, so der GDV. Auf eine lebenslange Rentenzahlung legen 60 Prozent der Befragten Wert. Lediglich 9 Prozent gehen aufgrund höherer Renditen auch höhere Risiken ein.

Der Verband argumentierte: „Altersvorsorge muss bestimmte Qualitätskriterien erfüllen. Dazu gehört Planbarkeit der Leistungen durch garantierte Mindestleistungen, lebenslange Rentenansprüche, der Schutz vor Zweckentfremdung und die Unterlegung der Leistungsansprüche mit ausreichend Eigenmitteln. Nur die Lebensversicherung bietet all diese Sicherheiten.“

Eine zu kurzsichtige Einschätzung sei auch die Festmachung der Beratungsqualität an den Kosten eines Produkts. Zu einer guten Anlageberatung zählten noch weitere Kriterien, die jedoch der vzbv nicht nannte. Im Grunde gebe es keinen Unterschied zwischen einer Honorarberatung oder einer provisionsbasierten. „Gute Beratung gibt es nicht umsonst“, so der Versicherungsverband.

Der GDV betonte:
„Handelt der Berater den Interessen des Kunden zuwider, setzt er sich Schadensersatzrisiken aus. Zudem muss er aufgrund der fünfjährigen Stornohaftung bei Lebensversicherungen fürchten, bei rascher Kündigung des Vertrages einen Teil seiner Provision zu verlieren. Es liegt daher im Interesse des Beraters, dass der Kunde mit dem Produkt zufrieden ist.“

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