Geldanlagen: Lukratives Sparen bei hoher Inflation bald Geschichte

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Mit dem Wechsel ins Jahr 2013 findet die bisherige Entwicklung der Sparanlagen einen fließenden Übergang. Privatanleger sind gezwungen, sich entweder neu zu orientieren oder die Entwertung ihres angelegten Guthabens einfach hinzunehmen. Das vergangene Jahr schließt mit einer moderaten Inflationsrate ab, aber diese „Stabilität“ der Teuerungsrate ist sehr in Frage gestellt.

„Mehr Zinsen bräuchte das Land“ – Inflation frisst Renditen auf

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Einfaches & lukratives Sparen bald Vergangenheit
Bild: Thorben Wengert / pixelio.de

Ordentliche Renditen sind notwendig, um sein Kapital vor den Folgen der Geldentwertung zu bewahren. Die Inflation würde bei geringeren Renditen die Überhand gewinnen und letztendlich die reale Kaufkraft nur reduzieren selbst wenn auf dem Kontoauszug eine angewachsene Zahl stehen sollte.

Mindestens 4 Prozent sollten es sein, so die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ.net) am Sonntag. Denn geringere Zinssätze würden letztendlich nicht ausreichen, um den zu erwartenden Anstieg der künftigen Inflationsrate ausreichend kompensieren zu können.

Das Jahr 2012 wird für Deutschland mit einer moderaten Inflationsrate abschließen, die während der vergangenen 12 Monate um die 2% (jeweils zum Vorjahresmonat) pendelte. Im Vergleich zu Teuerungsraten aus den vergangenen Jahren ein durchaus „annehmbarer“ Wert und eigentlich noch längst kein Grund, um in Panik zu geraten. Wäre da nicht der gleichzeitige Umstand, dass sich die Zinserträge für Sparanlagen und ganz besonders langjährige Bundesanleihen nur etwas über Bodenhöhe befänden, sähe die Situation noch sehr solide aus.

Die FAZ geht von einem möglichen Anstieg der Inflation auf drei Prozent oder mehr aus und setzt ein derzeitiges Angebot einer Direktbank mit 3,1 Prozent Zinsen für eine 4-jährige Anlagenlaufzeit (z.B. VTB Direktbank) sowie die zehnjährige Bundesanleihe mit derzeit 1,3 Prozent Renditen in Relation. Die zu erwartende Geldentwertung scheint nicht aus der Luft gegriffen zu sein. Auf der einen Seite läuft die Gelderschaffung bereits seit Monaten auf Hochtouren und sollte die Europäische Zentralbank (EZB) zusätzlich das sich im Stand-by befindliche Anleihenkaufprogramm aktivieren, könnte die Notenpresse so richtig heiß laufen.

Die Beteuerung des EZB-Chefs Mario Draghi, man werde für jeden erschaffenen Euro gleichzeitig einen Euro vom Markt abschöpfen, klingt ohne weitere Erklärungen zum Sachverhalt „relativ sinnlos“ und gibt darüber hinaus längst keine Garantie ab, dass die erschaffenen Geldmengen in die „richtigen Kanäle“ geleitet werden. Die Endstationen der Geldflüsse waren und bleiben stets die Banken und um deren „Sorge um das Allgemeinwohl“ ist es nicht weit bestellt. Sobald Renditen gewittert werden, landet das Kapital auch dort, wo es der Inflation den meisten Auftrieb geben könnte, direkt am frei zugänglichen Markt. Die Politik spielt dem (willens?) zu, da eine Geldentwertung eine schleichende und „leise“ Lösung darstellt, sich die Schulden elegant abzuschmelzen. Natürlich auf Kosten der Privatsparer.

Was bleibt noch für „echte Gewinne“?
Angesichts der Zinspolitik und der als relativ sicher geltenden Inflationserhöhung ist der Spielraum für Privatanleger sehr eng geworden. Für positive Realgewinne müsste das sichere Festland verlassen und in die unruhige See gestochen werden. Ein womöglich schlechter Kompromiss wenn die Dinge schlecht laufen, da aus garantierten Renditen nun Rendite-Chancen werden. Die Renditen können durchaus sehr hoch sein, gleichzeitig bestehen Verlustrisiken, die eine laufende Inflation als das geringere Übel erscheinen lassen. Für die meisten deutschen Sparer ist das Verlassen der „geliebten“ Sparkonten offensichtlich eine „Schreckens-Vision“ und nehmen lieber eine Geldentwertung hin, als den sicheren Hafen zu verlassen.

Ein goldener Mittelweg ist auch mit Wertpapieren möglich. Der Kompromiss zwischen akzeptablen Renditechancen und moderaten Risiken bedarf jedoch das selektive Herauspicken bestimmter Aktien und einer geschickten Zusammenstellung. Nicht gerade ideale Bedingungen, um mit Erfolgsgarantie von einem Tagesgeldkonto „auf die Schnelle“ zu einem Wertpapierdepot zu wechseln. Besonders blutige Einsteiger können sich sehr schnell eine blutige Nase einhandeln.

Eine Reihe von Anlagemöglichkeiten bestehen dennoch, um eine ausgewogenen Balance zwischen Risiken und Renditechancen zu bewahren. Faz zählt eine Reihe von Papieren auf, die einerseits auf relativ soliden Fundamenten stehen und dennoch kein offensichtliches Spiel mit dem Feuer darstellen. Dazu gehören u.a. Anleihen anderer Länder sowie internationaler Unternehmen. Genannt wird z.B. Finmeccanica, ein italienischer Konzern für Luftfahrt und Verteidigung.

Ein Pluspunkt ist darin zu finden, dass durch den überwiegenden Export ins Ausland die konjunkturelle Lage des eigenen Landes nicht so sehr ins Gewicht fällt. Wer es als Privatanleger aus (verständlich) moralischen Aspekten jedoch vorzieht, nicht in die Waffenproduktion zu investieren, könnte auf andere Geschäftsmodelle ausweichen, die der Konjunkturentwicklung ebenfalls nicht „auf Gedeih und Verderb“ ausgeliefert sind. Als vielversprechende Möglichkeiten nennt Faz die Telecom Italia und Energieversorger wie die italienische Enel oder Gas Natural aus Spanien.

Die Liste der noch rentablen Anleihen und Aktien ist lang. Für jedes genannte Papier ließe sich aber ein Negativbeispiel nennen, bei dem die Strategie „vollkommen in die Hose“ ging. Als sicher gilt für die nächste Jahre jedoch, dass sich der Privatanleger entweder mit einer Geldentwertung abfinden muss, sofern auf dem niedrigverzinsten Sparkonto festgehalten wird oder einfach mehr Risiko eingegangen werden muss, um wenigsten die Inflation auf eine Null zu kompensieren.

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