Finanztransaktionssteuer: Nutzlosen & riskanten Hochfrequenzhandel beenden

Finanzmärkte-


Die Finanztransaktionssteuer rückt wieder in den Mittelpunkt der Diskussionen. Vorteile und Nachteile werden gegenüber gestellt. Sollte auf die Umsatzsteuer für Finanzmarktprodukte verzichtet werden, könnten dem deutschen Staat jährlich mehr als 17 Milliarden Euro entgehen. Einfach so. Und die Gesellschaft darf weiterhin die enormen Risiken des wirtschaftlich nutzlosen Hochfrequenzhandels tragen.

Glaskugel

Finanztransaktionssteuer: Für den Finanzmarkt gelten nach wie vor großzügige Privilegien

Die Gegner der Finanztransaktionssteuer sind bereits gerüstet

Ein jeder Gewerbetreibender, ein jedes Geschäft, jeder Selbstständige und alle Einzelunternehmer führen für ihre verkauften Waren oder Dienstleistungen eine Umsatzsteuer ab. Zu zahlen vom Endverbraucher, bekannt als die Mehrwertsteuer. Doch für das gigantische, nichts produzierende Finanzmarkt-Geschäft gilt eine Ausnahme, zumindest in Deutschland und in der gesamten EU. Der Umsatz von Wertpapieren wird nicht besteuert, obwohl hier jeden Tag Billionen-Beträge über die Theken geschoben werden.

Umsatzsteuer und Finanztransaktionssteuer – Wo liegt der Unterschied?

Man kann ein und dieselbe Sache mit unterschiedlichen Namen versehen und als völlig unterschiedliche Dinge aussehen lassen. Auf der einen Seite der produktiven Märkte heißt die Abgabe für umgesetzte Waren und Dienstleistungen „klipp und klar“ Umsatzsteuer (USt), für die andere Seite der teils virtuellen Fantasieprodukte an den Finanzmärkten wurde die Bezeichnung Finanztransaktionssteuer (FIT) erfunden. Doch diese Variante der „Umsatzsteuer“ gibt es im EU-Raum nicht und einflussreiche Gruppierungen reagieren äußerst allergisch darauf.

Dabei könnte die Einführung einer solchen Steuer auf umgesetzte Finanzmarktprodukte rund 17,6 Milliarden Euro allein in die deutsche Staatskasse spülen. Auf diese beachtliche Summe kommt das Ergebnis einer vom Bundesfinanzministerium beauftragte Analyse, wie die Süddeutsche.de (Montag) berichtete.

Demnach könnten die Einnahmen sogar bis zu 88 Milliarden Euro jährlich erreichen, sollte es nicht zu dem einkalkulierten „Ausweichsverhalten“ der Marktteilnehmer kommen. Eine eingeführte Steuer löst in der Regel einen „Fluchtinstinkt“ aus, der die künftigen Handelsaktivitäten in steuerfreie Zonen verlagert. Dennoch würden trotz massiver Abwanderung – offenbar vorsichtig kalkuliert – mehr als 17 Milliarden übrig bleiben. Pro Einwohner rund 220 Euro im Jahr.

In Deutschland gilt derzeit eine Umsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent. Ein leichtes Spiel, da die Abwanderung eines gesamten Betriebes samt „Mann und Maus“ nur den Unternehmen vorenthalten ist, die aufgrund ihrer Größe bereits ein Standbein im Ausland besitzen. Die EU-Kommission spricht jedoch von einer Finanztransaktionssteuer von 0,1 Prozent auf den Verkauf von Wertpapieren und 0,01 Prozent auf die Umsätze mit Derivaten.

Hochfrequenzhandel: Nutzlos und riskant. Eigentlich nur schädlich

In den Mittelpunkt rückt vor allem der Hochfrequenzhandel. Ein Finanzmarktsektor, der für die Gesellschaft überhaupt keinen Nutzen aber dafür Risiken erbringt. Teils hochriskante Papiere mit Millionenwerte pro Einheit werden in Bruchteilen einer Sekunde über den gesamten Globus verschoben. Die Gewinnspannen sind auf das einzelne Papier gesehen äußerst gering, aber die „Masse macht’s“. Deshalb könnte auch eine FIT im Bereich von 0,01% dem Derivate-Handel via Highspeed die Rentabilität nehmen.

Die Eindämmung des Hochfrequenzhandels, besonders über die Highspeed-Leitung zwischen London und Wall Street, ruft seit geraumer Zeit Befürworter und erbitterte Gegenspieler auf den Plan.

Angesichts des „taufrisch“, ausschließlich für den Hochfrequenzhandel gedachte Glasfaserkabels und des von der Deutschen Bundesbank im Anfang Juli 2012 vorgenommenen „Lobgesangs“ über die technischen Hochleistungen dieser Verbindung, dürfte das Abschätzen des Ergebnisses, ob sich die FIT durchsetzen kann, nicht schwer fallen.

Eine FIT würde dem „kleinen Mann“ überhaupt nicht weh tun, ihm aber dafür die enormen Risiken des Hochfrequenzhandels nehmen. Eine Transaktionssteuer von 0,1% für das „Verschieben“ von Wertpapieren in einem Volumen von 10.000,- Euro verursachten 10,- Euro Steuer.





Tarifometer24.com – Tarife – News – Meinungen

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.