Finanzkrise bringt Lebensversicherungen in Bedrängnis

Schuldenkrise Altersvorsorge-

Die Euro-Krise, die anwachsenden Schuldenberge der Mitgliedsstaaten und die teils hilflos wirkenden Reaktionen der Politik stehen für viele Verbraucher in „abstrakter Ferne“. Dennoch haben die Auswirkungen der Finanzkrise schon längst die vier Wände der Privathaushalte erreicht. Privatanleger wissen schon längst um ihre noch erreichbaren Gewinne. Der langsame aber sichere Zerfall der Renditen aus Lebensversicherungen ist noch dagegen nicht so klar in den Vordergrund gerückt.

Euro-Krise setzt Lebensversicherungen unter Druck

Existenzsicherung
Existenzsicherung im Alter
Bild: Wilhelmine Wulff / pixelio.de

„Deutschlands liebstes Kind ist das Auto und des Deutschen liebste Anlage eben die Lebensversicherung“. Während die Autohersteller trotz stagnierender Absatzmärkte dennoch neue Modelle entwickeln, hat der Lebensversicherungsmarkt mit fundamentalen Problemen zu kämpfen.

Traumrenditen über der 7%-Marke gehören der Vergangenheit an und werden bei gleichbleibender Entwicklung der Finanzmärkte auch nie mehr erreicht werden können. Die Versicherer leiden massiv unter den widrigen Marktverhältnissen und müssen zusehen, wie ganz besonders die Alt-Verträge und deren hohen Garantieverzinsung bedient werden können.

Lag der Garantiezins noch vor 2000 bei 4% ist dieser bis zuletzt im Jahr 2012 auf 1,75% abgesenkt worden. Der garantierte Mindestzins wird von der Regierung verbindlich vorgegeben und nicht von der Versicherungsgesellschaft festgelegt. Die Garantiezinssenkungen wirken sich nicht für Altverträge aus, sondern gelten für ab dem Zeitpunkt neu abgeschlossene Verträge.

Wie „gut oder schlecht“ eine Versicherung mit den Beiträgen wirtschaftet, drückt sich u.a. an der jährlichen Ausschüttung der Überschussbeteiligung aus. An diesem Punkt schwanken die Werte und werden von Jahr zu Jahr neu festgelegt. Seit über 10 Jahren befinden sich die erwirtschafteten Nettorenditen der Lebensversicherungen auf einem kontinuierlichen Abwärtstrend. Bis auf wenige Spitzen und Täler (z.B. nach Beginn der Krise 2008) fällt für die Versicherten von ihren Policen immer weniger ab.

Die Versicherer müssen ausweichen, weg von deutschen Bonds
Ganz klar ist die schlechte Finanzmarktlage der Hauptgegner. Bisherige Anlagestrategien greifen kaum noch mehr, bzw. lassen die bisherigen Renditen einbrechen. Noch profitieren viele Gesellschaften von den einst hochverzinsten langjährigen Anleihen. Diese laufen schrittweise aus und die Bestände müssen ausgetauscht werden, jedoch mit den aktuellen Zinsbedingungen. Die Gesellschaften müssen ihre Strategie verlagern.

Die Renditen deutscher Staatsanleihen kreisen um den Punkt „Null“ herum. Versicherungsgesellschaften sind dazu verpflichtet, ihren Löwenanteil des Kapitals in vermeintlich sichere Anleihepapiere zu stecken. Nur werden bei einem schrittweisen Bestandsaustausch die deutschen Anleihen gemieden und auf andere Länder, bzw. auf unternehmerische Ebene ausgewichen werden. Nur ein geringer Anteil steht für den freien Markt zur Verfügung, in dem ggfs. noch weit höhere Erträge erwirtschaftet werden könnten.

Die Versicherer sind in erster Linie die Leidtragenden der von überwiegend Banken ausgelösten Finanz- und Schuldenkrise. Der Gesetzgeber knebelt die Gesellschaften mit Vorgaben, worin die Beiträge anzulegen wären und lässt Gespräche über Rettungsschirme erst gar nicht aufkeimen.

Indirekt profitiert aber auch eine Versicherungsgesellschaft vom internationalen Investmenthandel, ein anderer Weg stünde kaum zur Verfügung, um die Renditen für die private Altersvorsorge auf möglichst hohem Niveau zu halten.

Das Prinzip Kapital-Lebensversicherung befindet sich seit geraumer Zeit auf einem absteigenden Ast. Die anhaltende Finanzkrise beschleunigt diesen Prozess. Irgendwann sind auch die Versicherer am Ende der internen Umstrukturierungsmaßnahmen für Kosteneinsparungen. Dann werden die sinkenden Zinsen noch direkter „durchschlagen“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.