Reform Lebensversicherung von Ökotest kritisiert und dafür vom GDV getadelt

Lebensversicherungsreform-


Viel Wirbel um die geplante Lebensversicherungsreform. Das Verbraucherschutzmagazin Ökotest springt für die Verbraucher mit der Aufstellung von Milliarden-Verlusten für die Kunden in die Presche und der Versicherungsverband spricht von verdrehten Tatsachen und der von Ökotest gezeigten Ignoranz gegenüber den Versicherungskunden.

Relevanz

Völlig verdreht oder nur übertrieben, unterm Strich bluten doch die Kunden

„Stabilisierung der Versicherungswirtschaft“ von der Masse getragen

So hastig und unüberlegt die Bundesregierung in den Augen des Verbrauchermagazins Ökotest die Reform der Lebensversicherungen durchpeitschte, so unausgegoren und „abenteuerlich“ bezeichnete dagegen der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die von Ökotest aufgestellten Thesen.

Die rasche Umsetzung der Lebensversicherungsreform ist in der Tat äußerst außergewöhnlich. Die an den Tag gebrachte Eile für das Durchreichen der Gesetzesvorlage erinnerte an den Noteinsatz einer ausrückenden Feuerwehr. Die „letzte Instanz“ bis zum Inkrafttreten der teils massiven Änderungen bei den privaten Lebensversicherungen stellt noch der Bundesrat dar.

Ökotest sieht in der Reform der Lebensversicherungen einen massiven Verlust für die Versicherungskunden, verdeckt hinter dem Etikett zur „Stabilisierung des Lebensversicherungsmarktes“. Den Versicherungsunternehmen müsse unter die Arme gegriffen werden und das kostet lt. dem Verbrauchermagazin bis zu 40 Milliarden Euro aus Mitteln der eigentlich den Kunden zustehenden Überschüssen. Diese müssen nun auf sehr hohe in Aussicht gestellte Ausschüttungen verzichten.

Die Bundesregierung beabsichtigte mit der Reform den „tiefen Griff in die Tasche aller Kunden“, um die Lebensversicherer zu schützen. Auf einen Schlag könne dieses neue Gesetz in Verbindung mit der im Jahr 2011 eingeführten Zinszusatzreserve einen Verlust von bis zu 40 Milliarden Euro für die Kunden bedeuten.

Die als von den Unternehmern dargestellte Gegenleistung umfasste lediglich rund 3,6 Milliarden Euro jährlich durch den Verzicht der Dividendenausschüttungen. Die höhere Beteiligung der Kunden an den Risikogewinnen stellte nur ein „Trostpflaster“ dar. Eine ohnehin überfällige Leistung, die maximal eine Milliarde Euro der Kürzungen kompensierte.

Den Kunden bliebe kaum Möglichkeit zur Gegenwehr. Die geplanten Kürzungen sollen bereits ab dem 01. Juli 2014 in Kraft treten, so Ökotest.

GDV: „Abenteuerliche Thesen zur Reform der Lebensversicherung“

Der Versicherungsverband zeigt sich zu den Vorwürfen von Ökotest ganz und gar nicht einverstanden. Das Magazin stellte die Tatsachen auf den Kopf. So entspreche der dargestellte Zusammenhang mit der genannten Summe von 40 Milliarden Euro nicht den Tatsachen. Die rund 40 Mrd. Euro werden den Kunden nicht weggenommen, so der GDV. Das Gegenteil sei der Fall. Dieser Betrag komme den Kunden in Form von regulären Zinszahlungen und der Überschussbeteiligung in den kommenden Jahren zu Gute.

Unterm Strich komme ohnehin nur ein Betrag von 35,2 Mrd. statt rund 40,6 Mrd. Euro zustande. Die Summe setzte sich lt. GDV folgend zusammen:

  • 12,2 Mrd. Euro in der Zinszusatzreserve
  • 20 Mrd. Euro in der Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB)
  • rund 3 Mrd. Euro Umverteilung der Bewertungsreserven von einigen Wenigen an die große Mehrheit der Versicherten

Zahlreiche Experten sowie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin, die Deutsche Bundesbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) legten wiederholt dar, dass die von der Bundesregierung angestrebte Änderung der Bewertungsreservenbeteiligung sinnvoll und im Interesse aller Kunden sei, so der GDV. Mit der aufgestellten These ignoriere Ökotest die Interessen der Kunden, so der Vorwurf des Versicherungsverbandes.

Vernebelungen durch „über-“ komplexe Darstellungen

Auch ohne tiefgreifende Kenntnisse zu den Regelungen und internen Abläufen bei den Lebensversicherern liegt es eigentlich klar auf der Hand, wer aus der Reform als Gewinner und wer als Verlierer hervor geht.

Seit langer Zeit warnt die vom GDV genannte BaFin vor den gestiegenen Herausforderungen der Versicherungswirtschaft. Die Finanzaufsicht hält es sogar durchaus für möglich, dass einige Versicherungsgesellschaften den Stresstest und die Auflagen von Solvency II nicht bestehen bzw. erfüllen können.

Stets wurde vor den gestiegenen „Herausforderungen“ der Versicherungsunternehmen gewarnt, nie jedoch vor den stetig sinkenden Überschussbeteiligungen oder den immer wieder gekürzten Garantiezins für die Kunden.

Die sogenannte „Fairness“ der Lebensversicherungsreform kann nicht mit einer Balance zwischen Versicherungen und Kunden gleichgestellt werden. Die Reform muss zwangsläufig zu Gunsten der Unternehmen gestaltet sein, auf Kosten der Versicherungsnehmer.

Eine „faire Regelung“ ergibt sich nur dadurch, dass der Versicherungskunde vor einem größeren Verlust stünde, sollte sein Versicherer in die Insolvenz gehen.



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