Riester-Sparer verschenken Geld – Zweifel am System

Altersvorsorge-


Die Riester-Rente gerät ein weiteres Mal unter Beschuss. Einmal sind es die Versicherungsnehmer selbst, die offensichtlich einen großen Anteil der möglichen Vorteile eines Riester-Vertrags nicht nutzten und auf der anderen Seite wird ein Funktionieren des „Systems Riester“ bereits stark angezweifelt.

Riester-Sparer verschenken sehr viel Geld

Riester-Rente
Riester-Rente im Kreuzfeuer
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Das Potenzial aus bestehenden Riester-Renten wird offensichtlich nicht ausgeschöpft. Mit einer „guten Portion Gelassenheit“ lassen sehr viele Inhaber einer Riester Altersvorsorge die staatlichen Zulagen einfach links liegen und verschenken somit bares Geld.

Bereits im Jahr 2009 wurden rund 13,25 Millionen Verträge einer Riester-Rente gezählt, aber lediglich 9,5 Millionen Anleger mit einer Grundzulage. Somit haben rund 3 Millionen Sparer die mögliche Zulage erst gar nicht beantragt.

Die Bundestagsfraktion der Linken stellte zu den aktuellen Riester-Zahlen eine Anfrage bei der Bundesregierung und die Antwort liegt u.a. der Süddeutschen Zeitung (SZ) (Donnerstag) vor.

Seit dem Start der Riester-Rente im Jahr 2002 hat der deutsche Staat bereits über 12 Milliarden Euro als eine Direktzulage bezuschusst, doch nicht jeder nimmt seine zustehenden Vorteile in Anspruch. Entweder wird auf einen Antrag für die Erteilung der Zulage vollständig verzichtet (rund 3 Millionen Riester-Sparer) oder nur in Teilbereichen in Anspruch genommen. Denn von der Personengruppe, die einen Antrag für Zuschüsse stellte, erhielten lediglich 5,4 Millionen die volle Zulage. Die knappe andere Hälfte hatte die möglichen Förderungen nicht vollständig ausgeschöpft. Mit fast 1,7 Millionen Riestersparern hat beinahe jeder Fünfte nicht mal 50 Prozent des eigentlich möglichen Zuschusses erhalten, so die SZ.

Zusätzlich gab die Bundesregierung an, dass im Jahr 2010 bereits 18,5 Prozent der Riesterverträge ruhten, bzw. stillgelegt waren.

Inzwischen zweifelt lt. SZ bereits der Sozialbeirat der Bundesregierung am System. Die neuen Erkenntnisse wiesen auf eine sozialpolitische Leerstelle hin. Das eigentliche Ziel der im Jahr 2002 eingeführten Riesterrente sollte dafür Sorge tragen, die Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus von mehr als 50% auf 43% eines durchschnittlichen Nettolohns im Jahr 2030 zu kompensieren. Dies würde jedoch nur dann funktionieren, wenn die Riesterverträge ausreichend hohe Renditen für die Sparer abwürfen und diese auch die gesamte Förderung nutzten. Dazu käme der Anteil der Bevölkerung, die als Geringverdiener gar keine Altersvorsorge in der Tasche hätten.

Die Bundesregierung kalkuliert zur Riesterrente mit vier Prozent jährlichen Zins und zu den Beiträgen mit zehn Prozent Kosten für den Abschluss und für die Verwaltung. „Dies sind aber Annahmen, die in einer Reihe von Fällen in der Realität nicht so verwirklicht werden können, weil entweder die Kosten höher liegen oder die Verzinsung von vier Prozent unterschritten wird“, so die Experten im Sozialbeirat.

Riester-Sparer sind überfordert
Für Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, ist die neuen Riester-Erkenntnisse keine Überraschung. Aufgrund der Komplexität der Riesterrente seien die Verbraucher schlicht überfordert. Darüber hinaus ginge es den Vermittlern eines Riester-Vertrags nur um die Provision. Eine jährliche Betreuung der Kunden, zur Unterstützung bei der Nutzung der Riesterrente, würde nicht lukrativ sein. „Die Probleme sind systembeding“, so Nauhauser. Das geplante „Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz“ werde nichts daran ändern.

Das „Rentenproblem“ vor sich herschieben

Dass die Bundesregierung die Riester-Erkenntnisse im stillen Kämmerlein zurückhält sollte nicht überraschen. Besonders im Themenbereich Rente hat sich bereits jede Regierung, ob schwarz-gelb oder rot-grün, als besonders talentiert hervorgetan, die Probleme auf Morgen und Übermorgen weiter zu schieben. So dürfte die Regierung heute froh darüber sein, Millionenbeträge aufgrund nicht eingereichter Zulagenanträge einsparen zu können und das Morgen wird gerne in die Hände der kommenden Generationen gelegt.

Die gesetzliche Rente ist eine einzige Flickschusterei, die unvermeidliche Probleme nicht nur auf die nächste Generation verschiebt, sondern diese auch noch auftürmt.

Der einst von Ursula von der Leyen (CDU) vorgelegte Entwurf einer „Zuschussrente“ zeugt von Ratlosigkeit, Unterbeschäftigung oder dem plumpen Versuch, dem Verbraucher wieder eine Mogelpackung unter zu schieben. Die Vorteile, auch den heutigen Geringverdienern eine bessere Versorgung im Rentenalter zu ermöglichen, wurden klar präsentiert, aber dass dies aufgrund des an der Realität vollständigen Vorbeidenkens nur den wenigsten Rentner gegönnt sein würde, eröffneten letztendlich die Kritiker an der Idee.

Eine vollständig andere Sichtweise zur Rente präsentiert jedoch der renommierte Statistiker Gerd Bosbach. Anhand seiner Aufarbeitung der Rentenpolitik in der Vergangenheit bis heute, treten berechtigte Zweifel auf, ob die Natur des „Rentenproblems“ eine ganz andere ist.

Ein Gedanke zu „Riester-Sparer verschenken Geld – Zweifel am System

  • 16. Januar 2013 um 5:27
    Permalink

    hallo.

    wir haben 2 Probleme. zu einem der Berater, der sich nach Abschluß nicht kümmert, zum andern den Kunden der sichtlich keine Acht gibt, ob Zulagen im jährlichen Kontoauszug geflossen sind.

    Hier gibt es nur eine Lösung: die Berater, die jetzt beraten sollten es als Wichtigstes nutzen und beim Kunden vor Ort in die Auszüge reinschauen. Ob der Vertrag von Ihm oder von einer anderen Gesellschaft ist. Nur so wird den Kunden geholfen.

    Lieben Gruß

    Petra

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