„Riester-Rente war Fehlentscheidung“ – Trotz Vorsorge droht Armut

Altersvorsorge – Privatversicherungen-

„Die Riester-Rente war eine Fehlentscheidung“. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. Ohne Reformen zur gesetzlichen Rentenversicherung würden besonders jungen Arbeitnehmern erhebliche Lücken in der Rentenversorgung drohen.

„Trotz Riester-Rente droht die Altersarmut“

Altersarmut
Drohende Altersarmut
trotz Riester-Rente

Das IMK hält eine deutliche Anhebung des gesetzlichen Rentenniveaus durch eine steuerfinanzierte Aufstockung als erforderlich, um der drohenden Altersarmut wirksam entgegen treten zu können.

Die drohenden Versorgungslücken im Rentenalter könnten bei den meisten Versicherten durch eine kapitalgedeckte Zusatzvorsorge nicht ausgeglichen werden.

Den Forschern vom IMK liegt inzwischen eine gut 10-jährige Entwicklung der Riester-Rente zugrunde. Aufgrund der empirischen Erfahrung gäbe es keine Zweifel mehr daran, dass sich die teilweise Umstellung der Altersabsicherung auf Kapitaldeckung „als eine Fehlentscheidung“ erwiesen hätte.

Um den Menschen im Rentenalter ein sicheres Auskommen in Ergänzung zur gesetzlichen Rentenversorgung zu gewährleisten, wäre die kapitalgedeckte Rente „keinesfalls geeignet“. Dr. Rudolf Zwiener und Dr. Katja Rietzler vom IMK und die Wirtschaftswissenschaftler aus Berlin, Prof. Dr. Heike Joebges und Dr. Volker Meinhardt, warnen ausdrücklich: „Bleiben die bisherigen Reformen ohne Anpassungen in Kraft, würden weite Teile der heute Erwerbstätigen in einer Altersarmut abgleiten“.

„Riester-Rente auslaufen lassen“

Die Forscher empfehlen das Niveau der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) innerhalb mittelfristiger Zeit an den deutlich höheren Durchschnitt der OECD-Länder anzupassen und gleichzeitig die Subventionierung von Riester-Renten auslaufen zu lassen.

Letztendlich müsse das gesetzliche Rentensystem mit einer paritätischen Finanzierung durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber wieder zu einer Lebensstandardsicherung zurückfinden, fordern die Wissenschaftler in ihrer Untersuchung.

„Rentenniveau weit unter dem Durchschnitt der OECD“
Das Versorgungsniveau der Beschäftigten mit einer Gesetzlichen Rentenversicherung befände sich weit unter dem OECD-Durchschnitt. Die Forscher kommen zum Ergebnis, dass für den Durchschnittsverdiener in Deutschland die Bruttoersatzrate derzeit nur 42 Prozent beträgt. Vergleichbare Versicherte unter den 34 OECD-Mitgliedern hätten dagegen eine Ersatzrate von rund 57 Prozent.

Stellte man das Niveau der Alterssicherung von Geringverdienern (bemessen mit 50% Einkommen des nationalen Durchschnitts) in den OECD-Vergleich, würde Deutschland sogar an letzter Position stehen.

Würden die durchgeführten Anpassungen der Rentenpolitik Bestand haben, fiele das Rentenniveau sogar noch weiter ab. Das Brutto-Rentenniveau lag 2003 bei 48 Prozent. Der Sachverständigenrat berechnete für einen „Standardrentner“, der 45 Versicherungsjahre vorweisen kann, ein Niveau von nur noch mehr 40 Prozent im Jahr 2030. Setzte man bis dahin konstante Reallöhne voraus und bereinigt die Berechnung mit der Kaufkraft (Inflation), entspräche die Reduzierung der durchschnittlichen Rente einen Abzug von knapp 200,- Euro auf nur noch mehr 973,- Euro für das Jahr 2030.

„Die Zuschussrente würde das Problem nicht lösen“
Nach Ansicht der Forscher könne die von der Bundesarbeitsministerin propagierte Zuschussrente das Problem nicht lösen. Vielmehr müsste die Rückkehr zur Lebensstandardsicherung eingeleitet werden.

Das gesetzliche Rentensystem müsse „so ausgestaltet sein, dass Einkommensbezieher mit einem Einkommen von knapp unterhalb des Durchschnitts und 35 Beitragsjahren deutlich oberhalb des Grundsicherungsniveaus liegen und nicht auf einen „Zuschuss“ angewiesen sein dürfen“, argumentieren die Wissenschaftler.

Das Niveau der GRV müsse mittelfristig auf das Durchschnittsniveau in den OECD-Ländern angehoben werden, das um 15 Prozent höher liegt als der deutsche Wert. Für versicherte Männer entspräche die Niveauanhebung einem Rentenbezug in Höhe von 1.585,- Euro statt 1.152,- Euro. Um dies zu erreichen schlagen die Forscher eine über viele Jahre verteilte schrittweise Anhebung der Beitragssätze vor. Die Ökonomen sind davon überzeugt, Deutsche Unternehmen sind im internationalen Wettbewerb zu gut aufgestellt, dass keine wirtschaftlichen Schäden zu befürchten wären.

Lösungsansatz gegen die Interessen der Unternehmen (Lobby?)

Das IMK mag aufgrund der Forschungsergebnisse auf einen durchaus richtigen Lösungsansatz gestoßen sein. Selbst die herausgestellte Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen und die Zumutbarkeit einer „wirtschaftlich unschädlichen“ Erhöhung der Beitragsanteile für die gesetzliche Rentenversicherung können einen sinnvollen Weg beschreiben.

Die Forscher stellten u.a. fest, dass sich ausgerechnet die seit Jahren stark zunehmenden Niedrigeinkommen als ein großes Problem heraus stellen könnten. Zum Renteneintritt könnt diese Niedriglohn-Gruppe der Altersarmut kaum entkommen.

Es stellt sich automatisch die Frage, warum diese Entwicklung überhaupt diesen Weg eingenommen hatte. Steht die Wirtschaft deshalb auf relativ starken Beinen, da die Unternehmen von finanziellen Belastungen zunehmend befreit wurden, oder sind politische Entscheidungen zu Rentenversorgungen und Lohnkosten ausschließlich gefällt worden, um den Gewerken die finanziellen Vorteile für eine Gewinnmaximierung zuzuspielen?

Die schrittweise Anhebung der Beitragskosten wäre ein Umkehrweg, der sich gegen die Interessen der Unternehmen stellen würde. Eine Lösung die sich wohl nur sehr schwer umsetzen ließe.

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

so ausgestaltet sein, dass Einkommensbezieher mit einem Einkommen von knapp unterhalb des Durchschnitts und 35 Beitragsjahren deutlich oberhalb des Grundsicherungsniveaus liegen und nicht auf einen

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