Wille zur privaten Altersvorsorge dramatisch eingebrochen

Vorsorgebereitschaft Privatrente-


Die Bereitschaft für eine geeignete Altersabsicherung vorzusorgen, ist in den letzten Jahren dramatisch abgesunken. Immer weniger deutsche Berufstätige sehen die private Altersvorsorge als erforderlich oder nützlich an, um die drohende Versorgungslücke im Rentenalter zu schließen.

Verunsicherungen durch Euro-Krise und Konjunktur

Vorsorgebereitschaft
Bereitschaft zur Altersvorsorge
ist stark gesunken

Bild: Alexandra H. / pixelio.de

Ein Stillstand in der Bereitschaft zur rechtzeitigen Vorsorge für ausreichende Altersbezüge wurde nicht festgestellt. Dennoch ist der Anteil der Arbeitnehmer, die keine Veranlassung darin sehen, mit einer geeigneten Altersvorsorge eine drohende Altersarmut zu verhindern, in den letzten Jahren deutlich angestiegen.

Die Studie der Postbank kam seit Beginn der Erfassung im Jahr 2003 mit der neuen Auswertung zu einem Negativrekord. Demnach waren es in der ersten Studie 2003 lediglich 30 Prozent der Berufstätigen, die ihre private Altersvorsorge nicht mehr erweitern wollten. Heute ist es bereits 42 Prozent.

Äquivalent zur rückläufigen Bereitschaft für eine Altersvorsorge, sinken auch die monatlichen Vorsorge-Ausgaben der Berufstätigen. Seit der erstmaligen Erfassung im Jahr 2005 gingen die monatlichen Ausgaben von durchschnittlich 204,- Euro auf inzwischen nur noch 185,- Euro zurück. Dem entspricht einer Reduzierung um annähernd 10 Prozent.

Eine besonders auffällige Entwicklung ist bei den jungen Arbeitnehmern in der Altersgruppe zwischen 16 und 29 Jahren festzustellen. Jeder Vierte ist davon überzeugt, dass die derzeitige Altersvorsorge für die Zukunft bereits ausreichend wäre. Eine Annahme, die vor fünf Jahren nur von jedem Sechsten genommen wurde. Eine Steigerung um fast 60 Prozent.

Trend der Bereitschafts-Abnahme setzt sich fort

Offensichtlich handelt es sich um einen längerfristigen Trend, mutmaßt Dr. Micheal Meyer, Retailvorstand der Postbank, „alarmierend ist, dass die Bereitschaft zur privaten Altersvorsorge immer weiter sinkt“, fügte er in der Presseerklärung zum Untersuchungsergebnis hinzu.

Als Hauptursachen für diese Entwicklung könnten zwei Faktoren ausgemacht werden. Mit 52 Prozent sorgt sich mehr als die Hälfte aller deutschen Berufstätigen wegen der Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone verstärkt um ihre Altersversorgung. Dr. Meyer sieht dahingehend auch eine abgesunkene Bereitschaft, angesichts dieser Situation einen langfristigen Vorsorgevertrag abschließen zu wollen.

Zusätzlich spielte auch die derzeit starke Konjunktur mit der sehr hohen Beschäftigungslage in Deutschland eine große Rolle. Dieser Umstand sorgt offenbar für ein Gefühl der Sicherheiten. Meyer hebt hervor, dass in allen zehn Jahresstudien noch nie so viele Befragte von einer bereits ausreichenden Altersvorsorge ausgingen, wie in der letzten Studie. Derzeit glauben 44 Prozent der Berufstätigen, bereits über eine ausreichende Vorsorge zu verfügen.

Darüber hinaus scheint sich die Einstellung zur Altersvorsorge geändert zu haben. Vor zwei Jahren waren noch 22 Prozent, die sich nicht als genügend abgesichert fühlten, dazu bereit, für erforderliche Ausgaben zur Vorsorge Einschränkungen an anderer Stelle hinzunehmen. Heute sind es nur noch 14 Prozent.

Teuerungsrate wird unterschätzt

Genau die Hälfte der Befragten gab bei der Studie an, dass die Inflation bei der Planung für die Altersvorsorge keine Berücksichtigung fände. Bei den jungen Berufstätigen unter 30 Jahren liegt deren Anteil sogar bei 44 Prozent. Der Vorstand der Postbank bezeichnet die Vernachlässigung des Preissteigerungseffekts bei einer derart langfristigen Planung wie die Altersversorgung für fahrlässig und gefährlich. Immerhin habe ein Euro seit Anfang 2002 so viel Kaufkraft verloren, dass dieser heute nur noch mehr 80 Cent wert sei.

Ansehen der Riester-Rente erlebt schwere Einbußen

Die private Riester-Rente hat seit ihrer Einführung im Jahr 2002 im Ansehen der Berufstätigen herbe Rückschläge hinnehmen müssen. Vor fünf Jahren waren es z.B. noch rund 31 Prozent, die eine Riester-Rente als die „ideale Form der Alterssicherung“ betrachteten. Inzwischen sind nur noch mehr 24 Prozent der Ansicht, der Riestervertrag wäre geeignet, um drohende Versorgungslücken schließen zu können.

Der Verbraucher befindet sich in der Zwickmühle

Die Themen zu Rente und Altersvorsorge erlebten im gesetzlichen sowie auch im privaten Lager in den letzten Monaten neuen Gesprächsstoff. Die Politik versucht drohende Versorgunglücken durch Ideen wie „Zuschussrente“ zu verkleinern und den Privatversicherern werden aufgrund der widrigen Marktsituationen teils Überforderungen, mindestens aber erhöhte Herausforderungen zu den Renditeversprechen unterstellt.

Allerdings kann zur Brisanz des Themas nicht von einer „irreführenden Propaganda“ gesprochen werden. Vielmehr ist zu befürchten, dass die Wahrheit am Ende noch viel bitterer aussehen könnte, wie sie heute als hypothetisch in den Raum gestellt wird.

Dabei brauchen die „Schreckens-Szenarien“ gar nicht mal klar heraus gestellt zu werden. Für den Verbraucher reichen bereits Unsicherheiten aus, um vor einer so langfristigen Bindung wie zu einer Altersvorsorge zurück zu schrecken. Es fehlt schlicht eine klare Sicherheit, die über jeden Zweifel erhaben ist. Das verloren gegangene Vertrauen zurück zu gewinnen, dürfte anhand der gegenwärtigen Tatsachen allerdings fast unmöglich sein.

Das erneute „Herumdoktorn“ an der gesetzlichen Rentenversicherung ist ein weiterer Hinweis darauf, dass es um die zukünftige Rentenversorgung sehr schlecht bestellt ist.

Der Arbeitnehmer befindet sich in einer Zwickmühle. Die gesetzliche Rente wird so gut wie sicher kaum über die Armutsgrenze hinauskommen (können). Der letzte Armutsbericht spricht für die Zukunft eine klare Sprache. Die Bereitschaft für eine eigentlich erforderliche Privatvorsorge, auch gerne als „Eigeninitiative“ bezeichnet, sinkt durch starke Verunsicherungen aufgrund der Marktverwerfungen und den äußerst eingetrübten Perspektiven. Wer heute in die Privatrente einzahlt, würde vor die Frage gestellt werden, was mit dem Kapital in 20 oder 30 Jahren geschehen sein wird.

Bild: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / pixelio.de

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