Entwicklung Altersvorsorge relativ solide – Einbrüche bei Riester & Rürup

Entwicklung Rentenversicherungen-


Das Jahr 2012 erwies sich für die Branche der Altersvorsorge als ein relativ solides Geschäftsjahr mit teils gegensätzlichen Entwicklungen. Während die Vorsorgeprodukte noch bei der Stange gehalten wurden, brach das Neugeschäft bei Riester- und Rürup-Produkten dramatisch ein.

Verbraucher scheinen hin- und hergerissen

Altersvorsorgeprodukte
Im Jahr 2012 zwischen Zuwächsen und Schrumpfungen

Das Geschäftsjahr 2012 war für die Branche der Lebensversicherer sehr durchmischt und spiegelt keinesfalls, wie vielfach vermutet, die globalen Veränderungen im Versicherungsmarkt wider, an der die seit Jahren wütende Finanzkrise einen erheblichen Anteil trägt. Neben den Fakten des historischen Niedrigzins-Niveaus in Deutschland, spielt die teils erhebliche Verunsicherung der Verbraucher offenbar nur in der Sparte eine tragende Rolle, die bereits im vergangenen Jahr ins Kreuzfeuer genommen wurde, die Riester- und Rüruprenten. Der Zulauf zur privaten Altersvorsorge insgesamt erwies sich im letzten Jahr dennoch als relativ konstant.

Nach wie vor spricht der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) von einem stabilen Beitragswachstum und einer robusten Versicherungswirtschaft im Jahr 2012. Das Beitragsvolumen lag im vergangenen Jahr bei 181,7 Milliarden Euro und entsprach einem Zuwachs von 2 Prozent. Im europäischen Vergleich konnte sich der Versicherungsmarkt gut behaupten und Zuwächse verzeichnen.

Den größten Beitragszuwachs konnte die Versicherer in der Sparte Unfallversicherung verzeichnen, die mit einem Plus von 3,7 Prozent die höhste Zuwachsrate seit 17 Jahren vorweisen konnte. Die Privatkrankenversicherer liegen mit einem Plus von 2,9 Prozent dicht dran. Der Bereich Lebensversicherungen scheint etwas abgeschlagen, konnte das Jahr 2012 jedoch ebenfalls mit einem Beitragszuwachs von plus 0,6 Prozent abschließen.

Insgesamt wurden im Jahr 2012 mehr als 6,3 Millionen neue Verträge der Lebensversicherer, Pensionsfonds und Pensionskassen abgeschlossen. Die Stornoquote rutschte mit 3,48 Prozent auf den niedrigsten Wert seit mehr als 20 Jahren zurück. Diese Entwicklung zeichnete sich bereits im Jahr 2011 mit einer Quote von 3,49 Prozent ab.

Rund 1,2 Millionen neue Verträge wurden letztes Jahr zur Betrieblichen Altersvorsorge (baV) abgeschlossen. Insgesamt nimmt die baV inzwischen einen Anteil von 19,6 Prozent aller neu abgeschlossenen Lebensversicherungspolicen ein. Eine stabile Position nimmt auch der gesamte Bestand der Lebensversicherungen ein. Inklusive Pensionsfonds und Pensionskassen bleibt der Bestand mit 93,2 Millionen Verträgen auf einem hohem Niveau, auch wenn die Anzahl gegenüber 2011 mit 93,6 Millionen Policen etwas zurück ging.

Neuabschlüsse zu Riester & Co. brachen ein
Eine völlig gegensäztliche Entwicklung zeichnete sich bei den geförderten Altersvorsorgeprodukten ab. Der Rückgang im Jahr 2012 um knappe 36 Prozent spricht beinahe für einen Wegbruch der Sparte in den Lebensversicherungen. Die Anzahl der neu abgeschlossenen Riesterverträge umfasste 610.000 Policen. Ähnlich auch bei der Variante der Altersversorgung für Selbstständige, die Rüruprente (Basis-Rente). Das Neugeschäft stagnierte auf 178.000 Verträge und ging somit um -16 Prozent zurück. Die Bestände erreichten 2012 10,9 Millionen Riester-Verträge sowie 1,7 Millionen neue Verträge zur Basisrente.

Streit um Riester könnte wertvolle Zeit verdeuden

Als wenn der Verbraucher genau an dem Punkt besondere Vorsicht walten ließe, bei der der Bund seine Finger unmittelbar im Spiel hat, brach das Neugeschäft bei den beiden geförderten Vorsorgemaßnahmen nach Riester und Rürup förmlich ein. Vielmehr dürfte der starke Rückgang speziell zu den Förder-Renten auf die Verunsicherung durch strittige Aussagen zahlreicher „Rentenexperten“ zurück zu führen sein. Während auf der einen Seite von „Unrentabilität“ bis hin zu „viel zu teuer“ die Rede ist, widersprechen andere Stellen mit den Argumenten der vergleichsweise niedrigen Zinsen bei herkömmlichen Sparprodukten und dass die staatlichen Förderungen unterm Strich konkurrenzlos wären.

Unstrittig ist jedenfalls der Fakt von sinkenden Garantiezinsen, die jedoch längst vor der Finanzkrise eine permanente Abwärtsbewegung inne hatten. Auf der anderen Seite werden u.a. Riester-Produkte zu sehr an „klassische Rentenversicherungen“ festgemacht, die sich lediglich durch staatliche Förderungen unterschieden. Die Varianten der Riester-Versicherungen umfassen jedoch ein viel breiteres Feld, bei denen sogar die Banken mit sog. Riester-Sparplänen ein Angebot unterbreiten könnten.

Der Streit um die Riester- und Rüruprenten ist längst noch nicht ausgefochten und wird die Verbraucher noch eine Weile in die „Wartehaltung“ versetzen, zum Verdruß der Gesellschaften und ggfs. zum Schaden der zukünftigen Rentner. Denn jüngst belegte eine Rentenstudie, dass die zu erwartende Vorsorgelücke viel größer ausfallen wird als bisher angenommen, wenn man sich lediglich auf die gesetzliche Rentenzahlungen verlässt. Demnach liefen besonders die Arbeitnehmer mit Unterbrechungen in ihrer bisherigen Beschäftigtenlaufbahn Gefahr, eine Rentenlücke von bis zu 40% (zum letzten Nettoeinkommen) zum eigentlichen finanziellen Bedarf erleiden zu müssen.

Tarifometer24.com – Tarife – News – Meinungen

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.