Den Deutschen vergeht die Lust aufs Sparen

Deutschlands Sparer-


Das Bild des sparenden Deutschen erhielt die ersten Schlieren. Die Lust, Geld auf die hohe Kante zu legen, ist im April auf ein Tiefpunkt gesunken. Das wachsende Misstrauen in die Euro-Rettungspolitik hinterlässt seine deutliche Spuren.

Bürger gehen den Sparkonten vermehrt aus dem Weg

Sparneigung
Den Deutschen vergeht die Lust aufs Sparen

Den Deutschen Bürgern ist offenbar die Lust am Sparen abhanden gekommen. Obwohl das Marktforschungsinstitut Gfk lt. merkur-online.de (Dienstag) feststellte, dass die Zypernkrise der Konsumstimmung der deutschen Verbraucher keinen Abbruch zufügen konnte, wäre die Sparneigung im April auf einen historischen Tiefstand gefallen.

Als einer der Ursachen für den stark gefallenen Sparwillen der Deutschen wurde die Zypern-Krise erkannt, bei der es zum erstmaligen Zugriff auf die Spareinlagen von über 100.000,- Euro gekommen ist. Die erzwungene Abgabe in Zypern hätte offenbar auch die Sparer in Deutschland in ihrem Vertrauen in die Einlagensicherung erschüttert, so der GfK. Dazu erklärte Rolf Bürkl gegenüber der dpa, dass auch die 100.000-Euro-Grenze infrage gestellt wäre, „wobei es eigentlich unbestritten ist, dass das tatsächlich eine Grenze ist.“ Als Folge würde die in Deutschland ohnehin seit längerer Zeit zurückgehende Sparneigung noch weiter absinken.

Die Hervorhebung eines wackeligen Versprechens

Kein Zweifel. Der „freizügige“ Griff in die Spardosen der zyprischen Anleger durch die Regierung des Euro-Mitgliedslandes beschreibt nichts anderes als den radikalen Umsturz in der Welt der privaten Anleger und auch Kleinanleger. Dem Staatspräsidenten Nikos Anastasiades blieb offenbar auch nichts anderes übrig. Ihm setzte die EU-Troika unverblümt die Pistole auf die Brust und forderte den Eigenanteil von 5,8 Milliarden Euro ein, oder das Land werde mit Banken, Mann und Maus der aufgepeitschten See überlassen. Die Europäische Zentralbank drohte mit der sofortigen Einstellung der Kreditzahlungen im Rahmen des ELA-Programms.

Besonders heikel ist jedoch die vermeintliche Feststellung von Bürkl, dass die 100.000,- Euro-Grenze eine unumstrittene Grenze darstellte.

Die ganze Welt durfte miterleben, dass diese Grenze sogar sehr heftig umstritten wurde, aber dem GfK-Mitarbeiter blieb der internationale Lärm um die Einlagensicherung wohl verborgen. Aus diesem Grund scheint dem Mitarbeiter von GfK auch entgangen zu sein, dass die erste Zypern-„Rettungs-„Variante sehr wohl 6,75% des Sparerguthabens unterhalb von 100.000,- Euro vorsah (9,9% über 100.000,- Euro). Nicht zu vergessen, dass diese Variante von der Eurogruppe, vom Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie von der EZB abgesegntet wurde. Die Abwendung kam erst, als das zyprische Parlament diesen Weg als inaktzeptabel abschmetterte.

Die EU-Kommission drängte die Euro-Mitgliedsländer nach der ersten Welle der Eurokrise dazu, die europaweite Einlagensicherung bis 100.000,- Euro in nationales Recht umzusetzen, punktum. Zypern setzte es um. Das Kippen des relativ winzigen Wirtschaftslandes (rund 0,1% Anteil zum EU-BIP) führte bereits dazu, selbst angefordertes und durchgesetztes Recht & Gesetz einfach über den Haufen zu werfen, ganz per „Fingerschnippen“.

Haargenau aus diesem Grund kann die 100.000,- Euro-Grenze sehr wohl infrage, wenn nicht sogar offen angezweifelt werden.

Einen nicht ganz unerheblichen Grund für den zurück gehenden Sparwillen der Bürger werden wohl auch die mageren Zinsen der Sparanlagen darstellen. Die Zinssätze der klassischen Tages- und Festgeldanlagen nähern sich seit Monaten dem Niveau der „guten alten Sparbücher“ der Sparkassen und Raiffeisenbanken.

Einem Sparer, dem bewusst wird, dass die derzeitigen Zinsen für das angelegte Kapital gegenüber der Teuerungsrate (bzw. gegenüber der Inflation) eine schleichende Enteignung bedeuten, wird die Lust auf negative Gewinne sehr schnell vergehen und die Motivation für die Suche nach Alternativen vorantreiben. Offenbar bevorzugen inzwischen immer mehr Bürger, Geld völlig zinslos unter dem
Kopfkissen zu verstecken, als es in die Hände irgend einer Bank zu geben.

Der höhere Konsum bzw. die Investitionen in Sachwerte wären eine nur logische Konsequenz und ließen sich mit der Darstellung des GfK, die Zypernkrise hätte die Konsumstimmung nicht nachhaltig dämpfen können, kausal nicht in Übereinstimmung bringen.

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