Riester-Kampagne: „Frauen sind größte Nutznießer“

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Nach den begünstigten Niedriglöhnern folgen nun die Frauen. Der Dachverband der deutschen Versicherer stellt die Frau als besondere Nutznießerin der Riester-Rente hervor. Sie wären es, die von den zahlreichen Vorteilen der geförderten Altersvorsorge profitiere.

„Frauen sind die größten Nutznießer“

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Riester-Rente: 'Wie für Frauen gemacht'

Nach mehrmaligen Hinweisen, dass vor allem Geringverdiener die Profiteure der Riester-Rente seien, hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nun die Frau als neue Zielgruppe für die Riester-Kampagne entdeckt.

Die teils stichhaltigen und nachvollziehbaren Kritiken gegen die geförderte Riester-Rente können einprasseln wie sie wollen, der Interessenvertreter der Versicherungen lässt sich nicht beirren. Mit einem erneuten Anlauf der Fürsprache wird nun die Frau als „größter Nutznießer“ der Riester-Rente hervorgehoben. Der GDV zählt vier Gründe auf, warum die Sparerinnen von der Riester-Altersvorsorge profitierten.

„Riester-Rente bietet hohe Flexibilität“

Die Riester-Rente sei demnach aufgrund der Anpassungsfähigkeit der Beitragshöhen an das Einkommen eine flexible Altersvorsorge. Vor allem die Erwerbsbiografien der Frauen seien gegenüber denen der Männer sehr unterschiedlich. Das Berufsleben der Frauen werde durch Auszeiten unterbrochen, die Tätigkeiten seien zeitlich befristet und der häufige Wechsel des Arbeitsplatzes treten bei Frauen besonders häufig auf.

Fällt das Einkommen ab, so sind entsprechend geringere Sparbeiträge ausreichend, um die volle Zulage zu erhalten. Wer völlig ohne eigenen Verdienst vorsorgt, braucht lediglich einen Sockelbetrag von 60 Euro jährlich aufzubringen.

„Riester-Rente bietet hohe Sicherheit“

Vor allem Frauen scheuten die Risiken besonders. Studien belegten, dass Sicherheit bei Frauen einen höheren Stellenwert einnehme als bei Männern. „Riester-Produkte sind sichere Anlagen“, so der GDV. Während der gesamten Laufzeit eines Riester-Vertrages seien Kapitalverluste ausgeschlossen und zum Beginn der Rentenzahlungen müssen mind. die Beiträge und die staatlichen Zulagen parat stehen.

„Hoher Ertrag durch hohe Zulagen“

57 Prozent aller geförderten Riester-Verträge betreffen Frauen. 70 Prozent aller staatlichen Zulagen gehen an Frauen. Mütter werden zur Riester-Rente gezielt gefördert. Für jedes Kind gebe es neben der Grundzulage von 154 Euro weitere 185 Euro dazu. Ist das Kind nach 2008 geboren, lege die Förderung bei 300 Euro. Bei Frauen bestehe der gesamte Riester-Beitrag aus 63 Prozent Eigenleistung und 37 Prozent Förderung, im Gegensatz zu 16 Prozent Förderung bei Männern. Gerade in der derzeitigen Niedrigzinsphase ergebe sich daraus eine „respektable Rendite“. Die Rendite erhöhe sich bei Frauen um weitere 0,3 bis 0,6 Prozentpunkte, weil sie älter werden als Männer und dadurch länger Rente beziehen.

„Riester ist für Frauen häufig die einzige Chance<"

Viele Frauen haben nicht die Möglichkeit, über die betriebliche Altersversorgung (bAV) eine zusätzliche Rente aufzubauen. Dazu komme, dass Frauen vor allem mit Kindern seltener berufstätig als Männer seien. Selbst bei einer Berufstätigkeit werden Frauen seltener in die bAV eingebunden als Männer. In der Privatwirtschaft können 52 Prozent der Männer eine Betriebsrente vorweisen, bei Frauen liege die Quote lediglich bei 41 Prozent. Der häufige Arbeitsplatzwechsel von Frauen erschwere den Einbezug in eine Betriebsrente, falls diese überhaupt in kleineren Betrieben oder im Dienstleistungssektor angeboten wird. Deshalb sei die Riester-Rente für Frauen oft die einzige Chance, um für das Alter vorzusorgen.

Die besonderen Nachteile für Frauen unter Teppich gekehrt

Abgesehen davon, dass bei den Stichworten „Arbeitsplatzwechsel“, „Auszeiten“ und „ohne Verdienst“ Frau und Mann beliebig austauschbar sind, werden auch in dieser Aufstellung der „zahlreichen Vorteile“ der Riester-Rente die gravierendsten Nachteile nicht erwähnt.

Das Ziel der privaten Zusatzvorsorge ist nach dem sog. „3-Säulen-Modell“ nicht der Ersatz der gesetzlichen Rente, sondern eine Ergänzung. Die dritte Säule stellt die betriebliche Altersvorsorge dar. Nun stellte der GDV selbst fest, dass bei den Frauen die Chancen auf eine bAV geringer sind als bei den Männern. Fällt die bAV weg, ist das Modell aus 3 Säulen bereits obsolet.

Reichen gesetzliche Rente sowie die Leistungen aus der Riester-Rente nicht aus, um über die sog. Grundsicherung im Alter zu kommen, springt das Sozialamt ein. Dabei werden allerdings die womöglich über Jahrzehnte geleisteten Sparbeiträge für die Riester nicht als „Bonus“ behandelt, sondern vollständig angerechnet. Die Rentenleistungen aus der Riester-Rente sind im Grundsicherungsfall die Ersparnisse des Sozialamtes. Bei Anspruch auf Grundsicherung ergibt sich kein Vorteil aus der Riester-Rente. Wer nicht vorsorgte darf mit der gleichen Mindestsicherung auskommen, wie die Sparerin mit monatlichen Riester-Leistungen.

Der „Staat“ holt sich die Riester-Förderungen durch die sog. nachgelagerte Besteuerung ohnehin wieder zurück. Gerät der Rentner, bzw. die Rentnerin über den Freibetrag, greift der Fiskus zu. Die nachgelagerte Besteuerung steigt in den kommenden Jahren stufenweise auf bis zu 100 Prozent an.

Vor allem Frauen werden in die Grundsicherung im Alter hineinrutschen. Selbst der für die Frau gesicherte Vollzeitjob, inkl. bAV und „glänzenden Berufsaussichten“ wurde im Jahr 2015 um durchschnittlich 23 Prozent weniger als bei Männer entlohnt. Die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern ist in der Bundesrepublik nach wie vor extrem stark ausgeprägt.

Die Grundsicherung im Alter wird eine Domäne der Frauen sein. Das ist bereits heute schon der Fall und nach 2030, wenn das Rentenniveau auf 43 Prozent abgesunken ist, wird die Schere zwischen Männer und Frauen noch sehr viel weiter auseinander gehen.

Was ist ein „Nutznießer“? Das ist jemand, der den Nutzen von etwas hat, einen Vorteil aus etwas zieht, was ein anderer erarbeitet hat. Etwas abwertende Synonyme sind u.a.: Schnorrer, Abstauber, Schmarotzer, Parasit.

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