Altersvorsorge: Für Betriebsrente drohen große Risiken

Betriebsrenten & Euro-Krise-

Rund 17 Millionen Arbeitgeber sorgen in Deutschland über eine Betriebsrente finanziell für ihren Ruhestand vor. Die Schuldenkrise überschattet die gesamte Eurozone durch niedrige Renditen und unkalkulierbare Märkte. Die Betriebe haben neben der stagnierenden Realwirtschaft auch mit starken Rückgängen bei den Investment-Renditen zu kämpfen. Die Kapitallücke in den Kassen wächst kontinuierlich an.

Klaffende Milliardenlücken in den Kassen der Betriebsrenten

Betriebsrenten
Betriebsrenten auf Prüfstand

Das dauerhaft tiefe Zinsniveau der Märkte ist flächendeckend und trifft neben den Anlegern und Versicherern auch die Pensionskassen der Unternehmen. Offensichtlich werden besonders die DAX-Konzerne vor zunehmenden Herausforderungen stehen, um ihren Verpflichtungen nachkommen zu können.

Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser erklärte der Financial Times (Dienstag), dass Pensionsverpflichtungen für viele Unternehmen zu einen riesigen Problem werden könnten und warnte, „sollte die Niedrigzinsphase länger andauern, kann das zu einer ernsten Herausforderung werden“.

Rund 17 Millionen Arbeitnehmer könnten von globalen Schwierigkeiten bei der Betriebsrente betroffen sein. Die Rentenversicherung des Staates sei ohnehin überfordert und der Altersvorsorge bei privaten Versicherern werden Garantiezinsen und Überschussbeteiligungen gekürzt.

Inzwischen würden auch immer mehr Betriebe unter Druck geraten, die versprochenen Renten auch tatsächlich leisten zu können. Die Beratungsfirma Mercer hätte nach dem Bericht der FTD berechnet, dass aufgrund der Niedrigzinsen die bereits klaffende Lücke in den Betriebsrentenkassen seit Anfang 2012 um 40 Mrd. auf beinahe 300 Mrd. Euro angewachsen sei.

Auf einen Zuwachs um rund 22 Mrd. Euro auf 281 Mrd. Euro wiesen die Berechnungen vom Beraterunternehmen Towers Watson hin. Das Anlagevermögen der Betriebe betrug demnach nur 174 Mrd. Euro. Die Kapitaldeckung der Betriebsrenten schrumpfte seit Jahresbeginn von 66% auf lediglich 62%. Für die große Lücke in der Kapitaldeckung müssten die Firmen mit ihren Bilanzen gerade stehen.

„Betriebsrenten sind nicht in Gefahr trotz Niedrigzinsen“
Einer völlig gegensätzlichen Ansicht ist offensichtlich Heribert Karch, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba). In einem Bericht von Welt Online (27.07.2012) wies Karch darauf hin, dass die bisherigen Medien-Meldungen ein „Katastrophen-Szenario“ verbreiteten und dies „mitnichten der Realität entspricht“.

Trotz der derzeitigen Niedrigzinsen sei die Betriebsrente „das Instrument mit der höchsten Erfolgsgarantie und dem höchsten Sicherheitsniveau, das wir in der Finanzkrise derzeit in Deutschland haben“, so Karch. Es gäbe keinen Anlass Ängste zu schüren.

Das aktuelle Niedrigzinsniveau reduzierte zwar die Rendite der aba-Kapitalanlagen von aktuell mehr als 480 Milliarden Euro, aber „wir haben ein Teilproblem, das aber keineswegs die Betriebsrente in Gefahr bringt.“, erklärte der aba-Vorsitzende.

Für die Betriebsvorsorge in Deutschland sei die Situation „völlig unbekannt“ wie nach bei der Lehman-Pleite zugetragen hätte. Rund 20% der Betriebsrenten wären infolge des Bankencrash durch Zahlungsausfälle ungedeckt gewesen. Karch erklärt jedoch, dass dieses Problem bei deutschen Pensionskassen, Pensionsfonds oder Direktversicherungen aufgrund ihrer regulierten Kapitalanlagen und der zwingenden Deckung ihrer Pensionsverpflichtung nicht bekannt wäre.

Drei Experten – Drei unterschiedliche Ergebnisse

Zwei völlig auseinanderdriftende Meinungen. Zwischen den beiden Darstellungen um die Situation der Betriebsrenten innerhalb der Schuldenkrise liegen gerade mal 2 Wochen. Eine Kapitaldeckung von nur noch mehr 62% für die Betriebsrentenkassen durch die Unternehmen ist ungleich höher als die Kapitaldeckung der Kreditinstitute. Dennoch könnte die gemittelte Kapitaldeckung für alle 17 Millionen bei einer Betriebsrente versicherten Personen, den einen oder anderen Betrieb schwer ins Straucheln geraten lassen.

Das Sicherheitsniveau für die Altersvorsorge in Deutschland ist sehr hoch. Diese Strategie könnte jedoch ausgerechnet zum Verhängnis werden. Sicherheitsorientierte Anlagen sind meist zum Großteil mit der Investition in Staatsanleihen verbunden.

Die erkaufte Sicherheit führte inzwischen zu quasi „Null-Renditen“, sofern ausschließlich in deutsche Anleihen investiert worden sein sollte. Ein Umdenken auf Alternativen fand schon längst statt. Dennoch werden die Herausforderungen anwachsen, um die vorhandenen Milliardenlücken der Betriebskassen stopfen zu können.

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

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