Vertrauen und Ängste um das Sparen für die Altersvorsorge

Vorsorge in der Finanzkrise-

Der deutsche Bürger ist im Umgang mit der beständigen Finanzkrise zwischen Pessimismus und (Zweck-) Optimismus hin- und hergerissen. Inzwischen haben weniger als ein Drittel der Deutschen noch Vertrauen in die Stabilität des Euros, aber immer noch mehr als die Hälfte glauben an ein fortschreitendes Wachstum der Wirtschaft.

Allianz beauftragte TNS Infratest für eine repräsentative Untersuchung, wie die Meinung und Stimmungslage der Deutschen bezüglich ihrer Zukunftsperspektiven aussehen. Sparen für die Altersvorsorge steht inzwischen auf völlig anderen Sockeln.

Sparen für die Altersvorsorge auf unsicheren Sockeln
Altersvorsorge
Sparen für Altersvorsorge

Bereits die erste aufflammende Finanzkrise 2007/2008 hinterließ bei Privatanlegern deutliche und nachhaltige Spuren. Hohe Renditen wurden in ihrer Priorität von verlangten Sicherheiten abgelöst.

Die scheinbare Erholungphase in den Jahren 2009/2010 entpuppte sich sehr schnell als ein einfacher „Deckel vom Dampfkochtopf“. Es brodelte unvermindert weiter und seit Frühjahr 2011 pfeift das Hochdruckventil unentwegt.

Anleger und Sparer haben allen Grund für ihr Mißtrauen gegenüber den Finanzmärkten.

Besonders Inhaber von bestenden Verträgen zur Altersvorsorge stehen vor Unsicherheiten zu den bereits eingezahlten Beiträgen. Im schlimmsten Fall könnte das Kapital völlig verloren gehen.

Neuverträge für eine Rentenversicherung werden von Versicherungsgesellschaften und Privatkunden in einem völlig neuen Licht betrachtet. Sparer verlangen Sicherheiten, Versicherer stehen vor erhöhten Herausforderungen.

Beim Sparer überweigen Mißtrauen und Skepsis

Das Ergebnis der repräsentative Umfrage Allianz Bank / TNS Infratest zeigt die Ängste und
Erwartungen aufgrund der Euro-Finanzkrise sehr deutlich.

Von allen Befragten gaben lediglich 15% an, ausreichend Kapital für Rücklagen (Sparen) und dem gewünschten/erforderlichen Konsum zur Verfügung zu haben. Gerade 20% der deutschen Bürger machen sich kaum Sorgen über ggfs. steigende Lebenshaltungskosten. Die überwiegende Mehrheit von 80% erwartet eine Verteuerung der allgemeinen Lebenskosten.

An einen weiteren Anstieg der Inflation glauben immerhin schon 42% aller Bürger.

Deutsche Wirtschaft „Ja“ – Euro „Nein“
Einen mehrheitlichen Zuspruch für die deutsche Wirtschaftskraft und eine klare Absage gegen die Gemeinschaftswährung Euro.

Aus dem Ergebnis der Befragung könnte man diese Rückschlüsse ziehen. Denn lediglich 32% schenken dem Euro derzeit noch ihr Vertrauen, aber 56% sehen die deutsche Wirtschaft auch in absehbarer Zukunft in einem Aufwärtstrend.

Sparen nach wie vor hoch im Kurs – Mit erhöhten Schwierigkeiten

Die Schere zwischen Priorität und Zufriedenheit geht weiter auseinander.
Nach wie vor sind für 62% der Befragten Sparmaßnahmen wichtig, aber nur noch rund 25% sind mit den Ergebnissen der Sparanlagen zufrieden.

Einen Rückgang um 3% gegenüber der Untersuchung im Jahr 2011 betrifft die Personen, die immerhin noch soviel Kapital zur Verfügung haben, um sich Konsumwünsche zu erfüllen und gleichzeitig Rücklagen bilden können. Lediglich 15% der Befragten können 2012 quasi noch aus dem Vollen schöpfen.

Bei bereits 11% stehen nach Ausgaben der Fixkosten keinerlei Mittel mehr zur Verfügung.

Weg von Spekulationen, hin zu Sicherheiten

Bereits die „erste Finanzkrise“ 2007/2008 beförderte zahlreiche renditeorientierte Anleger in die Gruppe der auf Sicherheit bedachten Sparer. Seit 2011 erfährt dieser Strategiewandel einen vermehrten Zuwachs.

Beinahe 70% der deutschen sparer favorisieren inzwischen sicherer Anlagen gegenüber Aktien und Wertpapierhandel. Mehr als die Hälfte aller Deutschen besitzen u.a. Sparanlagen wie Sparbriefe, Sparbücher oder Sparpläne.

Einen ungwohnt hohen Zuspruch erfahren Betriebsrenten. Werden alle klassischen Sparformen gegenüber gestellt, wächst die betriebliche Altersvorsorge mit 5% am Meisten zu. Dagegen lassen immer mehr Anleger lieber die Finger von Fonds, Aktien und Wertpapieren.

Aus Geld „Sachen machen“

Investitionen in Sachwerte erleben einen Aufwärtstrend. Immobilienkäufe stehen beim deutschen Sparer als Wertanlage besonders hoch im Kurs. Ebenso steigen die Anfragen nach Antiquitäten, Kunst und besonders hochwertige Instrumente.

Auswirkungen verstanden – Ursachen unbeachtet

Die Umfrage zeigt klar, dass dem Bürger die Situation um die deutsche Wirtschaft und der auswuchernden Eurokrise sehr bewußt ist.

Eine „alt-deutsche Tugend“ ist ungebrochen: Das Sparen. Eine Eigenschaft die jedem Klischeegedanken erhaben ist, denn sie ist einfach Tatsache. „Sparen für schlechte Zeiten, ansparen für das Auto, oder einfach Anlegen für Unbestimmtes“, es ist irgendwie selbstverständlich. Meist legt bereits Oma für den Enkel den Grundstein.

Dafür ist eine weitere „typisch deutsche“ Eigenschaft zum Unterschied zu anderen Ländern geradezu unverständlich. Die ausgeprägt „pragmatischen Reaktionen“ gegenüber den finanzpolitischen Entscheidungen und Handlungen, die sich eindeutig zum Nachteil des Sparers auswirken.

Ein gesundes Mißtrauen und das einfache Hinterfragen von vermeintlich „alternativlosen“ Maßnahmen würden bereits den Löwenanteil für den Blick hinter so mancher Kulisse ausmachen. Die simple Frage „wer zahlt die Rechnung für die permanenten finanziellen Hilfen aus der dt. Haushaltskasse?“, führte zu manchen überraschenden Antworten.

Hinterfragen zu unbequem oder Angst vor der Wahrheit
Die Mehrheit frägt nicht, obwohl der Privatanleger schon längst indirekt aber kräftig zur Kasse gebeten wird. „Es ist halt so, die EU-Länderkrise ist schuld“. Dabei ist es doch höchst „erstaunlich“, warum es zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte eine Konstellation von steigender Inflation bei gleichzeitig sinkenden Sparzinsen gibt.

Eine offene Rechnung muss nicht immer mit dem Bezahlen (Abgeben) abgegolten werden. Die erhöhte Abgabe durch zusätzliche Steuern ist zu offensichtlich und „politisch schädlich“. Für die gleiche Leistung weniger zu erhalten, würde den Plan ebenfalls erfolgreich zum Ziel bringen (weniger Sparzinsen).

Privatsparer bilden die Sicherheiten
Deutschland selbst steht nach (inoffiziellen) Berechnung, samt verdeckter Verbindlichkeiten (u.a. Renten) mit rund 6 Bio. Euro in der Schuld. Selbst wenn die Erwartungen in eine steigende Wirtschaftskraft mit dem Vielfachen überboten werden würde, es reichte schlicht nicht aus, um die Sicherheiten (EFSF, ESM) glaubwürdig garantieren zu können.

Es bleibt nur ein einziges Gegengewicht für die versprochenen Finanzgarantien übrig.
Das Sparguthaben des Privatanlegers. Der offene Zugriff wäre politischer Selbstmord, deshalb werden „elegantere“ Wege bevorzugt.

Bild: Ewe Degiampietro – Fotolia.com

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