GDV: Anpassung der Bewertungsreserven ist notwendig

Bewertungsreserven Versicherungen-


Sollten die Bewertungsreserven durch den Gesetzgeber nicht neu geregelt werden, müssten künftig rund 95 Prozent der Kunden von Lebens- und Rentenversicherungen die Zeche dafür bezahlen, so der GDV. Letztendlich handelte es sich mit den Reserven nur um „Scheinwerte“ und nicht um „Gewinne“.

Niedrigzins-Niveau zwingt zu Anpassungsmaßnahmen

LV Bewertungsreserven
Reine Buchungswerte die sich wieder auflösen
Bild: s.media / pixelio.de

Die Bewertungsreserven zu den Lebensversicherungen seien derzeit zwar auf Eis gelegt, aber dennoch bleiben die Gemüter der Kontrahenten aufgeheizt. Nachdem der Bundesrat den durch den Bundestag bereits durchgewunkenen Gesetzesentwurf zur Neuregelung gestoppt hatte, bemühte sich der Vermittlungsausschuss um eine „salomonische Lösung“, mit der eine Befriedung des Streits erreicht werden könnte. Zu den Befürwortern und Verfechtern einer Kappung der Bewertungsreserven für Versicherungskunden zählt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Der Verband argumentiert, dass die Bewertungsreserven keine Gewinne wären sondern lediglich Buchungswerte, die am Ende der Laufzeit der festverzinslichen Papier wieder Null betragen würden. Die rein bilanziellen Buchgewinne von Wertpapieren entstehen dann, wenn der aktuelle Marktwert eines Wertpapiers oberhalb des ursprünglichen Kaufwertes liegt, so der GDV. Für festverzinsliche Papiere würden aufgrund des beständigen Niedrigzins-Niveaus aktuell sehr hohe Bewertungsreserven bestehen. In der Regel hielten die Gesellschaften die Papiere bis zum Ende und aus diesem Grund wären diese Reserven tatsächlich keine Erträge, sondern nur Scheinreserven. Am Ende würden sich diese wieder auflösen. Der tatsächliche Wert der Zinspapiere würde in der regulären Ausschüttung der jährlichen Zinsen bestehen.

Die Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven
Der GDV weist auf die Regelung hin:
„Es ist gesetzlich festgelegt, dass die Unternehmen einmal im Jahr die Höhe der gesamten Bewertungsreserven ermitteln und veröffentlichen müssen (Bilanz). Ausgehend von diesem Gesamtwert wird der Anteil, mit welchem jeder einzelne Vertrag an den Bewertungsreserven beteiligt wird, ermittelt.“

Der jeweils aktuelle Stand der anteiligen Bewertungsreserven könne vom Versicherungsnehmer von der jährlichen Mitteilung entnommen werden. Dabei hängten die prognostizierten Auszahlungen von den individuellen Regelungen der Gesellschaften ab.

„Bewertungsreserven sind keine Gewinne“
Die in den derzeitigen Diskussionen häufig verwendete Bezeichnung „Gewinne“ wäre falsch, da es sich bei den Reserven um keine Gewinne, sondern um reine „Scheinreserven“ handelte, so der GDV. Am Ende der Laufzeit würden sich die Reserven aus Wertpapieren wieder auflösen, da die Versicherungsgesellschaften die Zinspapiere meist bis zum Ende halten würden. „Gewinne“ bildeten sich lediglich aus den Zinsausschüttungen von Jahr zu Jahr.

Derzeit wären die Lebensversicherer aufgrund der aktuellen gesetzlichen Lage dazu gezwungen, die hoch verzinsten Papiere vorzeitig zu verkaufen, um die „auf dem Papier bestenden Buchgewinne“ an die derzeit auslaufenden Lebensversicherungs-Kunden zur Hälfte auszahlen zu können. Aufgrund der niedrigen Zins-Situation können die nicht ausgeschütteten Gelder nur zu weit schlechteren Konditionen wiederangelegt werden.

Da mit einer anhaltenden Niedrigzinsphase zu rechnen sei, wäre die Beibehaltung dieser Regelung „ökonomisch kaum zu vertreten“, argumentierte der GDV. Die Kunden mit erst künftig auslaufenden LV-Verträgen müssten dafür „die Zeche“ bezahlen. Betroffen wären geschätzt rund 95 Prozent der Lebens- und Rentenversicherungsverträge.

Das allgemeine Problem mit den „Scheinwerten“

Per Definition ist die „Bewertungsreserve“ tatsächlich nur ein „Scheinwert“, der sich mit dem Ablauf des Wertpapiers in eine Null verwandelt. Sollten die bereits angesammelten („Schein-„) Reserven angegriffen werden müssen, weil der hälftige Anteil für auslaufende hochverzinste Altverträge fällig wird, wirkte sich das nachteilig für die noch laufenden Versicherungsverträge aus. Eine Neuanlage der fällig gewordenen festverzinslichen Papiere wird die Lücke aufgrund der dauerhaft niedrigen Renditen kaum für Ausgleich sorgen können.

Im Thema „Bewertungsreserven und deren Scheinwert“ befindet sich eine Menge Zündstoff.

Vor dem gleichen Scheinwert-Dilemma stünde auch eine jede Bank, selbst im Privatkundengeschäft. Buchungswerte stehen lediglich auf Papier. Sollte der Inhaber des Girokontos oder der Sparanlage davon ausgehen, dass sein Geld „irgendwo im Kellertresor“ eingelagert wäre, dann befindet sich dieser im Irrtum. Spätestens wenn ein Großteil der Kunden ihr Geld zur gleichen Zeit bar ausgezahlt haben wollen, entpuppt sich die Zahl auf dem Kontoauszug bzw. im Sparbuch lediglich als ein reiner „Schein“.

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