Bewertungsreserven: Verwirrung um Lebensversicherungen

Gesetzesänderung LV-


Der Verwirrung ist perfekt. Nachdem die Bundesregierung mit ihrem Plan, die Bewertungsreserven der Versicherer neu zu regeln, vorerst scheiterte, sind bis heute keine Anzeichen für eine Einigung in Sicht. Inzwischen kamen Fakten zum Vorschein, die berechtigte Zweifel aufkommen lassen, ob die Begründung der schwarz-gelben Koalition aufrecht erhalten werden kann.

Kappung der Bewertungsreserven aus „Gefälligkeit“ für Versicherer?

Bewertungsreserven
Gesetzesänderungen ohne jede Notwendigkeit?
Bild: s.media / pixelio.de

Im Augenblick scheint sich nichts weiter zu bewegen. Nachdem im November die schwarz-gelbe Regierungskoalition mit ihren Stimmen im Bundestag für ein Durchkommen des Gesetzesentwurfs zur Neuregelung der Bewertungsreserven von Lebensversicherern sorgte, blockte der Bundesrat im Dezember das Vorhaben ab.

Der eingeschaltete Vermittlungsausschuss konnte die gegnerischen Parteien nicht einigen und nun ringen die Regierungskoalition und die Länder bereits seit Wochen um einen für beide Seiten akzeptablen Kompromiss.

Gesetzesänderung ohne jegliche Notwendigkeit?
Die Bundesregierung begründete die geplanten Änderungen zu den Bewertungsreserven mit der notwendigen Entlastung der Versicherungsgesellschaften. Inmitten der Krisenzeit und ihr Niedrigzins-Niveau wären die Gesellschaften dem erhöhten Risiko von finanziellen Überforderungen ausgesetzt. Wäre der Gesetzesentwurf zur Kürzung der Bewertungsreserven durchgekommen, würden davon rund 93 Millionen Verträge für Lebensversicherungen betroffen sein. Mit der Bewertungsreserve handelt es sich derzeit um ein Volumen von rund 280 Milliarden Euro.

Was sind die Bewertungsreserven von Lebensversicherern?

Wenn eine Versicherungsgesellschaft in Wertpapiere im Wert von 1.000,- Euro anlegt und diese nach einem Jahr 1.100,- Euro wert sind, dann beträgt die Bewertungsreserve 100,- Euro. Die Papiere sind durch Kursgewinne an der Börse „höher bewertet“.

Noch sind die Versicherer daran gebunden, an ihren Kunden vom „bewerteten Zugewinn“ die Hälfte auszuschütten. Die Beteiligung erfolgt entweder bei einer vorzeitigen Kündigung der LV-Police oder beim Ablauf des Vertrags.

Mit dem Gesetzesentwurf der Bundesregierung sollten die Anteile für die Versicherungsnehmer gekappt werden und die Gesellschaften durften die Differenz einbehalten. Somit wären auch Versicherungsverträge während ihrer Laufzeit „nachträglich“ in den Renditen erheblich beschnitten worden.

Aus den derzeitigen Hochrechnungen lt. SPIEGEL hätte nach in Kraft treten der neuen Regelung eine Versicherungspolice mit Ablaufdatum 2017 nur noch eine Ablaufleistung von 68.000,- Euro statt der bisher „erwarteten“ 75.000,- Euro. Ein Versicherungsnehmer mit einem noch längerfristigen Vertrag und der Ablaufleistung im Jahr 2026 erhielte nur noch 295.000,- Euro statt 330.000,- Euro.

Worin liegt das tatsächliche Interesse?

Doch offenbar besteht derzeit überhaupt kein Anlass, die Bewertungsreserven für die Endkunden zu kappen. Dem Finanzministerium lägen gar keine stichhaltigen Anhaltspunkte vor, die auch nur auf ein einziges Versicherungsunternehmen hinwiesen, das in Schwierigkeiten geraten könnte (Spiegel Online – 23.01.2013).

Demnach könnte man daraus schließen, dass die Bundesregierung entweder eine Fleißaufgabe zulasten der Versicherungskunden in Angriff nahm oder ausschließlich die Vorteile für die Versicherungsgesellschaften im Sinn gehabt hatte. Die wirklichen Beweggründe für die gewollte Änderung werden umso interessanter, wenn die Entwicklung der angehäuften Bewertungsreserven aus den letzten Jahren in Betracht gezogen wird. Der SPIEGEL veröffentlichte aktuelle Zahlen zu den Bewertungsreserven, die sogar Insider aufhorchen lassen.

So hätten sich demnach die Reserven bei festverzinslichen Wertpapieren seit Beginn 2011 auf das 30-fache aufgetürmt, von einst 2,7 auf 75,1 Milliarden Euro. Die gesamten Bewertungsreserven der Lebensversicherer wären mit Einbezug anderer Anlageformen auf 89,7 Milliarden Euro angestiegen. Von einer Not der Gesellschaften könnte somit überhaupt keine Rede sein.

Der GDV nimmt Gesellschaften in Schutz
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sieht die Neuregelung vielmehr als eine gesteigerte „Gerechtigkeit für die Versichertengemeinschaft“ und diene der Sicherheit des „wichtigsten privaten Altersvorsorgeprodukts der Deutschen“, so Jörg von Fürstenwerth, Hauptgeschäftsführer der GDV lt. Spiegel.de (23.01.13). Außerdem würden die Versicherer von den gekappten Reserven über keinen einzien Cent Vorteile erhalen.

In einem veröffentlichten Interview mit Prof. Dr. Hans Mathias Kepplinger stellte der GDV (31.01.2013) das erklärte Problem eines „veränderten Selbstverständnisses von Journalisten“ heraus. Im Mittelpunkt stehen die Versicherungsgesellschaft, die der bewusst negativen Berichterstattung der Medien ausgesetzt wären. Eine Kernaussage lautet: „Viele Journalisten übernehmen die Kritik an Unternehmen oder bestimmten Sachverhalten unkritisch.“

„In der Ruhe liegt die Kraft“ – Kein Grund für „Not-Kündigungen“

Im Grunde wird derzeit viel geredet, spekuliert und auch argumentiert, aber im Prinzip weiß noch niemand, ob und in welcher Weise die bisher gescheiterte „Novellierung“ zur Bewertungsreserve enden wird. Der einzig messbare Erfolg der bisherigen Initiative ist die deutliche Verunsicherung in der Marktbranche sowie die komplette Verwirrung der Verbraucher.

Der Spezialist im Versicherungszweitmarkt, lifeFinance, hat es mit einem Satz auf den Nenner gebracht: „Fazit, nicht kirre machen lassen“. Auf der einen Seite spricht lifeFinance von einer berechtigten Kritik am bisherigen Vorgehen der Versicherer, aber das relativiert das „große Aufsehen“ dadurch, dass die Beteiligung an Bewertungsreserven bis 2008 gar nicht gesetzlich vorgesehen wären und erst mit der Rechtssprechung zum Versicherungsvertragsgesetze (VVG) im Jahr 2008 auch Altverträge mit einbezogen wurden.

Verbraucher sollen sich nicht beirren lassen, von dem was in teils unverständlicher aber komplett verwirrender Weise über die Medien zu verfolgen ist. Ohnehin würden sich die Auswirkungen einer Anpassung auf die einzelnen LV-Verträge kaum einschätzen lassen. lifeFinance geht jedoch von einer pauschalen Minderung der Ablaufleistungen wie auch Rückkaufswerte aus.

„Eine Lebensversicherung jetzt wegen der geplanten Änderung der Beteiligung an den Bewertungsreserven zu kündigen wäre Selbstmord aus Angst vor dem Tod“, so lifeFinance. Erhebliche Verluste bei einer vorzeitigen Kündigung würden pauschal anfallen, aber der Anteil der Bewertungsreserve wäre nur gering. Die hohe Priorität einer Altersvorsorge bliebe unverändert und das gelte auch für den Leitsatz: „Durchhalten ist der beste Schutz vor Verlusten“.

Selbst wenn sich die bisher erhofften Renditen in der Zukunft minderten, sollte dies keine Motivation für die vorzeitige Kündigung einer Lebensversicherungs- oder Rentenpolice sein. Für eine ggfs. erforderliche Liquidität wäre nach wie vor die Versicherungsbeleihung der weitaus bessere Weg.

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