Risiko Altersarmut: Forderungen nach Renteneintritt ab 70 Jahre

Rente – Update: 17.04.16-


Das Risiko der Altersarmut könne nur durch Anhebung des Arbeitsjahre oder erhöhten Spar-Anstrengungen vermieden werden. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes fordert ein Renteneintrittsalter von mindestens 70 Jahre.

Erwerbstätige

Vermeidung von extremer Altersarmut durch längere Arbeitszeit und mehr Sparen

Renteneintrittsalter müsste auf mind. 70 Jahre ansteigen

Das Rentenniveau sinkt bis zum Jahr 2030 auf 43 Prozent des letzten Brutto-Lohns. Wenn die Zinsen weiter fallen und die Renditen der privaten Altersvorsorge abschmelzen, bliebe den Arbeitnehmern überhaupt kein anderer Ausweg, als entweder mehr in die Privatvorsorge einzuzahlen oder der Lebensarbeitszeit einige Jahre anzuhängen.

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes rechnet mit einer Anhebung des Renteneintrittsalters auf mindestens 70 Jahre. Andernfalls drohe vielen die Altersarmut, so Georg Fahrenschon zur Bild (Donnerstag).

Den Arbeitnehmern drohe im Rentenalter eine große Lücke und dieses Risiko der Altersarmut werde von vielen „krass unterschätzt“. Eine deutliche Anhebung des Renteneintrittalters weit über 67 Jahre hinaus sei auf den Wegfall von Zinsen und Zinseszinsen zurückzuführen, so Fahrenschon. „Millionen Rentnern fehlt am Ende bares Geld“.

Eine reine Illusion sei die Rückkehr zur Rente mit 65, so Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Im Gegenteil. Da die Absicherung der Altersbezüge eine „Angelegenheit von Jahrzehnten“ sei, müsse die Diskussion über die Erweiterung der durchschnittlichen Lebensarbeitszeit möglichst früh begonnen werden. Wer von Rente mit 65 spricht, „weckt falsche Hoffnungen bei den Menschen“, so Erdland.

Ausbreitung der Armut in der BRD erscheint unausweichlich

Das Absenken des Rentenniveaus auf 43 Prozent des letzten Lohns bis 2030 ist ein Resultat der in den Jahren 2003 bis 2005 umgesetzten Agenda 2010. Die sog. Reform des deutschen Sozialsystems und Arbeitsmarktes wurde von der privaten Versicherungswirtschaft erwünscht, von der Bertelsmann Stiftung unterstützt und von der Bundesregierung aus SPD sowie Bündnis 90/Die Grünen vollzogen.

Mit des damals zur gleichen Zeit eingeführten Niedriglohnsektors schaffte es der Arbeitsmarkt der Bundesrepublik bis heute rund 20 Prozent der Arbeitnehmer als Geringverdiener zu beschäftigen. Ein Großteil der Niedriglohn-Beschäftigten verfügt über eine vollwertige Ausbildung und hat dennoch geringe Chancen aus dem Bereich des Niedriglohns zu entkommen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht bereits heute jeden zehnten Rentnerhaushalt in der BRD mit einem Einkommen, das weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens beträgt. Das Armutsrisiko für Rentner liege im („reichen“) Bundesgebiet höher als in anderen EU-Ländern. Das durchschnittliche Rentenniveau beträgt international lt. OECD rund 74 Prozent. Lediglich die Renten für Geringverdiener in Japan, Chile und Mexiko fallen noch geringer als in der BRD aus. Die Absenkung des Rentenniveaus auf 43 Prozent folgt allerdings erst noch.

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes fordert ein Renteneintrittsalter von 70 oder darüber hinaus. Damit wechseln die Geringverdiener in der Statistik lediglich einige Jahre später von „Aufstockern“ und „Beschäftigten-Armut“ in den Bereich der Altersarmut. Sofern die Menschen in diesem Alter überhaupt noch beschäftigt sind und nicht als langzeitarbeitslos gelten.

Geringverdienern ist der Weg für eine zusätzliche private Altersvorsorge in der Regel aus finanziellen Gründen versperrt. Wer jeden Euro für das alltägliche Überleben zwei- oder drei Mal umdrehen muss, hat nicht einen einzigen Cent für das Sparschwein übrig.

Mit der Absenkung des Rentennivaus folgt auch gleich die nächste Falle. Wehe dem, der sich viele Jahre für die private Altersvorsorge in Verzicht übte und aufgrund der kommenden Mini-Rente einschließlich Privatrenten-Bezüge nicht über Sozialhilfe-Niveau hinauskommt. Der „Staat“ rechnet der Grundsicherung („Sozialhilfe für Rentner“) die privaten Rentenbezüge vollumfänglich an. Sämtliche über die Jahre hinweg geleisteten Sparbeiträge resultieren lediglich in eine Entlastung des „Sozialstaates“.

Ende 2013 bezogen in der BRD knapp 500.000 Menschen im alter über 65 Jahren „Sozialhilfe“ als Grundsicherung. Im Jahr 2007 waren es 340.000 Menschen. Anspruch auf eine Grundsicherung hatten im Jahr 2007 jedoch rund 1 Millionen Menschen im Alter ab 65 Jahren. Mehr als die Hälfte verzichtete jedoch auf Sozialhilfezahlung aus Gründen mangelender Informationen und Scham.

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