Riesterrente: Ein Viertel des Niedriglohn-Sektors erhielt staatliche Zulagen

Riesterrente-


Im Jahr 2011 erhielten in Deutschland rund 10,7 Millionen Riester-Sparer eine staatliche Zulage. Der Anteil Förderberechtigten aus Niedrigverdienern mit einem Jahreseinkommen von weniger als 10.000 Euro lag bei gut einem Viertel (25,2%).

Versicherungsschutz

Vorteile der Riesterrente für Niedriglohn-Sektor nur unter Vorbehalt

Riester-Zulagenempfänger mit niedrigen bis mittleren Einkommen

Die Riesterrente kommt bei den „Richtigen“ an, so das Fazit des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) veröffentlichte Zahlen zu den Anteilen der Riesterverträge im Bezug zum Einkommen des Versicherungsnehmers. Demnach hatten im Jahr 2011 fast zwei Drittel (64,8%) der Riesterrenten-Zulagenempfänger ein jährliches Einkommen von weniger als 30.000,- Euro.

Der GDV folgert daraus, dass von den staatlichen Förderungen besonders die Sparer mit niedrigen bis durchschnittlichen Einkommen und Familien profitieren. Familien mit Kindern haben aus der Riesterrente einen besonders großen Vorteil. Lt. ZfA-Statistik bestand knapp die Hälfte (1,3 Milliarden Euro) der im Jahr 2011 insg. 2,69 Milliarden Euro auszgezahlten Zulagen für die Riesterrente aus Kinderzulagen. Rund 830 Millionen Euro ergab die Steuererleichterung für Riester-Sparer. Der Staat förderte die Riesterrente insgesamt mit rund 3,52 Milliarden Euro. Gegenüber dem Jahr stiegen die Förderungen sowie die Förderempfänger jeweils um 4,5 Prozent an. Etwas mehr als die Hälfte (56,4%) der Riestersparer erhielt die volle Grundzulage von 154 Euro.

Die zulagenberechtigten Riester-Sparer nach Einkommen im Jahr 2011

Bruttojahreseinkommen in € Anteil der 10,7 Mio.
Zulagenempfänger in %
über 50.000 11,1
30.000-50.000 24,1
20.000-30.000 19,1
10.000-20.000 20,4
unter 10.000 25,2

Einkommensdurchschnitt 2011: 32.100 Euro – Quelle: ZfA 2015

„Riester erreicht die Richtigen: Der Großteil der staatlichen Förderung geht an Familien und Sparer mit niedrigen Einkommen. Bedenklich ist allerdings, dass viele die Riester-Zulagen nicht voll ausschöpfen – gerade in der Niedrigzinsphase sollten Sparer die maximale staatliche Förderung für den Kapitalaufbau nutzen“, so Peter Schwark, Hauptgeschäftsführer des GDV.

Wer die vollen Zulagen ausschöpfen will, muss jährlich mindestens vier Prozent seines rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens in die Riesterrente einzahlen. Pro förderberechtigte Person ist eine maximale jährliche Grundzulage von 154 Euro möglich. Kinderzulagen betragen 185 Euro pro Jahr. Für Kinder, die im Jahr 2008 oder später geboren wurden, beträgt die Kinderzulage 300 Euro. Die Zulage für Kinder läuft solange wie das Kindergeld ausgezahlt wird, somit bis höchstens das 25. Lebensjahr.

Zusätzlich kann für den Riester-Sparer ein Steuervorteil mit einem Sonderausgabenabzug von bis zu 2.100 Euro entstehen. Das Finanzamt prüft im Rahmen der sog. „Günstigerprüfung“, ob für den Versicherungsnehmer zusätzlich zur Zulage ein Anspruch auf Steuererstattung besteht.

Manko: Anrechnung Riesterbezüge auf die Grundsicherung

Die Förderung der Riestersparer mit niedrigen bis mittleren Einkommen mag die „Richtigen treffen“, allerdings bleibt immer noch der große Haken der Anrechnung der Riesterbezüge zur Grundsicherung („Sozialhilfe für Rentner“). Im Jahr 2013 wuchs die auf Grundsicherung angewiesenen Rentner im Alter von über 65 auf rund eine halbe Millionen Menschen an. Eine Verdoppelung innerhalb der letzten 10 Jahre davor.

Die heutigen Niedriglöhner sowie auch der untere Bereich der mittleren Einkommen werden in der Zukunft zu einem Großteil die Rentner mit Anspruch auf eine Grundsicherung sein. Der „große Knick“ erfolgt auch dann, wenn das Rentenniveau auf 43% des letzten Nettoeinkommens abgesenkt wird. Wer in die Riesterrente einzahlte und auf eine Grundsicherung angewiesen ist, bezieht aus den Rentenzahlungen der Riester-Altersvorsorge nicht einen einzigen Euro Vorteil. Die Riesterbezüge werden der Grundsicherung voll angerechnet. Ein massives Problem im „Riester-System“, welches der GDV selbst schon an den Pranger stellte. Der Verband forderte die Politik zur Einführung eines Freibetrages auf, um mehr Anreize für die Riesterrente zu schaffen.



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