Altersarmut: Neue Studie belegt viel größere Lücke im Rentenalter

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Die im Alter drohende Rentenlücke ist sehr viel größer als bisher angenommen. Basierten die Angaben auf Vermutungen bzw. Schätzungen, zeigt nun eine Studie die tatsächliche Größenordnung der finanziellen Einbußen, wenn sich lediglich auf die gesetzliche Rentenversicherung verlassen wird. Das Finanzloch im Rentenalter kann bis zu vier Mal größer sein.

Der finanzielle Bedarf im Rentenalter liegt viel höher

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Drohende Altersarmut ist viel ausgeprägter

Die bisherigen Annahmen zur drohenden Lücke in der Rentenversorgung scheinen trotz der alarmierenden Zahlen immer noch zu optimistisch eingeschätzt worden zu sein. Schätzungen gingen bisher von rund 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens aus, um den bisherigen Lebensstandard nach Eintritt ins Rentenalter einigermaßen halten zu können. Das Problem im Hintergrund ist jedoch die die „wage Vermutung“ des Mindestbedarfs, da die bisherigen Aussagen auf Annahmen beruhen und in Deutschland bisher keine Untersuchungen stattfanden. So erklärte Martin Werding, Professor für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität sowie Autor der Bedarfs-Studie, dass die Fachwelt bisher den Bedarf im Rentenalter nur in der Theorie ableitete oder willkürlich vorgab. „Alle Versuche, ein angemessenes Niveau der Vorsorge zu bestimmen, hingen somit empirisch in der Luft“, so Werding.

Der unabhängige Vermögensverwalter Fidelity Worldwide Investment beauftragte die Ruhr-Universität Bochum, um die empirische Grundlage für die Berechnung der Vorsorgelücke in Deutschland zu schaffen. Als fundierte Basis wurde das Ergebnis vom Wirtschaftsforschungsinstitut DIW Berlin verwendet, das auf der repräsentativen Längsschnittbefragung von rund 20.000 Personen aus 11.000 Privathaushalten Personen beruht.

Der tatsächliche Bedarf liegt um 17 Prozentpunkte höher
Das hervorstechende Ergebnis aus der Studie der Universität ist der tatsächlich signifikant höhere Bedarf im Alter. Somit sind alle bisherigen Schätzungen („Vermutungen, Annahmen“), die von 70 Prozent ausgingen, viel zu niedrig angesetzt, da mindestens 87 Prozent des letzten Nettoeinkommens erreicht werden müssen, um nicht vom bisherigen Lebensstandard zu viel einbüßen zu müssen.

Die bisherigen Berechnungen für die notwendige Deckung der Vorsorgelücke durch private Vorsorge setzten gesetzliche Rentenzahlungen mit einer Deckung von 60 Prozent voraus. Dennoch ergab die Studie, dass auch diese Einschätzung nicht der Realität entspricht, da eine lückenlose Beschäftigung im Erwerbsalter nicht mehr zum breiten Regelfall gehört. So zeigt die Wirklichkeit, dass aufgrund Teilzeitbeschäftigungen, Niedriglohnarbeiten, Erwerbsunterbrechungen bzw. Auszeiten, die Situation noch viel dramatischer ist, als bisher aufgezeigt wurde.

Die Rentenlücke kann bis zu 4 Mal so groß sein wie bisher angenommen
Bereits für das Jahr 2013 errechnet sich basierend auf vorläufigen Zahlen ein verminderter gesetzlicher Rentenanteil von nur noch 55 Prozent. Somit ergibt sich eine Versorgungslücke von enormen 32 Prozentpunkten gegenüber den bisher angenommenen 10 Prozentpunkten. Sollte bisweilen der Erwerb unterbrochen gewesen sein, kann die Lücke auch 40 Prozentpunkte erreichen.

350,- Euro würden dem „Standardrentner“ jeden Monat fehlen, nach der bisherigen Annahme! Selbst beim „Idealfall“ einer lückenlosen Erwerbsbiografie zeigt die realistische Berechnung eine finanzielle Lücke von 650,- Euro netto jeden Monat auf.

Somit stehen die Berufstätigen mit niedrigem Einkommen vor ein besonders großes Problem. In der Regel bleiben für sie nur noch wenig bis gar keine Mittel mehr zur Verfügung, um sich eine Altersvorsorge leisten zu können. Aus der Studie geht jedoch klar hervor, dass sich die Bürger deutlich mehr um die Altersvorsorge kümmern müssen, als bisher angenommen (vermutet wurde). Zwar würde sich lt. den Forschern der finanzielle Bedarf während der Rentenphase im geringen Umfang reduzieren, jedoch bleibt der Bedarf von rund 85 Prozent des letzten Nettoeinkommens aufgrund der Inflation nahezu konstant.

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