WSI Untersuchung: „Zukünftige“ Altersarmut ist längst Gegenwart

Altersarmut der Gegenwart-


Die Altersarmut hat schon längst begonnen um sich zu greifen. Zu diesem Schluss kommt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung nach einer Auswertung der vom Statistischen Bundesamt (Destatis) vorgelegten Zahlen.

Die zukünftige Altersarmut ist schon längst angekommen

Altersarmut
Altersarmut:
Bisher ignoriertes Phänomen?

Während darüber diskutiert wird, ob eine Privatrentenversicherung überhaupt Sinn macht, die bisherigen Riester-Verträge von einer drohenden Inflation förmlich „aufgelöst“ werden und die gesetzliche Altersversorgung ab 2030 für sehr viele Arbeitnehmer „automatisch“ zur Armut führt, hat die Ausbreitung von Armut im Rentenalter offensichtlich schon längst eingesetzt.

Die von der Bundesarbeitsministerin von der Leyen (CDU) umstrittene „Zuschussrente“ greift nach den Auswertungen des WSI zu kurz. Die Pläne würden lediglich die von einer Armut bedrohten zukünftigen Rentner bezuschussen.

Dr. Eric Seils vom WSI nahm die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen zur Hand und brachte sie auf einen Nenner, der klar darauf hinweist, dass die Altersarmut keine fiktive Gefahr darstellt, sondern bereits zur greifbaren Realität geworden ist.

Demnach lag die Armutsquote bei Personen mit einem Alter ab 65 Jahre bereits 2011 bei 13,3 Prozent. Dieser Wert liegt zwar etwas unter der durchschnittlichen Quote aller Altersgruppen (15.1 Prozent), aber seit 2005 gehört der Altersbereich von Senioren zur stärksten anwachsenden Armutsgruppe. Im Vergleich lag die Zahl von verarmten Rentnern vor sechs Jahren noch um eine halbe Millionen niedriger als 2011. Das entspricht einem Anstieg der Armutsquote um 2,3 Prozent. Alleine zwischen 2010 und 2011 ist ein Armutsanstieg um 1 Prozent festzustellen.

Die durchschnittliche Armut in Deutschland stieg zwischen 2010 und 2011 um 0,6 Prozentpunkte an. Im vergangenen Jahr galt die Armutsgrenze bei einem monatlichen Einkommen von weniger als 848,- Euro (weniger als 60% des gemittelten Einkommens in Deutschland).

Zu den erfassten Rentnern und Pensionären im Alter über 65 Jahren fehlten allerdings noch die Menschen unter 65 Jahre, die entweder vorzeitig in den Ruhestand gegangen sind oder eine Erwerbsminderungsrente beziehen.

Gegenüber Erwerbstätigen nahm die Armutsquote von Rentnern seit 2005 deutlich stärker zu. Inzwischen erreichte der Abstand der Quote einen Wert von 6 Prozent. Dr. Eric Seils kommt aufgrund dieser Analysen zum Ergebnis, dass die Altersarmut nicht erst in der Zukunft drohe, sondern bereits seit Jahren am beständigen Wachsen ist, „die Zuschussrente der Bundesarbeitsministerin berücksichtige das nicht“.

Die Auswertung des WSI zur gestiegenen Altersarmut seit 2005.

Quote Altersarmut

Quelle: WSI – Hans-Böckler-Stiftung

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