Goldmarkt: Machtkampf zwischen Großinvestoren und Kleinanlegern?

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Im Goldmarkt zeichnet sich ein Kräftemessen zwischen institutionelle Großanleger und dem kleinen Privatanleger ab. Während Großbanken ihre Papierwerte einsetzen, antworten die Kleinanleger mit physischem Gold. Sollte hinter dem Goldkurs Kalkül stecken, so erfolgen die zeitnahen Spielzüge jedoch mit Ansage. Beim Gezerre um das Gold könnte am Ende das Hartgold als Sieger hervorgehen und die Papierbesitzer müssten den Schreder bemühen.

Neue Tiefprognosen zum Goldkurs als neue „Kampfansage“?

Goldmarkt
Wer setzt sich im Goldmarkt durch?

Holen die Banken und Großinvestoren zum „nächsten Schlag“ gegen den Goldkurs aus? Eine – man möge es auch „selbsterfüllende Prophezeiung“ nennen – Voraussage zum fallenden Goldpreis ging bereits auf.

Bereits im letzten Jahr entledigte sich Börsen-Guru George Soros von einem Großteil seiner Werte aus Gold Trust Anteilen (ETFs) und erklärte Anfang April vorweg einen eintretenden massiven Goldkursabrutsch aufgrund der „enttäuschten Anleger„.

Auch die US-Großbank Goldman Sachs begann Anfang Dezember 2012 an der Fortsetzung einer Gold-Hausse zu zweifeln und korrigierte ihr Kursziel 2013 für Gold u.a. Anfang April 2012 auf 1.270 Dollar pro Feinunze (rund 31 Gramm). Vorweg senkte auch die sonst sehr „optimistisch eingestellte“ UBS den Ausblick von 1.900 auf nur noch 1.740 Dollar ab.

Sichere Hinweise auf begründeten Goldkurs-Absturz fehlten
Gegen Ende 2012 waren aus der Eurozone lediglich „verbale Verlautbarungen“ einer beendeten Eurokrise zu vernehmen und in den USA wütete im Senat noch der Streit wie zum Jahreswechsel der theoretische Staatsbankrott abzuwenden sei. Es musste erst ein Kompromiss zur Umschiffung der sog. Fiskalklippe gefunden werden. Die angestellten Vermutungen, die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) werde voraussichtlich der lockeren Geldpolitik ein Ende bereiten, entpuppte sich erst letzten Mittwoch als reine Spekulation. Die Fed kündigte notfalls noch eine Erweiterung der Geldflutung durch Anleihenkäufe an.

War Zypern-Gold willkommener Anlass für das Timing?
Letztendlich sorgte der „Rettungskampf“ um Zypern noch für ein letztes „Aufbäumen“ des ohnehin schon im Laufe der vergangenen Wochen gefallenen Goldkurses. Nach dem „semifinal“ erarbeitetem Hilfspaket entdeckte man in Zyperns Haushalt ein weiteres Finanzloch von mehr als 5 Milliarden Euro. Die Suche nach weiteren Finanzierungsmittel endete u.a. bei der zyprischen Notenbank, die immerhin einen gewissen Vorrat an Währungsreserven vorweisen konnte. Prompt wurden Stimmen laut, die einen Verkauf eines Großteils der Goldreserven im (damaligen) Wert von 400 Millionen Euro vorsahen. Offenbar war diese Nachricht der „berühmte letzte Tropfen“, der „zum Anlass“ für den massiven Abverkauf von Papiergold (z.B. Zertifikate) genommen wurde. Letztendlich hätte nicht die zum Verkauf stehende geringe Menge der zyprischen Goldbarren zur Verunsicherung geführt, sondern das eingesetzte Rettungsmittel, bei der z.B. Italiens Notenbanken mit einem Goldvorrat von rund 2.300 Tonnen für erheblich mehr Marktverwerfungen sorgen könnten.

Der historische Kurssturz am Freitag, den 12. April gab den meisten Goldmarktexperten bzw. Analysten trotz aller Erklärungsversuche Rätsel auf. Warum sahen sich diverse Großanleger dazu veranlasst, an einem einzigen Tag an der New Yorker Börse 360.000 Future-Kontrakte in einem äquivalentem Gold-Gewicht von rund 1.140 Tonnen durchzuführen? Nach Markteröffnung am folgenden Montag ging das Treiben munter weiter und drückte den Goldkurs bis auf 1.340 Dollar pro Feinunze.

Fliegender Wechsel der Akteure im Goldmarkt
Nachdem die wenigen professionellen Goldinvestoren „ihren großen Auftritt“ mit ihrem Papiergold hatten, traten die zahlreichen kleinen Privatanleger auf die Bühne, um mit dem massiven Einkauf von Hart-Gold (Barren und Münzen) eine „schlagkräftige“ Antwort abzuliefern. Sollte die Goldpapier-Schwemme durch die Großbanken ein reines Kalkül gewesen sein, war der Zeitpunkt mit dem „Zyperngold“ dennoch sehr schlecht gewählt. Denn in Indien ging die Goldsaison aufgrund der traditionellen Hochzeiten erst richtig los. In Indien ist für physisches Gold der größte Markt der Welt zu finden und das reichliche Beschenken der Brautpaare mit dem gelben Edelmetall gehört zur Tradition. Der niedrige Goldkurs ließ die „Lust und Wonne“ zum Goldeinkauf auf selten erreichte Höhen schießen.

Zieht man den Blick weiter nach Fernost gen Norden, so waren offensichtlich auch die Anleger in China vom Gold hellauf begeistert. In den Filialen eines der größten Goldhändler in Peking, Caibai, soll es lt. manager-magazin (Dienstag) während der „Goldenen Woche“ zu tumultartigen Szenen gekommen sein. Ein Umsatzplus von rund 50 Prozent soll auch das Guohua Kaufhaus in Chinas Hauptstadt gemeldet haben. Insgesamt seien alleine in China rund 300 Tonnen Gold über die Theken geschoben worden.

Auch die Goldverkäufer in der westlichen Hemisphäre konnten sich nicht über das Ausbleiben von Goldkäufern beklagen. Der Ansturm war enorm. Prägestätten meldeten Lieferengpässe und gingen sogar soweit, weitere Bestellungen vorübergehend abzulehnen.

Holt das Großinvestment erneut aus?
Die Analysten der Deutschen Bank legten nun nach. Mit einer neuen „Tiefprognose“ von 1.050 US-Dollar pro Feinunze gehen die Experten der größten Bank Deutschlands lt. mmnews (Dienstag) von einem erneuten Kurssturz aus. Demnach müssten die „historischen Relationen“ zu anderen Rohstoffen wie Kupfer und Öl wieder erreicht werden. Der Börsen-Milliardär Warren Buffet soll am vergangenen Wochenende betont haben, auch weiterhin dem Gold den Rücken zu kehren und selbst dann nicht einzusteigen, wenn der Kurs auf 800 US-Dollar pro Feinunze fiele. Die niederländische ABN Amro setzte ihr Gold-Kursziel auf nur noch 1.000 Dollar und soll ihre Einschätzung mit dem baldigen Ende der Eurokrise begründet haben.

Wie auch das „Kräftemessen“ zwischen den institutionellen Großanlegern und dem „kleinen Sparer“ ausgehen mag, bisher zeichnet sich eine Trennung zwischen dem Goldpapier und dem „realen“ physischem Gold ab. Die internationalen Notenbanken, besonders die Zentralbanken der Schwellenländer, haben bisher nicht signalisiert, das massive Aufstocken ihrer Goldvorräte beenden zu wollen.

Unbestritten bleiben die begrenzte Schöpfung von physischem Gold und die unbegrenzte Schaffung von (nicht goldgedeckten) Papierwerten. Derzeitige Nachrichten über wankende und geschlossene Goldminen würden die Förderungen nur noch mehr einschränken. Nicht zuletzt sind auch
optimistische Stimmen zu den Entwicklungen der Rohstoffmärkte zu hören.

Der Goldmarkt wird sehr, sehr spannend bleiben.

  Goldanbieter

Bild: tarifometer24.com

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